Olympia im Steirerland"Bewerben uns nicht für ein Debakel"

Was spricht für Winterspiele 2026 in der Steiermark, was dagegen? Am Dienstag sprachen darüber der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl und Klaus Zeyringer (Autor von "Olympische Spiele. Eine Kulturgeschichte"). Am Ende gab es ein Jobangebot.

Nagl, Fleischhacker, Zeyringer und Eisel-Eiselsberg.
Nagl, Fleischhacker, Zeyringer und Eisel-Eiselsberg. © stvp/fischer
 

In der VP-Zentrale in Graz stand Dienstagabend Olympia im Mittelpunkt: Detlev Eisel-Eiselsberg begrüßte Klaus Zeyringer, Autor, Journalist und Kritiker der Geschäftemacherei des IOC. Sowie Siegfried Nagl,  Bürgermeister von Graz und wie sein Schladminger Kollege Jürgen Winter von den Winterspiel-Plänen "Austria 2026" begeistert.  

Moderiert von Michael Fleischhacker (Ex-"Die Presse"-CR etc.), lauteten die Fragen: Ist es erstrebenswert Olympische Spiele durchzuführen? Und welche Entwicklungen könnten die Spiele in der Steiermark auslösen? Wer sich ein feuriges Rededuell erhoffte, merkte bald: Sehnsucht und Sachlichkeit heben einander auf. 

Beispiel: Auf Vorschlag des Publikums hin meinte Nagl zustimmend, IOC-Fachmann Zeyringer als Experten für die anstehende Bewerbung zu verpflichten. "Das Olympische Komitee wird Ihnen sagen, wen es als Experten haben will", meinte Zeyringer auf das Jobangebot trocken.

Herz und Gier 

Und so war es in vielen Punkten. Nagl ("Ich weiß, ich bin zu euphorisch") schwärmte von überregionalen Winterspielen mit Herz und frei von  Gigantomanie. Autor Zeyringer ("Ich habe alle Protokolle des IOC seit 1894 gelesen") wünschte ihm viel Glück; und zitierte aus dem schier endlosen Sündenregister aus der IOC-Vergangenheit samt Korruption,  Umweltsünden, Kommerz.

Sie dürfen mir glauben, Olympia wird nicht für den Sport gemacht. Der Kommerz zählt.

Klaus Zeyringer an Nagl

Gleichklang herrschte, dass es anders als in Südkorea für Winterspiele 2026 in der Steiermark, in Südbayern und eventuell auch in Kärnten (Nagl: "Werde mit LH Peter Kaiser nach der Wahl reden") keine völlig neuen Sportstätten brauche. Auch die neue Halle der Messe Graz für bis zu 10.000 Personen sei laut Nagl in Planung und wichtig, um die Eiskunstlaufbewerbe (temporär) veranstalten zu können.

Kosten und Defizit

Überhaupt erstaunten den Bürgermeister die kolportierten Kosten: "Wir haben den Aufwand aller Weltmeisterschaften in olympischen Disziplinen, die in Österreich stattgefunden haben, zusammengezählt. Das waren rund 245 Millionen Euro", hielt Nagl seine Aufstellung in die dicht besetzten Zuhörer-Reihen.   

Zeyringer ging gar nicht darauf ein, dass allein die Ski-WM 2013 in Schladming laut Bundesrechnungshof solche Kosten verursacht hatte.
Er schilderte lieber, dass "in den letzten 50 Jahren diese Spiele für die Gastgeber ein Defizit gewesen sind". Freilich nicht für das "gemeinnützige" IOC, das mit Werbeverträgen, Sponsoren, Übertragungsrechten etc. Dollar-Milliarden umsetzen würde. 

Angebot und Debakel

Nagl konterte, man werde sich ja nicht für ein Debakel bewerben. Sollten im März die Gemeinderäte der wichtigsten Städte und Gemeinden zustimmen, dann wird gemeinsam eine Bewerbung ausgearbeitet. "Wir werden dem IOC ein Angebot machen: Nicht für mich, sondern für die Verbände, für die Sportler, für die Bürgermeister und für alle, die darunter leiden, dass wir international so selten aufzeigen." Sollte das Komitee dies nicht wollen, dann "werden wir das ja bald sehen."

Wir werden dem IOC ein Angebot machen: Nicht für mich, sondern für Verbände, Sportler und alle, die darunter leiden, dass wir international so selten aufzeigen.

Siegfried Nagl

Der Autor ("Olympische Spiele. Eine Kulturgeschichte") betonte vehement, dass das IOC kein Partner sei, dem man ein Angebot machen könne. Sondern ein "Monopolist", der die Regeln bestimme. Während der Winterspiele würden gleichsam "das Steuerrecht, die Grenzkontrollen, das Versammlungsrecht oder das Arbeitsrecht aufgehoben". Ob Frieden, Ökologie oder Gleichberechtigung: Unter den fünf Ringen sei das "Fassade", bedauerte Zeyringer.

Nagl wusste das wohl ("In der UNO sitzen auch Waffenhändler, dennoch will sie die Welt verbessern"), möchte aber unter neuer IOC-Agenda das Gegenteil beweisen. "Das ist dann eigentlich eine Attacke auf das IOC", interpretierte Fleischhacker frei. 

 

 

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Das Nagl Graz finanziell ruiniert

hat reicht ihm noch nicht.
Er will Graz vernichten!
Es ist an der Zeit, daß Politiker mit ihrem persöhnlichem Vermögen haftbar gemacht werden - oder eben sitzen gehen. Wer in der Privatwirtschaft s o wirtschaftet - sitzt für sehr lange Zeit...

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