Obwohl in den Kassen der Stadt Graz derzeit tiefe Löcher klaffen, hat der Gemeinderat 440.000 Euro an Planungsmittel für den neuen Tummelplatz freigegeben. Das ging freilich nicht ohne Diskussion ab, denn die Frage drängt sich förmlich auf: Ist ein Platzumbau in finanziell schwierigen Zeiten wirklich die oberste Priorität? Soll man, wenn man nicht einmal weiß, wie in den nächsten Jahren die Fixausgaben zu stemmen sind, wirklich einen millionenschweren Umbau auf die Reise schicken?

Soll man, war die Antwort von Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne). Die Neugestaltung sei „dringend notwendig“. Wie dringend, erläutert der Leiter des Straßenamtes, Thomas Fischer: „Der Platz ist ein Totalschaden.“

Tummelplatz: "Der Platz ist ein Totalschaden"

Im Gemeinderat machte die Formulierung „Gefahr in Verzug“ die Runde, das ist laut Fischer „ein großer Begriff“, weil es Gefahr für Leib und Leben hieße. So weit ist es am Platz nicht, aber „es ist wirklich dringender Handlungsbedarf: Die Entwässerung gehört saniert.“

Die Holding sei derzeit nur am Löcherstopfen am Platz, weil ständig Platten aufbrechen und Dinge zu richten sind. Ein Fleckerlteppich aus Platten und Asphalt ist die Folge, die Oberfläche ist extrem uneben.
„Und wenn ich die Entwässerung richte, bleibt von der Oberfläche ohnehin kaum etwas über“, so Fischer. Also ergebe es Sinn, gleich die ohnehin geplante Umgestaltung mitzumachen. Sonst müsse man den Platz wenig später neuerlich aufreißen.

Schwentner will mehr Grün und Sitzgelegenheiten am Platz

Schwentner sieht „im Tummelplatz mit seiner Lage mitten im Herzen der Altstadt ein enormes Potenzial für viel mehr Grün und Sitzgelegenheiten“. Noch unter Ex-Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) wurden Bürgerwünsche abgefragt, die Antworten bedeuten diesbezüglich Rückenwind: mehr Grün, mehr Schatten, Wasserflächen und Sitzmöglichkeiten standen ganz oben auf der Wunschliste.

Wie der neue Platz am Ende ausschauen wird, ist noch offen. Ob es ein „hochwertiges Pflaster à la innere Schmiedgasse“ wird, wie Nagl im April 2021 noch angekündigt hatte, ist derzeit fraglich. Mit dem Beschluss im Gemeinderat kann nun jedenfalls der Wettbewerb ausgeschrieben werden.

Umbaukosten sollen zwischen 5,3 und sechs Millionen Euro liegen

Im Gemeinderat stimmten Neos und die (Korruptions-)Freien gegen das Stück. „Die Notwendigkeit ist unbestritten“, sagt Neos-Chef Philipp Pointner aber er blickt auf die Umsetzungskosten: „Da sind wir Stand August 2022 bei 5,3 bis sechs Millionen Euro. Ich gebe zu bedenken, ob das in den derzeitigen Umständen dem Gebot der Sparsamkeit entspricht.“