Rückblick

Sperrstund’ is: Das bittere Ende vom Schillerhof

Der Barchef ging in Pension, der Eigentümer will keinen neuen Pächter: Der einst prächtige Schillerhof musste gestern schließen. Ein Blick zurück auf 115 Jahre – und was ein Pferd im Lokal zu suchen hatte. Von Michael Kloiber

© PHOTO PHILIPP
 

Die traurige Nachricht und die Online-Exklusiv-Meldung der Kleinen Zeitung verbreiteten sich gestern Abend rasch – vor allem über die soziale Netzwerke: Der „Schillerhof“, Kultlokal für mehrere Generationen, ist Geschichte! Es ist ein endgültiger Schlussstrich, den Hausherr Hans Planer am Dienstag letztlich überraschend gezogen hat: Noch am selben Abend feierte er den Abschied. Wobei, von einer Feier wollte er im Grunde nichts wissen: „Ich habe den Entschluss so kurzfristig bekannt gegeben, weil ich weder einen großen Trubel, noch eine große Abschiedsfeier wollte. Es gibt nichts zu feiern, ich bin einfach nur traurig“.

Warum das Lokal trotzdem schließen muss? „Ich bin im Jänner nach 26 Jahren in diesem Haus in Pension gegangen und hatte bereits davor mehrere Interessenten für die Nachfolge gefunden. Ich wollte ja, dass es weitergeht. Allerdings will der Hauseigentümer kein Lokal mehr beheimaten. Es sollen stattdessen Komfortwohnungen geplant sein“, sagt Planer.

PHOTO PHILIPP
„Ich bin einfach nur traurig“: Hans Planer und sein Sohn Johannes nahmen gestern Abschied von ihrem LokalFoto © PHOTO PHILIPP

Der Pächter blickt mit tränenerstickter Stimme auf insgesamt 115 Jahre Geschichte zurück: Das heutige Studentenlokal Schillerhof wurde im Jahr 1900 als Kaffeehaus gegründet – „im Wiener Stil, mit jede Menge Zeitschriften. Man ist gekommen, man hat sich gekannt. Da kam es schon mal vor, dass man bei der Wirtin angeschrieben und erst Tage später gezahlt hat. Kurzum: Es war familiär!“ Das Lokal blieb jahrzehntelang unverändert und hat sich dann in Richtung Pub gewandelt: „Das war vor rund 30 Jahren – das Kaffeehaus ging damals nicht mehr gut, Besitzer Hubert Suschnig musste es daher verändern. Und die Pubkultur war plötzlich in“. Für ihn begann mit dieser Adaptierung der zweite Frühling des Gastrobetriebes.

Legendäre Geschichten

Dass es nun so abrupt zu Ende gehen muss, tut dem Barchef „im Herzen weh. Das kann ich nicht oft genug sagen.“ Gleichzeitig freut er sich, dass es so viele tolle Erinnerungen gibt: „Hier sind so viele legendäre Abende passiert“, erzählt er und lacht an diesem Tag erstmals. Schließlich muss er an eine echt lustige Geschichte denken: „Wir waren die Kulisse für ein Modeshooting von Christian Jungwirth. Er hat dafür ein Pferd mitten in das Lokal gestellt.“ Die Fotos seien toll geworden, erinnert sich Planer, „aber das Tier hat uns von der Bar die ganzen Karotten heruntergefressen. Und als der Fotograf fertig war, hatten wir als Gastgeschenk noch einen Haufen Pferdeäpfel am Boden. Das hat ekelhaft gestunken und war schwierig zu reinigen.“

Gestern Abend wurde diesen Moment noch einmal angestoßen. So manch einer packte aber auch noch weitere legendäre Geschichten aus dem „Schiller“ aus: „Die kann man gar nicht alle erzählen, da musste man einfach dabei sein“, meint Planer. Zum Abschied führte er die Selbstbedieung ein: „Ich hatte nur mehr einen Kellner da, aber das reicht auch – es ging nur noch um’s Restlverwerten. Alles was noch da war, wurde konsumiert“. Jetzt ist das Kultlokal Geschichte. Selbst die legendäre Einrichtung, an der so manch schöner Moment hängt, soll in den nächsten Tagen durch den Hauseigentümer entfernt werden.

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.

knossos
0
3
Lesenswert?

KomfortAbgasWohnungen

Frage mich, wie man bei dem täglichen Verkehrsinfarkt genau dort (der durch keinen wie immer gearteten Gürtel jemals beruhigt werden kann) Komfortwohnungen argumentieren kann, allerhöchstens für Palliativpatienten - dieses Geschäftsmodell ist entweder von der üblichen Hoffnungsillusionierung geprägt oder einfach nicht existent - kann gut sein, dass das vernachlässigte Haus in den nächsten Jahren fällt. Oder eine Großdisco reinkommt. Oder irgendein anderer Blödsinn.

Antworten
bluebellwoods
1
7
Lesenswert?

Schade ists um den Standort

Mit der guten Verkehrsanbindung und dem Gastgarten eigentlich eine tolle Lage. Aber nicht nur die Fassade des Gebäudes sondern auch der Gastgarten und das Lokal innen sind in den letzten mind. 10 Jahren immer schäbiger geworden.
Es muss kein durchgestyltes Lokal sein (davon gibt's ohnehin genug) aber ab und zu mal etwas Geld in die Hand zu nehmen um zu sanieren macht jedes Lokal einladender.
Ich finde es schade, dass kein neues Lokal nachkommt, der Standort ist optimal und ich hab auch so manchen netten Abend dort verbracht .
Auch wenn der Haus-Besitzer dort kein Lokal mehr haben möchte - welcher Neo-Gastwirt könnte sich denn so eine Megainvestition leisten dieses Lokal samt Gastgarten von Grund auf herzurichten?

Antworten
paintball
43
4
Lesenswert?

gejammer

was soll das geflenne wegen an Wirtshaus. ham die Studenten nix anderes zu tun als dort rumzuhocken ?

Antworten
petrbaur
1
13
Lesenswert?

warum bist denn so grantig? reicht is ams geld fürs wirtshaus net?

Antworten
eleasar
2
17
Lesenswert?

Paintball verschießt Kugeln

3 Postings, 3 mal Gift und Galle. Schade. Ich wünsch dir den Frieden der kommenden Ostertage!

Antworten
servus
5
1
Lesenswert?

Schillerhof...

Ich hatte das Vergnügen, zwischen 1973-80, den Schillerhof (mit Frau Erika) zu kennen. Seit damals habe ich es nicht mehr besucht und auch nicht mehr gekannt...

Antworten
MedAH
18
8
Lesenswert?

Unternehmerfeindliches Klima!

Die Regierung Faymann schürt dieses unternehmerfeindliche Klima!
Wieder ein Wirt der zusperrt und nie mehr auf!
Alle diese Wirten sind (waren) systematische Steuerhinterzieher und alle lebten in Saus und Braus ohne viel zu arbeiten!
Die Wahrheit sieht man am Beislsterben, und um Ende bleiben Systemgastronomien ala McDonald über, die ihre Gewinne nirgendwo versteuern!

Traurige Zukunft!

Antworten
hi4kx89etuhpzsyovtv8nb3pa2utqfag
3
6
Lesenswert?

Auch die mittlerweile legendäre Galerie Eugen Lendl

hat in den 1970er Jahren im Schillerhof ihre Wurzeln.

Antworten
BenHemmens
2
19
Lesenswert?

Es ist wirklich schade, wenn diese

Räumlichkeiten nicht mehr als Kaffeehaus oder Wirtshaus verwendet werden. Das Gebäude mit dem Garten und die Lage am Platz sagen ja förmlich, dass sowas dorthingehört.

Antworten
eleasar
5
24
Lesenswert?

Das ist der Zeitgeist

Das Schöne, Familiäre, dem Gemeinwohl dienende muss Profit, Verschandelung und Einzelinteressen weichen. Siehe auch die grässlichen Luxuswohnungen zwischen Karmeliterplatz und Stadtpark.

Antworten
paintball
26
4
Lesenswert?

schon hart in dieser Stadt zu wohnen,probiers mal woanders

Antworten
eleasar
3
16
Lesenswert?

Ich lebe gern in dieser Stadt

und find es gar nicht so hart, wie von einer paintball-Kugel getroffen zu werden. Leb seit 8 Jahren im Griesviertel und fühl mich recht wohl dort. Bin mit dem Rad in 10 Minuten überall und Natur gibt's auch viel. Dennoch finde ich die Luxuswohnungen am Stadtpark unnötig.

Antworten
all2round
6
26
Lesenswert?

Komfort Wohnungen?!?!?!

Da will so eine Immobilien Geldmaschine ganz Graz verarschen!!!!!!! Dem Eigentümer geht es schlicht weg um das Geld, das nimmt dieser Geldmaschine keiner Krumm. Nur in dieser LAGE, als Zentrum des "Ringelspieles der Linie 3"und auf einer Seite die "Verkehrsaorter" Plüddemanngasse, noch dazu im Parterr von Komfort Wohnung zu sprechen, ist schlicht weg "einzigartig"!!!!!!! Deshalb nehme ich an, hier ist eine gröbere "Linke" im gang!!!!!!

Antworten
w7lijkq6rwopoljkgpf6skdmwdsznnpb
13
1
Lesenswert?

@all2round: Klar werden das Komfortwohnungen:

Die Plüddemanngasse wird nach Fertigstellung des Südgürtels massiv beruhigt. Was bleibt ist eine Altbauwohnung in einer schönen Gegend in Innenstadtnähe, nicht weit zur Autobahn, gegenüber von einem Park mit Straßenbahnhaltestelle.

Also wenn ich's mir leisten könnte hätte ich nichts dagegen dort zu wohnen…

Antworten
all2round
2
10
Lesenswert?

Wenn sie den Südgürtel.....

....in Liebenau meinen, so wird dieser für die Plüddemanngasse keine Entlastung bringen, sollten sie jedoch den verlängerten Schönaugürtel über den Müngrabengürtel zur Kosgasse über die Heimgärten Schörgelgasse bis hin zum Ruckerlberggürtel meinen, so wird diese Variante ein noch grössere Belastung der Komfortwohnungen bringen. Mir kommt dieser Wunsch nach einer massiv beruhigten Plüddemanngasse, wie ein Traum vom warmen Eislutscher vor, es sei ein massiver Geldregen ermöglicht einen Osttunnel!

Antworten
BenHemmens
1
2
Lesenswert?

den verlängerten Schönaugürtel über den Müngrabengürtel zur Kosgasse über die Heimgärten Schörgelgasse bis hin zum Ruckerlberggürtel meinen,

Der kommt nicht.

Antworten
zx6d5xf42yhvuw8ak9442g7hv1biq7vo
1
8
Lesenswert?

@derkomtur

Ich frage mich, wie der Südgürtel die Plüddemanngasse in Zukunft entlasten soll, er führt ja nur bis zur Liebenauer Hauptstraße.
Wird es dadurch zu weniger Verkehr in der Plüddemanngasse kommen?
Ich hoffe es, kann es mir aber nicht vorstellen. Und dann würde ich dort weiterhin nicht wohnen wollen.

Antworten
bt33
9
12
Lesenswert?

so ein böser kapitalist...

...nutzt sein eigentum tatsächlich, so wie er es will... unglauchblich!

Antworten
didiausgraz
5
0
Lesenswert?

panta

rhei!

Antworten
BenHemmens
1
0
Lesenswert?

Wie heisst das Sprichwort,

man kann ja nicht zweimal ins gleiche Wirtshaus steigen … in Graz stimmts oft buchstäblich.

Antworten
Rotwieselrot
3
19
Lesenswert?

Hoffentlich nur Aprilsscherz!

da kann man nur hoffen das es sich um einen Aprilscherz handelt- war auch öfters drinnen und es hatte einen speziellen Flair wie sonst nirgends in Graz!!!

Falls es stimmt dann wäre ich traurig wenn man so eine tolle Lokalität einfach zusperrt!!

Antworten
lordisrache
1
8
Lesenswert?

Leider nein

Wurde ja schon gestern angekündigt.

Antworten