LeobenWie man die Digitalisierung in der Industrie meistern kann

Chancen und Risiken der Digitalisierung wurden beim Asmet Forum in Leoben diskutiert. Voestalpine stiftet Professur an Montanuni.

Franz Rotter, Georg Knill und Wilfried Eichlseder, Rektor der Montanuniversität Leoben (von links) © Martina Marx
 

Ist die Digitalisierung nur ein Hype? „Nein“, sagt Franz Rotter, Vorstandsmitglied der Voestalpine AG beim Asmet Forum. „Es ist eine digitale Transformation, die die Rahmenbedingungen sowie die Prozesse der Industrie in ihren Grundfesten verändert.“ Sich auf diese Veränderungen einzustellen und aus diesen als Gewinner hervorzugehen, damit beschäftigte sich das Asmet Forum 2018.

Alljährlich veranstaltet die „Austrian Society for Metallurgy and Materials“ an der Montanuniversität unter der Leitung ihres Präsidenten Rotter ein Treffen mit Vorträgen und Diskussionen. Die Digitalisierung sowie ihre Chancen und Risiken für die Metallindustrie waren 2018 Thema.

Für Rotter stehen die Chancen im Vordergrund. Ein Beispiel dafür ist etwa das voll automatisierte Drahtwalzwerk in Leoben-Donawitz. Auch baut die Voestalpine ein Digitalisierungszentrum in Kapfenberg auf. „Hier versuchen wir, die Kompetenzen, die für die Digitalisierung benötigt werden, zu vermitteln. Mitarbeiter werden geschult, und das mit der Hilfe internationaler Experten.“

Es braucht Strategien

Ganz alleine können die Unternehmen die Herausforderungen nicht stemmen, so Rotter. „Es braucht klare industriepolitische Maßnahmen und eine Digitalisierungs-Strategie“, sagt Rotter in Richtung der Bundesregierung. Dies sei vorrangig für KMUs von Bedeutung. „Passiert in diese Richtung nichts, sind KMUs die ersten Digitalisierungsverlierer.“

Reformen und Investitionen im Bildungsbereich seien dringend notwendig, sagt Georg Knill, Präsident der Industriellenvereinigung Steiermark (IV). „Die Lehrerausbildung muss modernisiert werden und in den Schulen müssen Basiskompetenzen in den MINT-Fächern vermittelt werden“, hebt Knill eigens hervor.

Der Fachkräftemangel in den obersteirischen Industrieregionen ist evident, Unternehmen können offene Stellen oft nicht besetzen. Das hemmt Wachstum sowie Investitionen. Geeignetes Personal braucht es aber, um Forschung und Entwicklung voranzutreiben. Zudem ergab eine Studie von Joanneum Research, dass in den vergangenen fünf Jahren Betriebe in Hochtechnologiebereichen ihre Beschäftigtenzahlen um durchschnittlich 4,4 Prozent jährlich erhöhten. Digitalisierung richtig angegangen kann also auch zur Schaffung neuer Arbeitsplätze führen.

Neue Stiftungsprofessur

Eine der prägendsten digitalen Technologien ist der 3D-Druck. Um Expertise in diesem Bereich aufzubauen, finanziert die Voestalpine eine Stiftungsprofessur an der Montanuni. Bis Herbst 2018 soll diese eingerichtet sein. Nicht nur wegen dieser Professur gelte es den Standort in das richtige Licht zu rücken. „Es braucht eine aktive Standortpolitik“, sagt Knill. „Und eine ordentliche Bildungspolitik ist die beste Standortpolitik.“

INFOSPLITTER

Das Forum der Asmet, der Austrian Society for Metallurgy and Materials, findet alljährlich an der Montanuniversität in Leoben statt.

In diesem Jahr wird das Thema „Digitalisierung in der Metallindustrie“ diskutiert.

Rund 1000 Mitglieder sowie rund 100 Firmenmitglieder zählt die Vereinigung.

Präsident ist aktuell Franz Rotter, Vorstandsmitglied der Voestalpine, Geschäftsführer ist Bruno Hribernik.

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