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Wieder Fund in GrazSie entschärfen Fliegerbomben: "Schutzanzug würde nichts helfen"

Bereits zum vierten Mal musste heuer in Graz der Entminungsdienst anrücken: Die jüngste Fliegerbombe wurde ja beim Murkraftwerk entdeckt. Wie die Bombenentschärfer arbeiten.

Lendplatz: Michael Haupt (Mitte) mit der entschärften Fliegerbombe
Lendplatz: Michael Haupt (Mitte) mit der entschärften Fliegerbombe © MD-Sicherheitsmanagement
 

Wieder Fliegerbombenalarm in Graz: Am Freitag musste der Entminungsdienst ja zur Baustelle für das künftige Murkraftwerk im Grazer Süden ausrücken. Mit Erfolg: Erneut konnte eine 250-Kilogramm-Fliegerbombe entschärft werden.

Aber wie man so etwas eigentlich? Mit einem Schutzanzug wie im Film? Oder gar schon mithilfe eines Roboters? Vor Monaten sprach die Kleine Zeitung mit zwei Bombenentschärfern darüber: Mit Michael Haupt, der heuer im Frühjahr die beim Grazer Lendplatz ausgegrabene Fliegerbombe unschädlich machte. Und mit seinem Kollegen Roman Hurter, dem dies kurz danach in Puntigam beim Gasrohrsteg gelingt.

Der eine betonte dabei, dass er nie Angst verspüre, „aber Respekt. Und Respekt ist okay“. Der andere weist die flapsige Begrüßung als Held des Tages gleich zurück. „Ich hab nur meine Arbeit erledigt.“

Der jüngste Bombenfund bei der Murkraftwerk-Baustelle
Der jüngste Bombenfund bei der Murkraftwerk-Baustelle Foto © KK

23. März 2018, kurz vor 9 Uhr: Michael Haupts Handy läutet. 250-Kilo-Fliegerbombe in der Wiener Straße in Graz gefunden. Also rast der Mitarbeiter des Bundesheer-Entminungsdienstes hin – von der Gablenzkaserne aus. Hier hat man fix Stellung bezogen, leider gibt es in Graz ja in puncto Kriegsrelikte viel zu tun.

Rote Jacke, braune Hose: So steht der Haupt an diesem 23. März kurz vor der Entschärfung Rede und Antwort – und so werde er auch zur Tat schreiten. Wie? Kein Schutzanzug wie im Film? „So eine Bombe hat 125 Kilo an Sprengstoff. Da würd mir der Anzug nichts helfen.“ Auch mit Kabeldurchschneiden habe er nichts am Hut, „das betrifft meist moderne Bomben und somit den Entschärfungsdienst im Innenministerium“.

Der 32-Jährige wirkt ruhig und fokussiert. Dennoch: Fotos und so wären ihm „nach dem Ganzen“ lieber, sagt er plötzlich. Auf die Frage am Tag danach, ob da der Respekt vor der Aufgabe durchsickerte, meint er: „Klar.“ Respekt sei aber okay.

Entscheidend für den HTL-Absolventen ist der erste Blick auf die Bombe: Langzeitzünder oder mechanischer Aufschlagzünder? Ersteres drückt gewaltig auf die Stimmung und endet meist – wie 2011 beim Grazer Bahnhof – mit einer kontrollierten Detonation vor Ort. In der Wiener Straße liegt an diesem 23. März aber eh „nur“ ein mechanischer Zünder vor.

Zange und Entrostungsmittel: Dieses Foto sorgte für Furore
Zange und Entrostungsmittel: Dieses Foto sorgte für Furore Foto © BH

Da stellt sich die Frage, wie weit quasi die Zündnadel vom Sprengstoff entfernt ist? Weit genug? Dann kann Haupt zur Tat schreiten, „das ist dann ein Kraftakt“. Rohrzange und Entrostungsmittel, mehr braucht es meist nicht. Genau dies war auch auf einem Bundesheerfoto zu sehen, weil man das Größenverhältnis zeigen wollte – was aber in sozialen Medien für Belustigung sorgte.

Nur fünf Tage später ist Kollege Roman Hurter im Dienst, als am 28. März in Puntigam beim Gasrohrsteg wieder eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt wird. „Ein italienisches Fabrikat, erst das zweite, das man in den letzten 15 Jahren bezündet findet“. Das Problem: Der Messingzünder bewegt sich kaum noch, er hat sich ins Material gefressen. Also denkt man an eine Sprengung vor Ort – ehe dem 37-Jährige mit aller Kraft die Entschärfung gelingt.
Er hat halt seine Arbeit getan.

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