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KammernHerbert Schüttbacher: Auf der Spur des Goldes im Herzen Afrikas

Herbert Schüttbacher aus Kammern betreibt mit Sohn Martin im afrikanischen Tansania seit mittlerweile drei Jahren Goldproduktion.

In Mwakidolyo im afrikanischen Tansania betreiben Herbert und Martin Schüttbacher eine Goldproduktion © KK
 

Einmal Afrika, immer Afrika. Auf meinen Sohn Martin und mich trifft dieses Sprichwort zu hundert Prozent zu. Uns hat der Afrika-Virus gepackt und nicht mehr losgelassen“, erzählt Herbert Schüttbacher. Der 64-jährige Unternehmer, der in Kammern lebt, hat sich in Leoben durch die Organisation der Häuselbauermesse einen Namen gemacht.

Verstreute Dörfer

Was aber wohl kaum jemand weiß: Dass Herbert und Martin Schüttbacher vor drei Jahren ein Mining-Unternehmen im Herzen Afrikas gegründet haben. Sie betreiben in Tansania fernab der nächsten größeren Stadt Goldproduktion. „Einer von uns beiden ist immer vor Ort“, erzählt Herbert Schüttbacher. Und das ist in Mwakidolyo am Victoriasee. „Es ist eine Ansammlung weit verstreuter Dörfer mit insgesamt 500.000 bis 700.000 Einwohnern. Wir sind dort gut 400 Kilometer von der Zivilisation entfernt.“

Spezielle Herausforderungen

Die nächste größere Stadt ist die zweitgrößte Tansanias und heißt Mwanza: Sie liegt am Eingang der Serengeti. Die Region hat zweieinhalb Millionen Einwohner. Die Arbeit in Afrika bringe für einen Europäer spezielle Herausforderungen, meint Herbert Schüttbacher: „Das Niveau der Ausbildung ist schlecht. Die Quote an Analphabeten ist 50 Prozent. Besonders gravierend ist das am Land.“ Englisch sei zwar Amtssprache, trotz allem werde sie gerade am Land kaum gesprochen: „Die Suaheli-Dialekte sind von Dorf zu Dorf unterschiedlich. Unser einheimischer Leiter des Produktionsstandortes ist nicht nur Teilhaber, sondern auch Dolmetscher.“ Mittlerweile würden sein Sohn und er Suaheli sprechen: „Aber wir lernen noch.“

Kein Honigschlecken

Es sei aber nicht nur die Sprache komplex, auch die vollkommen andere Denkweise der Afrikaner bringe Herausforderungen. Essen und Trinken gestalten sich ebenfalls schwierig: „Daher können wir nicht direkt an der Produktionsstätte bleiben. Wir übernachten im nächstgelegenen Hotel, das Essen anbietet, das für Europäer verträglich ist.“ Das bedeute eine tägliche Fahrtzeit von fünf Stunden – in einem Auto ohne Klimaanlage. Bei 40 Grad Celsius oder mehr. Über Erdstraßen. Jedenfalls kein Honigschlecken.

Unternehmer Herbert Schüttbacher aus Kammern Foto © Andreas Schöberl-Negishi

Ins Goldgeschäft sind die Schüttbachers durch den Job von Martin Schüttbacher in Johannesburg gerutscht: „Schon während des Studiums ist er nach Südafrika gegangen. Er hat sich dann mit einem Unternehmen selbstständig gemacht, das Ausrüstung für Krankenhäuser und Labors importiert.“ So sei der Kontakt zu afrikanischen Ländern und der Goldproduktion gekommen. „Zuerst wollten wir mit Gold handeln. Man muss ein Unternehmen gründen, um eine Lizenz zum Goldhandel und der Goldproduktion zu bekommen.“ Zu Beginn habe man viel Lehrgeld bezahlt.

Ins Laufen gebracht

Mittlerweile aber haben die zwei Schüttbachers ihr Unternehmen ins Laufen gebracht, und beschäftigen 20 Leute, die direkt an der Produktionsstätte leben. „Wir sind im kleinen bis mittleren Bereich tätig.“ Mithilfe von Experten der Montanuni Leoben gewinne man Rohgold nun mit einer umweltschonenden Methode. Gleichzeitig sei man nun in der Lage, sehr viel Gold aus dem Erz zu gewinnen. „Das Erz wird mit Mühlen gemahlen, kommt in Zentrifugen und auf Rütteltische, um die Bestandteile zu trennen.“

Martin Schüttbacher (35) arbeitet mit seinem Vater gemeinsam in Tansania Foto © KK

Allerdings brauche man 20.000 Liter Wasser in der Stunde. „Wir haben 120 Meter in die Tiefe gebohrt, um einen Brunnen zu haben, der auch in der Trockenzeit Wasser hat.“ Die Schüttbachers stellen den Bewohnern aus der Umgebung Wasser aus ihrem Brunnen zur Verfügung. „Die Wasserversorgung ist ein Riesenproblem.“ Verkauft wird das Gold in Tansania, wobei der Preis an einen internationalen Index gebunden ist. „Der Export ist alleine wegen des Transports des Goldes im Land zu gefährlich“, so Schüttbacher.

Etwas zurückgeben

Schlecht sind Schulbildung und die mangelhafte Gesundheitsversorgung. Dagegen wollen die Schüttbachers etwas unternehmen. „Ja, wir nehmen aus dem Land etwas mit. Aber wir geben auch etwas zurück. Und das soll noch mehr werden“, so Herbert Schüttbacher. Er wolle Unterstützer finden, die etwa für das Drehen eines Films über das Land und die Produktionsstätte Geld zur Verfügung stellen könnten: „Wir sind immer da, gut vernetzt und bei den Einheimischen akzeptiert. Wir könnten sicherstellen, dass das Geld tatsächlich dort ankommt, wo die Hilfe konkret benötigt wird.“

ZU DEN PERSONEN

Herbert Schüttbacher, 64, ist Unternehmer und lebt in Kammern im Liesingtal.

Seit 1983 ist er im Schuhhandel tätig. Außerdem betreibt er ein Eventmanagement.

Sein Sohn Martin (35) lebt seit fünf Jahren in Johannesburg.

Vorher hat er in Wien BWL studiert. Schon während des Studiums ging er für die Voestalpine und Böhler nach Südafrika.

Vor drei Jahren stiegen Vater und Sohn gemeinsam in die Goldproduktion in Tansania in Afrika ein.

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