Die Rathaus-Koalition hat für sich die Weichen gestellt: Graz soll auf einen S-Bahn-Tunnel setzen. Darauf haben sich Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ), Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne) und Gemeinderätin Daniela Schlüsselberger (SPÖ) nun öffentlich festgelegt.

Basis für die Entscheidung ist das Expertenpapier (hier gehts zum Download), an dem von sechs Fachleuten nun knapp ein Jahr lang gearbeitet wurde. Darin wurden Konzepte für U-Bahn, S-Bahn und reinen Tram-Ausbau auf ihre Stärken und Schwächen abgeklopft. Eine Reihung nahmen die Experten nicht vor, die Entscheidung für einen S-Bahn-Tunnel ist eine politische.

Die drei Kriterien, die politisch für einen S-Bahn-Tunnel sprechen

"Für uns gab es drei zentrale Kriterien", so Verkehrsreferentin Schwentner. Erstens: Die Erreichbarkeit aus dem Umland. 87 Prozent aller Pendlerinnen und Pendler seien derzeit mit dem Auto unterwegs – "und wir wollen die Autofahrten reduzieren", so Schwentner. Die S-Bahn-Konzepte sehen in dieser Frage das größte Potenzial.

Zweites Kriterium: Klimaschutz. Tunnelbauten sind stark CO₂-intensiv – und die U-Bahn hätte mit Abstand die längsten Tunnelabschnitte (25,3 Kilometer).

Kriterium Nummer drei: die Kosten. Auch hier schneidet die U-Bahn im Expertenpapier am schlechtesten ab, sowohl was die Erstinvestition (Bau und Fahrzeuge) als auch den laufenden Betrieb betrifft. Schwentner spricht von "exorbitanten Kosten" bei der U-Bahn, wobei: "Kosten wird alles was." Die favorisierten S-Bahn-Tunnel-Varianten gut 2,2 Milliarden Euro Erstinvestition und rund 120 Millionen im Betrieb (U-Bahn: 3,5 Milliarden und fast 160 Millionen im Betrieb).

Allen ist klar: Graz allein kann keines der Projekte alleine finanzieren

Und an einem lassen alle Stadtpolitiker sowie die Fachbeamten, Verkehrsplanungschef Wolfgang Feigl und Stadtbaudirektor Bertram Werle, keinen Zweifel: Egal welches System, die Stadt Graz wird es niemals alleine finanzieren können. Um den Bund an Bord zu holen, "braucht es die überregionale Wirkung", betont Schwentner. Auch das spreche für die S-Bahn.

Sagen, wie es in Graz künftig verkehrsmäßig lang geht: Daniele Schlüsselberger (SPÖ), Judith Schwentner (Grüne), Elke Kahr (KPÖ), Baudirektor Bertram Werle und Verkehrsplanungschef Wolfgang Feigl
Sagen, wie es in Graz künftig verkehrsmäßig lang geht: Daniele Schlüsselberger (SPÖ), Judith Schwentner (Grüne), Elke Kahr (KPÖ), Baudirektor Bertram Werle und Verkehrsplanungschef Wolfgang Feigl
© Gerald Winter-Pölsler

Zwei S-Bahn-Varianten sind für die Politik noch im Rennen, jene mit einem kurzen (5,9 Kilometer) und einem langen (7 Kilometer) Tunnel. "Und dann haben wir noch das S-Bahn-Papier von Verkehrsplaner Willi Hüsler im Köcher, der ja vor Längerem von Stadt und Land beauftragt wurde", so Schwentner. Bis Jahresende sollen die städtischen Fachleute daraus ein Konzept machen. Und mit dem geht die Politik dann in die Verhandlungen mit Land und Bund.

Die Dreier-Koalition legt sich fest: keine Volksbefragung

Und was wird aus der Volksbefragung, die im jüngsten Gemeinderat eigentlich zugesagt wurde? Die kommt nicht, stellen Kahr und Schwentner klar. "Sie sehen an dem Bericht, wie komplex diese Frage ist. Das würde für eine Ja/Nein-Frage überfordern", so Schwentner. Und Kahr, deren KPÖ-Klubchefin Christine Braunersreuther im Gemeinderat noch eine Befragung versprochen hatten? "Man muss zu dem Punkt kommen, wo man den Experten vertraut." Außerdem sei es ohnehin "fünf nach 12" für eine Entscheidung.

Die FPÖ hatte angekündigt, jedenfalls Unterschriften für eine Volksbefragung zu sammeln. Die Neos begrüßen die Entscheidung für den S-Bahn-Tunnel ("eine Neos-Forderung") und fordern die "Stadtregierung auf, rasch mit den konkreten Planungen zu beginnen", so Parteichef Philipp Pointner.