AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Charakterporträt mit starken Gegensätzen

Paul Ferstl (32), Wiener Autor mit Leobener Wurzeln, legt mit dem Roman "Der Knoten" seinen Erstling vor. Er hat viele Eisen im Feuer, eine weitere Erzählung soll bald erscheinen.

 

Irgendwo in den endlosen Weiten, die sich in Karl Mays Roman "Von Bagdad nach Stambul" zwischen zwei Buchdeckeln entblättern, hatte Paul Ferstl aus Leoben sein "entscheidendes Leseerlebnis". Acht Jahre alt war er damals. Und fasziniert von den geschilderten Extremen, von den beschriebenen Werten wie Mut und Freundschaft. Das Leseerlebnis führte zum Aha-Effekt, der sein weiteres Leben bestimmen sollte: "Man kann ein Buch nicht nur lesen, sondern auch schreiben. Und wenn das Lesen schon so gut ist, kann das Schreiben nur noch besser sein", meint Ferstl.

Kurzum: Heute, 24 Jahre später, lebt Ferstl seit etlichen Jahren in Wien und - ist Schriftsteller. Mit dem Roman "Der Knoten" legt er nun sein knapp 200 Seiten starkes Erstlingswerk vor (siehe Infokasten rechts). "Es ist das Charakterporträt eines Menschen, der der nicht fähig oder willens ist, Verantwortung zu übernehmen", umreißt Ferstl, der "eine fremdartige Welt" darstellen will, in der es jedoch sehr viele Möglichkeiten gibt, dass sich der Leser selbst widergespiegelt sieht. Angesiedelt ist der Roman in der Generation, die der Anschlag auf die Twin Towers des World Trade Center in New York 9/11 geprägt hat. Genauer im Wien des ersten Jahrzehnts nach der Jahrtausendwende. Der Erzähler: ein Manager, der sich durch familiäre Beziehungen hochgehantelt hat. Dessen Freundin hat Französisch und Philosophie studiert, sei also "eher brotlos unterwegs". Eine Mischung, die kaum gegensätzlicher sein könnte.

Gegensätze

Starke Gegensatzpaare faszinieren Ferstl. So heißt es etwa in seinem Roman: "Lust, Genuss und Aufregung sind eng mit der Angst und dem Ekel verwandt und verschwägert, weshalb man sie vor Gericht nicht dazu zwingen kann, gegeneinander auszusagen." Das Schreiben selbst ist für Ferstl ein Ort, an dem sich für ihn Gegensätze auftun: "Es ist ein Ort der absoluten Sicherheit und gleichzeitig einer der absoluten Unsicherheit." Warum? "Wenn ich mit einem Text beginne, stehe ich vor dem Nichts. Und dann entwickle ich eine eigene Welt."

"Der Knoten" entstand aus einem großen Text - "einem Riesenmonster", wie Ferstl sagt. Auf Anraten eines Lesers habe er sich drangemacht, textlichen Ballast abzuwerfen und sich auf eines der vielen Motive zu fokussieren, Handlungsknoten zu entwirren. Was letztlich blieb, ist die Essenz - sein Erstling "Der Knoten".

Sein nächstes Buch - eine Erzählung - sei bereits in Vorbereitung. "Die Veröffentlichung des ersten Romans war ein emotional aufgeladener Moment. Schließlich ist es ein Wunschtraum, der ins Reale kippt. Das zweite Buch ist immer das schwierigste, sagt man. Man geht nicht mehr ganz so unbefangen an die Arbeit." Er fühle sich jedoch Schritt auf Schritt sicherer: "Ich weiß, worüber ich schreiben will. Man tut sich außerdem immer leichter, zu entscheiden, was in die Erzählung einfließen soll."

"Der Knoten" ist fiktiv. "Persönlich ist aber meine Sprache, die ich dem Erzähler quasi überlassen habe." Schreiben sei eine der besten Erfahrungen. "Es gibt keine bessere Möglichkeit, etwas Schönes zu machen und mich selbst besser kennenzulernen." In der Sprache offenbare sich ebenfalls ein harter Gegensatz: "Literatur ist konkret, sie wird von allen benützt und ist sehr nahe am Alltagsleben. Auf der anderen Seite ist sie abstrakt. Es sind schwarze Zeichen auf Papier, von denen es eine gesellschaftliche Absprache gibt, was sie bedeuten." Was ihm gefalle am Schreiben: "Das kann ich ganz alleine machen. Für einen Text brauche ich ein Blatt Papier und einen Stift. Sonst nichts." Immer wieder begibt sich Ferstl auf "Klausur", um sich aufs Schreiben zu konzentrieren - auf einer Hütte bei Oberwölz. Und er hat immer mehrere Eisen im Feuer. Das lässt noch Einiges erwarten.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung! Kommentieren