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iTranslateWie die Grazer zur Nummer Eins in China wurden

Sechs Millionen monatliche Downloads und 40 Prozent Marktanteil in Teilen Asiens: Die Grazer Softwareschmiede iTranslate, geführt von zwei Kärntnern, prosperiert. Ohne lautes Getöse und seit März unter dem Dach der milliardenschweren Tinder-Mutter IAC.

Verkauften Anteile um mehrere Millionen Euro: iTranslate-Gründer Andreas Dolinsek und Alexander Marktl
Verkauften Anteile um mehrere Millionen Euro: iTranslate-Gründer Andreas Dolinsek und Alexander Marktl © BG/Stefan Pajman
 

Der Aufenthalt im gleißenden Scheinwerferlicht gehört mit Sicherheit nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen im Leben von Andreas Dolinsek und Alexander Marktl. In Wochen wie diesen fällt den beiden Zurückhaltenden die Unaufdringlichkeit umso schwerer. Das Interesse ist riesig an den gebürtigen Kärntnern und an dem von ihnen mitgegründeten und lange geführten Unternehmen iTranslate. Also jener in Graz angesiedelten Softwareschmiede, die seit geraumer Zeit mit der gleichnamigen Übersetzungsapplikation für Aufsehen sorgt und im Frühjahr an einen Milliardenkonzern verkauft wurde. Aber alles der Reihe nach.

2017 kommt es in New York zum ersten Kontakt mit IAC, jenem vielschichtigen US-Riesen mit stetem Fokus auf Internetunternehmen. Obwohl iTranslate zunächst Übernahmeangebote ausschlägt, bleibt der Mutterkonzern von Anwendungen wie der Verkuppelungs-App Tinder oder der Videoplattform Vimeo hartnäckig. Im März wird die vollständige Übernahme von iTranslate bekannt gegeben. Über die Verkaufssumme herrscht Stillschweigen, man kolportiert einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Nicht zuletzt deswegen erntet man in der heimischen Jungunternehmer-Szene leuchtende Augen, wenn man über iTranslate spricht.

Zeitsprung. "Wir denken iTranslate heute viel größer als vor der Übernahme", erzählt Andreas Dolinsek. "Im täglichen Betrieb hat sich nicht viel geändert, wenn man von dem Mehr an Reporting absieht", fährt Alexander Marktl fort. "Aber der Blick auf den Markt ist ein anderer. Und wir haben viel Verantwortung abgegeben, auch wenn wir weiter jeden Tag ins Büro gehen."

25 Leute arbeiten heute für iTranslate – im nächsten Jahr soll sich die Anzahl verdoppeln
25 Leute arbeiten heute für iTranslate – im nächsten Jahr soll sich die Anzahl verdoppeln Foto © BG/Stefan Pajman

Beschleunigt haben sich in den letzten Monaten die Downloadzahlen. Mehr als 100 Millionen Mal wurden die Anwendungen der Grazer in Summe bereits heruntergeladen, aktuell kommen monatlich sechs Millionen Downloads dazu. In der Welt der digitalen Übersetzer gilt iTranslate hinter Google heute als Nummer zwei, in einzelnen Märkten hat man sogar die Nase vorne. "In China haben wir 40 Prozent Marktanteil und sind deutlich größer als Google und Microsoft", sagt Marktl.

Die Stärkefelder sind bei iTranslate in den zehn Unternehmensjahren gewachsen. "Bei maschinellem Lernen sind wir ganz vorne dabei", spricht Dolinsek etwa über den gelernten Umgang mit künstlicher Intelligenz. Auch deswegen will IAC den Grazer Standort in dieser Technologie zu einem Konzern-Kompetenzzentrum machen. Aus den aktuell 25 iTranslate-Mitarbeitern sollen schon im kommenden Jahr doppelt so viele werden.

Datenverarbeitung auf den Endgeräten

Welche Visionen die Gründer eigentlich verfolgen? "Es ist gefährlich, zu weit vorauszudenken", sagt Alexander Marktl. Um dann doch eine Vorstellung zuzulassen: "Idealerweise ist die Technologie bei der Echtzeitübersetzung irgendwann völlig im Hintergrund." Außerdem seien Cloud-Lösungen, die mittels Internetanbindung auf zentral gespeicherte Daten zurückgreifen, "suboptimal, weil mit Verzögerung".

Bei iTranslate glaubt man an die Datenverarbeitung auf den Endgeräten. Und wie sieht es mit den persönlich-beruflichen Zielen der letzten beiden aus dem einst vierköpfigen Gründerteam aus? Andreas Dolinsek: "Wir werden sicher weiter Sachen bauen, extrem nah an Produkten sein, uns lange bedeckt halten und dann wieder Neues veröffentlichen."
Scheinwerfer aus.

Die Apps

iTranslate entwickelt und vertreibt die gleichnamige Übersetzungs- und Wörterbuchapp – verwendbar für Smartphones, Tablets oder Datenuhren.

Weiters im App-Portfolio der Grazer: der Echtzeit-Sprachübersetzer „iTranslate Converse“ und das mit Phrasenbuch ausgestattete „iTranslate Voice“.

2017 stellte iTranslate zudem gemeinsam mit dem Unternehmen Bragi „The Dash Pro“ vor, einen Simultandolmetscher in Kopfhörerform.

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