30 Millionen Matratzen landen in Europa jährlich auf der Müllhalde - bis sie am Ende ihres Lebens fast lückenlos verbrannt werden. Genau um 30 Millionen zu viel für den Geschmack der beiden Startup-Gründerinnen von "MATR ", Verena Judmayer aus Kammern und Michaela Stephen aus Schottland.

In Zusammenhang mit der Klimakrise stößt man zwar ständig auf schockierende Zahlen - diese 30 Millionen wollten die beiden aber einfach nicht mehr loslassen. "Jeder von uns verbringt circa ein Drittel seines Lebens auf einer Matratze, das Thema trifft jeden persönlich und ist sehr greifbar."

Aus Spaßprojekt wurde eigene Firma

Was als "Spaßprojekt" begann, wuchs schnell zu etwas Größerem heran, ist jetzt eine GmbH, heißt "MATR" - und dreht sich um recycelbare Matratzen. Und zwar um solche, die bloß aus zwei Materialien bestehen und dank eines speziellen, quasi hitzelöslichen Klebers sehr einfach aufzutrennen sind - "um die Materialien wieder in den Kreislauf zurückführen zu können", erklärt Judmayer.

Die MATR-Matratze besteht aus Stahlfederkernen und Polyester
© (c) Lisi Specht

An nachhaltigen Matratzen mit umweltfreundlichen Materialien wie Kokosnussfasern oder Pferdehaar mangle es nicht am Bettenmarkt, problematisch werde es immer erst ab dem "Ableben" der Matratzen, führt Judmayer aus. Denn egal was drin stecke, in der Regel wandern Matratzen vom Sperrmüll in die Müllverbrennungsanlage, erklärt sie und fügt aber hinzu: "In Österreich fällt das zumindest unter thermisches Recycling. Also die Matratze wird zu Energie umgewandelt, was schon einmal besser ist, als dass sie am Müllplatz oder sonst wo im globalen Süden landet." Besser, aber noch mit ganz viel Luft nach oben. Denn die Materialien könnte man grundsätzlich weiterverwenden, meint die Jungunternehmerin.

Je weniger, desto besser

Weil die Standardmatratze aber aus verschiedenen und fix miteinander verarbeiteten Schichten besteht, lässt sie sich für gewöhnlich nicht mehr in ihre Bestandteile aufteilen - anders als bei "MATR", erklärt Judmayer. Weil beim Recyceln grundsätzlich gelte, je weniger Materialien, desto besser, legten sich Judmayer und Stephen auf zwei fest: Stahlfederkerne und Polyester. "Unser Partner aus den Niederlanden hat schon lang an einer speziellen Technik gearbeitet, bei der Fäden aus Polyester ganz eng miteinander verwoben werden. Das fühlt sich wirklich an, wie Schaum."

Wie wird nun aber garantiert, dass Hotels die Matratzen nach ihrem Ableben auch tatsächlich recyceln? "Wir räumen uns beim Verkauf schon das Recht ein, dass wir die Matratzen am Ende ihrer Lebensdauer wieder zurückholen. Damit wir sicherstellen können, dass sie recycelt werden." Weil die entsprechende Kreislaufwirtschaft-Infrastruktur in Österreich noch nicht so weit aufgebaut sei, werden die Matratzen zum Recycling in die Niederlande gebracht. Dahingehend sei man aber bereits mit regionalen Abfallwirtschaftern im Austausch, betont Judmayer. "Aktuell liegen wir mit einer MATR -Matratze bei 50 Prozent weniger CO₂-Emissionen als bei einer gewöhnlichen", betont sie stolz.

Testphase läuft

Erste Testmatratzen sind in Wiener Hotels übrigens bereits im Umlauf, ein großer Relaunch sei für das nächste Jahr geplant. Jedenfalls durften sich die beiden Gründerinnen bereits über eine sechsstellige Investmentsumme freuen. "Das hilft uns natürlich enorm, Ideen umzusetzen. Wir werden auch unser Team um zwei Kräfte verstärken", freut sich Judmayer.