Aktion 20.000 auf EisSteirischer AMS-Chef: "Niemand wird gekündigt"

Die neue Bundesregierung hat die "Aktion 20.000" für ältere Arbeitslose ausgesetzt. Scharfer Protest kommt aus der Steiermark. Für bis zu 450 Steirer sollten die Stellen bis Sommer 2019 aber sicher sein.

Kampus (SPÖ) mit AMS-Chef Snobe
Kampus (SPÖ) mit AMS-Chef Snobe © Rombold
 

Die neue Bundesregierung hat die "Aktion 20.000" für ältere Arbeitslose mit 31. Dezember 2017 ausgesetzt. "Wie ist das zu verantworten? Die Leute verlieren wieder ihren Job!", protestierte am Montag die steirische Soziallandesrätin Doris Kampus. Deren Gegenüber in Wien konterte mit der generell sinkenden Arbeitslosigkeit.

Pilotregion

So oder so: Die Steiermark war Pilotregion der "Aktion 20.000" (unter Christian Kerns SPÖ) - mit den Bezirken Voitsberg und Deutschlandsberg. Im Endausbau hätten 2050 Menschen steiermarkweit beschäftigt werden sollen.

Wie der steirische AMS-Chef Karl-Heinz Snobe am Dienstag bestätigt, konnten in beiden Bezirken 249 Personen dank der Aktion wieder eine Arbeit finden. Sei es in Gemeinden oder bei Vereinen. Für diese Personen werde sich jedenfalls nichts ändern: "Niemand wird gekündigt", betont Snobe. Die Förder-Verträge laufen plangemäß bis Ende Juni 2019.

Verträge halten

Auch geht man beim AMS Steiermark davon aus, dass jene rund 100 Steirer, die im Laufe der 1. Jänner-Woche ihre Stelle antreten, diese auch sicher behalten. "Es handelt sich ja um aufrechte Verträge."
Um die geschätzt 100 weiteren Steirer, für die ein Arbeitsplatz gefunden werden konnte, die aber noch nicht amtlich beschäftigt sind, werden sich AMS und Land besonders bemühen. 

Zweifel

Für Kampus aber ein schwacher Trost:"Arbeitsmarkt und auch die Wirtschaft ziehen weiter an - Respekt und Dank dafür, aber das hilft dieser Gruppe nicht unbedingt", betonte die Landesrätin. Denn mit der "Aktion 20.000" helfe man gezielt Menschen über 50 Jahre, die seit mindestens einem Jahr arbeitslos wären.

"Unsozial"

Diesen Menschen den Zugang zum Arbeitsmarkt heuer wieder zu erschweren, sei "unfassbar. Entweder wir finanzieren deren Beschäftigung oder deren Arbeitslosengeld", sagte Kampus. Der Bund agiere "unsozial und ungerecht", beklagte auch SP-Landeschef Michael Schickhofer.

Snobe weiß, es handelte sich bei der Aktion "eher um eine Sozial-, denn eine Arbeitsmarktmaßnahme". Trotz steigender Beschäftigung fanden nur sieben Prozent der Langzeitarbeitslosen (in Österreich) abseits der Aktion eine Stelle. Künftig würden sie es "nicht leichter haben".

Kampus: Die "Streichung hat sich nach der Wahl angekündigt. Wir haben dennoch laufend gemeldet, wie es läuft - und, dass es gut läuft". 

Kurort pocht auf Verträge

In Bad Gleichenberg hat Bürgermeisterin Christine Siegel heuer drei Mitarbeiter über die Aktion 20.000 eingestellt. "Die Verträge wurde noch 2017 abgeschlossen", betont die Kurortchefin, dass sie nicht davon ausgehe, dass diese Leute Probleme bekämen.

Vielmehr werden die Männer im Bauhof und der Grünraumpflege gebraucht. Einer "hat vor Freude geweint", als er die Zusage erhielt. 

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scherz
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Weg mit den Sozialschmarotzern..

...flexibel-, dynamisch-, belastbar-, jedes Jahr ein bissl mehr und das bis 70ig!! Das ist wohl nicht zu viel verlangt!!!

Der Markt wird es schon richten, ewiges Wachstum null Problem!!

Ich hab schon gezweifelt, aber jetzt wo wir einen türkisen Messias haben bin ich beruhigt!

So ich muss jetzt aufhören, sich sollte wieder zurück im meine Gummizelle!

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sugarless
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linke Arbeitsmarktpolitik

höchste Zeit in der Phase der Hochkonjunktur solche Maßnahmen zu streichen. Unsozial ist es immer nur fremdes Geld zu verbrennen und noch mehr Schulden zu Lasten unserer Kinder zu machen.

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AIRAM123
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Re: linke Arbeitsmarktpolitik

Zahlen wir weiter Notstand oder Arbeitslose ... ohne Gegenleistung... ahso ja, Notstand gibts ja bald nimmer

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RMK
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Scheinbeschäftigung

Die fragwürdige Arbeitsmarktpolitik unterstützt Unternehmen und Gemeinden beim Abholen von Förderungen für "Jobs", die zumindest auf Gemeindeebene bisher ehrenamtlich ausgeübt wurden.
Es handelt sich hier um reine Mitnahmeeffekte, die dem Steuerzahler viel Geld kosten und keine nachhaltige Beschäftigung gewährleisten.

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calcit
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Nein...

...es gibt Arbeitslosen die Würde zurück und das Gefühl doch noch was in dieser Gesellschaft leisten zu dürfen. Das ist es mir als Steuerzahler (und ich zahle selbst nicht wenig Steuern) wert!

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bt33
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Ist das Bild mit dem AMS-Snobe ein Zufall?

Oder ist es bildliche Demagogie? Schließlich hat die bundesweite AMS-Chefetage die Einstellung ausdrücklich begrüßt, wenn nicht gar gefordert.

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thorossa
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kein zufall, doch

keine demagogie. das foto stammt von einer pressekonferenz von 2017, auf der arbeitsmarkt-maßnahmen, darunter für ältere langzeitarbeitslose vorgestellt worden sind.

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