Handball Claus Hödl: Rücktritt ohne Wehmut, dafür aber mit viel Kritik

Nach 20 Jahren an der Spitze der Leobener Handballer ist Claus Hödl als Präsident zurückgetreten. Er blickt auf schöne Momente zurück, übt aber auch Kritik am System.

HANDBALL - HLA, Leoben vs Bregenz
Claus Hödl mit Klaus Mitterdorfer © GEPA pictures
 

Claus Hödl ist ein Original. 20 Jahre stand er als Präsident den Leobener Handballern vor und schreckte nie davor zurück, seine Meinung offen kundzutun. Im Jubel wie auch bei Kritik trägt er sein Herz auf der Zunge. Genau dafür wurde er geliebt – oder eben nicht. Nun hat er sein Amt niedergelegt und ist zum Ehrenpräsidenten ernannt worden.
Hödl übergab an Peter Stakne, der somit die Geschicke des Erstligisten führen wird. Dennoch ist der Verein ohne die aufbrausende Galionsfigur nur schwer vorstellbar. „Ich bin ja nicht ganz weg, sondern halt nur noch ein einfacher Helfer“, sagt Hödl, „wenn sie mich zum Eingang stellen, mache ich das natürlich auch.“

Der erstmalige Aufstieg in die höchste Liga im Jahr 2008 war der emotionale Höhepunkt seiner Funktionärslaufbahn: „Aber auch die Spieler, die wir hier hatten, waren ein Wahnsinn.“ Die Entdeckung von Raul Santos war einer der Meilensteine. Der Leobener („Ich habe ihn zum ersten Mal gesehen, als er im Hof gestanden ist und mit dem Mund Schneeflocken aufgefangen hat“) ist mittlerweile eine Größe im ÖHB-Team und nach Stationen in Gummersbach und Kiel bei Leipzig in der deutschen Bundesliga.

Es sei aber nach so langer Zeit an der Spitze bei allen Freuden einfach an der Zeit gewesen, aufzuhören, sagt Hödl: „Auch wenn die positiven und schönen Momente eindeutig überwogen, bin ich nach so einer langen Zeit müde, die Last zu tragen. Jetzt gibt es ein Team, das meine Arbeit nahtlos fortsetzen wird.“ Die Übergabe wurde seit knapp drei Monaten vorbereitet – Wehmut schwingt deshalb nur in geringem Maße mit. „Natürlich gibt es bei solchen Entscheidungen auch immer ein weinendes Auge, aber die Erleichterung überwiegt in diesem Fall“, sagt Hödl. Der persönliche und vor allem der zeitliche Aufwand an der Spitze eines Vereines wie Leoben – als Ehrenamt – stünden eben heutzutage in keiner Relation mehr: „Eigentlich bräuchte man bei einem Klub unserer Größe zwei hauptberufliche Angestellte.“ Das sei aber wegen des rückläufige Engagements von Sponsoren nicht finanzierbar.

Eine Kritik am System? „Es ist eine Kritik daran, wie das Vereinsleben in Österreich zurzeit abläuft. Es wird vonseiten der Regierung und den Verantwortlichen alles dafür getan, dass es möglichst schwierig wird – und da geht es nicht nur den Sportvereinen so“, sagt er.
Behördengänge, Auflagen (von Finanz bis Liga), Vorschriften und weitere Hürden hätten in den vergangenen Jahren extrem zugenommen. „Der Aufwand ist enorm. Was wir bis zum ersten Spiel an Vorarbeit und Zettelwirtschaft leisten müssen, kann sich kein Mensch vorstellen“, erklärt der 58-Jährige. In Zukunft werde es daher immer schwieriger, „Vereinschefs“ zu finden: „Ich glaube, 70 Prozent der Obleute wissen gar nicht, wofür sie alles haften. Ich weiß, dass es Firmen gibt, die nicht wollen, dass ihre Angestellten als Obleute in einem Verein arbeiten, weil sie dann zu wenig Zeit für den Job haben. Aber ich bin überzeugt davon, dass das wieder besser wird.“

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kdo017_bfvle
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Alles Gute Claus!

Super, was "Du" in den letzten Jahren in Leoben, sozusagen auf die Beine gestellt hast. 100% Einsatz über viele, viele Jahre - Idealismus pur.

Deinem Interview kann ich nur beipflichten.
Das "Vereinsleben" und damit verbunden u.a. eine kostengünstige Leistung im Interesse der Gesellschaft steht wahrlich vor einer großen Herausforderung. Dies nicht nur im Sport-/Freizeitbereich...

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