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Datenschutz-VerordnungNamensschilder müssen weg: Auch Tausende Steirer betroffen

Auch in der Steiermark müssen Tausende Namensschilder an Wohnhausanlagen ausgetauscht werden, weil es der Datenschutz erfordert. Wohnbau-Vertreter hoffen aber auch auf andere Lösungen.

++ THEMENBILD ++ DATENSCHUTZ / DSGVO / GEGENSPRECHANLAGE / NEUTRALE BEZEICHNUNG MIT TOP-NUMMERN
So sieht ein Datenschutz-konformes Klingelbrett aus © APA/HERBERT NEUBAUER
 

Wenn in der nächsten Zeit vermehrt Elektriker an den Klingelbrettern von Wohnhausanlagen herumschrauben, dann hat das weniger mit technischen als mit rechtlichen Problemen zu tun: Die Namensschilder neben den Knöpfen entsprechen nicht der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und müssen getauscht werden.

Mit der Problematik beschäftigten sich die großen Wohnbauträger schon seit dem Inkrafttreten der DSGVO im Mai. Als erster Gigant am Markt setzt die Stadt Wien den Umtausch bei allen ihren rund 2000 Gemeindebauten jetzt um. Bei den Schildern von 220.000 Wohnungen wird der Name durch neutrale Bezeichnungen mit Top-Nummern ersetzt, bestätigte ein Sprecher von „Wiener Wohnen“ einen ORF-Bericht.

Anlass war die Beschwerde eines Mieters, dass sein Name auf der Gegensprechanlage aufscheint. Eine Prüfung der zuständigen Magistratsabteilung habe ergeben, dass die Verbindung von Nachnamen und Türnummer tatsächlich gegen die Verordnung verstoße.

Wolfram Sacherer, Wohnbaugruppe Ennstal Foto © ballguide/Nicholas Martin

„Dem werden auch wir uns beugen müssen“, blickt Wolfram Sacherer, Vorstand der Wohnbaugruppe Ennstal und stellvertretener Obmann der gemeinnützigen Bauvereinigungen interessiert  nach Wien. Laut ARGE Daten trifft die Regelung nicht nur kommunale Hausverwaltungen, sondern auch Genossenschaften und private Vermieter. Darum steht den 129.000 Wohnungen der „Gemeinnützigen“ steht ein Schildertausch bevor. „Die Kosten werden natürlich auf die jeweiligen Bewohner umgewälzt“, so Sacherer. Nur wenn die Mieter es ausdrücklich wünschen, bleibt ihr Name stehen . Bei neuen Projekten werde man es vermutlich so handhaben, dass die künftigen Bewohner im Zuge der „technischen Verwaltungsübergabe“ befragt werden, ob sie mit oder ohne Namen am Türschild aufscheinen wollen, sagt Sacherer.

Bis zu 40.000 Euro Kosten

In Graz sind 4300 Gemeindewohnungen und rund 500 Klingelbretter von der Tauschaktion betroffen. „Wir sind gerade dabei Anbote von Firmen einzuholen, die das für uns erledigen“, erklärt Gerhard Uhlmann, Leiter des Wohnungsamtes. Anders als in Wien verfügt die Stadt nicht über eigene Wartungstrupps. Auch wolle man nicht, dass die Mieter die Schilder eigenhändig überkleben. „Verhindern können wir es aber auch nicht“, so Uhlmann, der mit zusätzlichen Kosten von bis zu 40.000 Euro rechnet. Noch nicht geklärt sei, wie man bei Mietern vorgehe, für die man nur das Einweisungsrecht habe.

Gerhard Uhlmann, Wohnungsamt Graz Foto © Stadt Graz, Fischer

Sowohl Uhlmann als auch Sacherer äußern die Hoffnung, dass sich vielleicht doch eine andere, praxistaugliche Auslegung der DSVGO durchsetzt. "Diese Regelung ist doch realitätsfremd", ärgert sich Sacherer. „Wenn dann auf dem Schild nur noch 1 bis 20 steht, wie sollen da Besucher hinfinden?“, fragt sich Uhlmann. Auch für Zustelldienste werde es kompliziert, gibt Sacherer zu bedenken. Streng genommen dürfte es dann auch keine Aushänge mit persönlichen Daten mehr im Hausflur geben, wie etwa Wahlkundmachungen. „Ich hoffe, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist“, sagt Sacherer.

Laut ARGE Daten ist diese Lösung aber die „einzig rechtskonforme Vorgangsweise“. Verstößt der Vermieter oder die Hausverwaltung dagegen, könnten Mieter sogar 1000 Euro Schadenersatz verlangen

Kommentare (8)

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maddogglucky
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geht noch schlimmer.....

Ihr macht euch Sorgen wg. der Post und Zustelldienste. Was ist aber wenn der Rettungsdienst in einem Siedlungsbunker den Notfallpatienten nicht mehr findet. Die Schreierei die aufgrund dieses Umstandes dann stattfinden wird möchte ich nicht erleben.
Vor allem wenn der Patient genau deswegen stirbt, weil die Wohnung erst gesucht werden muss.

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bluebellwoods
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@maddogglucky

Sie haben Recht, daran hab ich zunächst gar nicht gedacht... auch für Einsatzkräfte wird es schwieriger. Da man sich in großen Siedlungen häufig nicht namentlich kennt, können sich diese nicht mal "durchfragen".

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plolin
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Stimmt.

Hoffentlich trifft es dann jenen Mieter, der diesen Schwachsinn ins Rollen gebracht hat.

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bluebellwoods
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Gilt das auch für Briefkästen?

Immerhin sind die bei manchen Wohnanlagen außen angebracht und somit auch für alle zugänglich. Wenn ja, dann frage ich mich, wie Nachsendeaufträge bei Wohnungswechsel zukünftig funktionieren sollen. So oder so, die Postler oder Zustelldienste tun mir Leid, es wird ihnen zusehends erschwert den richtigen Empfänger zu finden.

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lucie24
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38
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Einfach nur krank

Eine völlig kranke Diskussion. Ist das wirklich ernst gemeint?

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fon2024
2
21
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andaman

die Datenschützer haben wahrscheinlich langweile ,sonst kann einen solcher Blödsinn nicht einfallen.

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Phoenix198
1
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Und

an den Türen stehen keine Nummern, in einem Stockwerk kann man dann raten, wer wo wohnt. Toll für Zusteller...

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vanhelsing
4
49
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Wieso..

gibt's noch Telefonbücher? Darf man noch einen Brief mit Namen darauf schreiben, oder genügt die Adresse???

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