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Verhärtete Beton-FrontenDie Grazer Terrassenhaussiedlung soll ein Denkmal werden

Für die einen ist sie einfach hässlich, für Experten schlicht legendär. Nun will sie das Denkmalamt unter Schutz stellen. Ein „Monsterverfahren“, das Bewohner empört.

Die drei noch lebenden Architekten der legendären Werkgruppe: Pichler, Hollomey, Gross
Die drei noch lebenden Architekten der legendären Werkgruppe: Pichler, Hollomey, Gross © Juergen Fuchs
 

Denkt die Steirerin an Denkmäler, tauchen vor ihrem inneren Auge wohl die Stiftsbibliothek Admont auf, die Riegersburg, die Basilika von Mariazell. Der Grazer dreht am Uhrturm-Zeiger und könnte sich verwegen vielleicht die blaue Blase des Kunsthauses als künftiges Denkmal vorstellen. Eine in den 1970er-Jahren in Beton gegossene Großsiedlung mit 531 Wohnungen im Grazer Vorstadtbezirk St. Peter kommt aber nicht jedem in den Sinn.

Kommentare (14)
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egubg
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Etwas Farbe

würde dieser Bausubstanz mehr Leichtigkeit und Fröhlichkeit geben. Das Grau, - nicht zufällig fällt einem dabei das Wort das Grauen ein, macht aus einer interessanten Bauidee ein Kritikobejekt und von außen betrachtet, doch Bedrohliches, ähnlich einem Flakbunker.

Theresia Hauser
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Denkmalschutz ist kontraproduktiv (1)

Als echtes „Terrassenhauskind“ darf die Terrassenhaussiedlung nun schon seit fast 30 Jahren mein Zuhause nennen. Meine Kindheit habe ich hier verbracht und auch heute leben mein Partner und ich noch sehr gerne in dieser außergewöhnlichen Wohnanlage. Die Siedlung hat einen sehr speziellen architektonischen Charakter – ihr Charme und ihre Annehmlichkeiten werden einem vermutlich erst richtig bewusst, wenn man hier tatsächlich lebt. Die Idee, die Siedlung unter Denkmalschutz zu stellen, ist zwar ein großes Kompliment – vor allem an die Architekten der Werkgruppe, die dieses Lob eindeutig verdient haben – , aber die Entscheidung verkennt meiner Meinung nach gänzlich das eigentliche Wesen dieser Siedlung und ist zum Nachteil der Bewohner/-innen.

Theresia Hauser
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Denkmalschutz ist kontraproduktiv (2)

Zu den größten Pluspunkten der Terrassenhaussiedlung haben bis jetzt nämlich die dynamische Entscheidungsfindung und das rasche Reagieren der Interessensgemeinschaft auf die Wünsche und Vorschläge der Bewohner/-innen gehört. Außerdem wurde den Wohnungseigentümern/-innen stets ein hohes Maß an individueller Entscheidungsfreiheit zugestanden, was ebenso Teil des Charakters der Siedlung ist. Dies wird – zumindest was alle Außenanlagen betrifft – aufgrund des Denkmalschutzes stark eingeschränkt werden. Bedenken sollte man hier vor allem zukünftige Entscheidungen, die z. B. Wärmedämmung der Fassade oder Photovoltaik-Anlagen betreffen (dies wurde auch von den Architekten im Zeitungsartikel angesprochen). Da diese Entscheidungen die Außenfassade betreffen, wird es in Zukunft nicht mehr der Fall sein, dass die Siedlungsgemeinschaft eigenständige Beschlüsse ohne die Zustimmung des Denkmalschutzamtes fassen kann, ebenso wenig die einzelnen Wohnparteien. Dies verkennt meiner Meinung nach gänzlich das, was das Wohnen in dieser Siedlung bis jetzt so „lebenswert“ gemacht hat. Die eigentliche Frage lautet: Wer weiß besser, was der Terrassenhaussiedlung zuträglich ist? Die Beamten/-innen in Wien oder doch die Menschen, die tatsächlich hier leben?

jg4186
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Vorsicht

Denkmal-Schutz ist gut und wertvoll.
Aber: Die Denkmalschützer reden dann immer und überall mit, zahlen aber nicht wirklich viel dazu. Da das ein bewohntes Haus ist, werden in Zukunft möglicherweise alle Veränderungen am Haus schwierig bis unmöglich. Die Denkmalschützer lassen so gut wie keine Änderungen zu. Und das kann, nein wird für ein bewohntes Gebäude schwierig. Vorteile gibt es so gut wie keine, aber viele Gefahren.
Wäre ich dort Bewohner, ich würde mich mit allen Möglichkeiten wehren!

stprei
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Abstimmung

Überall und zu jeder Zeit rufen alle nach Experten, Transparenz, Prüfung.

Aber bei der Terassenhaussiedlung macht man eine (total unaussagekräftige und mit kruden Antwortmöglichkeiten augestattete) Umfrage: "Soll die Terrassenhaussiedlung unter Denkmalschutz gestellt werden? Das Bundesdenkmalamt hat das Verfahren zur Unterschutzstellung eröffnet, die Eigentümer sind dagegen. Was denken Sie?"

Und jetzt legen wir das bitte 1:1 auf irgendein austauschbares Haus am Ruckerlberg oder beim Hilmteich um. Riesen-Pahö der Anrainer, dass der Charakter ihrer Gegend verloren geht, das Ensemble gestört wird oder sonst was. Nur Hauptsache gebaut wird nix.

Gemessen wird hier mit dem "Geschmack", aber der Wert der Terrassenhaussiedlung liegt nicht im optischen Gefallen für den uninteressierten Passanten sondern in der Qualität für die Bewohner.

Und die sollten sich freuen, dass die Qualität der Anlage abgesichert werden soll und sie im Verfahren eingebunden sind und alles geschickt bekommen. Dass gerade keine Veranstaltung mit ein paar Hundert Menschen geht, sollte auch klar sein.

Debattieren kann man, ob die Behörde nicht eine großzügigere Frist machen könnte, aber sechs Wochen sind lang.

blackpanther
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Was ist eigentlich der Vorteil

wenn die Siedlung unter Denkmalschutz ist? Wenn die meisten Eigentümer dies nicht möchten, darf sich dann ein Amt darüber hinwegsetzen? Oder sollen damit wieder Beschäftigungen für das Denkmalamt gesichert werden und die Eigentümer vom Amt schikaniert werden, wenn sie Änderungen in der Anlage vornehmen wollen? Als Eigentümer soll ich selbst entscheiden können, ob in meine Eigentumsrechte eingegriffen wird und zusätzlich Wertverluste entstehen, denn für einen Käufer ist es nicht attraktiv, sich beim Erwerb einer Wohnung mit zusätzlichen Auflagen durch das Denkmalamt herumschlagen zu müssen. PS: ich sehe das neutral und wohne nicht dort.

SagServus
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Als Eigentümer soll ich selbst entscheiden können, ob in meine Eigentumsrechte eingegriffen wird und zusätzlich Wertverluste entstehen

Aber wenns wieder darum geht ein altes Gebäude zu erhalten damit ein Bauträger nicht den nächsten Wohnblock irgendwo hinstellen kann, sind ma schon sehr froh wenn das Denkmalamt in Eigentumsrechte eingreift oder?

stprei
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Klein

Hier kommt bürgerlicher Kleingeist zum Vorschein.

Die Terrassenhaussiedlung ist ein ikonisches Bauwerk in Graz, das es in dieser Form kein zweites Mal gibt. Es war zur Zeit seiner "Erfindung" wegweisend und zukunftsorientiert. Ob man Sichtbeton mag oder nicht, sei dahingestellt. Beim Schutz geht es ja nicht um Gefallen nach heutigen Maßstäben, der Denkmalschutz stellt sicher, dass der Charakter der Siedlung erhalten wird, keine Nachverdichtung erfolgt und die architektonische Qualität in der Außensicht bestehen bleibt.

Debattieren ließe sich darüber, wie man auch im Geist der Architekten Denkmalschutz mit nachhaltiger Entwicklung (PV, Fassadendämmung, etc...) vereinbaren könnte.

Aber wie so oft: Verhindern statt ermöglichen, schreien statt debattieren, das ist die Devise der Grazer.

Eltern
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Super

Ich liebe diese Siedlung und habe wahnsinnig gerne dort gewohnt. Es war wunderbar und einzigartig.

griesbocha
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Zweckmäßig, aber schön geht anders.

Zumindest ein wenig grün fürs Auge.

calcit
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Diese Siedlung hat mehr Grün...

...als so mach andere neu gebaute...

Zwiepack
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Die Terrassenhaussiedlung ist grandios,

dennoch bedeutet der Denkmalschutz eine enorme Belastung für die Wohnungseigentümer und sollte daher nicht kommen.

paulrandig
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Zwiepack

Ich glaube, es ist wichtig, WAS genau unter Denkmalschutz gestellt wird. Da das Innenleben schon vom Konzept her auf Flexibilität hin entworfen wurde, wäre ein erstarrendes Einfrieren kontraproduktiv. Die Frage ist, was genau schützenswert ist und was die Siedlung so besonders macht. Hier sehe ich besonders die Wegeführung, die Anordnung der Funktionen und auch das äußere Erscheinungsbild eines geometrischen, von Pflanzen bewachsenen Felsblocks. Gleichzeitig ist eine der Ursachen für das lebendige Erscheinungsbild aber auch die Freiheit, die den Bewohnern bei der Gestaltung möglich gemacht wurde - mit Pflanzen, aber auch Balkoneinhausungen. Diese Gestaltungsfreiheit ist ein wesentlicher Teil des Erscheinungsbildes und gehört ebenfalls geschützt. Es wäre kontraproduktiv, würde durch den Denkmalschutz just eines der herausragendsten Merkmale der Siedlung unterdrückt.

calcit
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Warum nicht...

...sonst wird ja auch überall der Denkmalschutz oder der Altstadtschutz anderen aufgebrummt und verlangt. Unser Haus selbst liegt in der Schutzzone III und wir dürfen ohne Genhemigung der ASVK gar nichts machen und da hat sich bis dato auch niemand drum gekümmert oder gar uns unterstützt wenn wir teuer sanieren musste nach Vorgaben der ASVK.