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Stundenkürzungen an BrennpunktschulenWo die neuen Deutschförderklassen in Graz an "Grenzen stoßen"

Grazer Brennpunktschulen verlieren massiv Ressourcen, die Politik schiebt die Schuld im Kreis, die Direktoren fühlen sich im Stich gelassen.

THEMENBILD: SCHULE/SCHULREFORM/AUTONOMIEPAKET
© APA/HARALD SCHNEIDER
 

Von 149 auf 94 Wochenstunden, von 143 auf 64 – so dramatisch lesen sich die Listen, die Grazer Schuldirektoren kurz vor Ferienbeginn auf den Tisch bekommen haben. Unter dem Punkt „Deutsch als Zweitsprache“ verlieren vor allem Brennpunktschulen massiv, die Lehrerstunden werden teilweise halbiert.

Betroffen sind in erster Linie Schulen, die ohnehin einen extrem hohen Migrantenanteil unter den Kindern haben – und wo es nach Expertenmeinung eigentlich mehr Ressourcen bräuchte, nicht weniger.

Öffentlichen Aufschrei der Schulleiter gibt es keinen. „Wir dürfen nicht“, heißt es immer wieder mit Verweis auf die Bildungsdirektion. Aber selbst intern haben viele das Gefühl, nicht gehört zu werden. Ein Ersuchen um einen Termin bei Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner für ein Krisengespräch wurde abgelehnt. Jetzt mache es keinen Sinn, weil es ja nicht mehr Ressourcen zu verteilen gibt, lautet das Argument.

Wir haben einen Maulkorb, dürfen über unsere Situation nicht öffentlich reden.

Ein Grazer Volksschuldirektor

Wie konnte es überhaupt zu den Kürzungen kommen? Unbestritten ist, dass bundesweit ein Integrationstopf ausläuft – und damit für die Steiermark 47 Lehrerposten wegfallen. Weiters gibt es steiermarkweit 19,3 Prozent weniger Kinder mit Sprachproblemen (ao. Schüler) und damit weniger Geld für Deutschförderung. Aber: An Grazer Volksschulen sind es rund zehn Prozent weniger ao. Schüler, die Ressourcen für Deutschförderstunden sinken aber um knapp 30 Prozent.

Zu all dem kommt die Einführung der Deutschförderklassen ab Herbst. Die stellen Schulen alleine platzmäßig vor eine Herausforderung, wirken aber offenbar bei Brennpunktschulen kontraproduktiv. Im Ministerium von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) gesteht man zu, dass „dieses Prinzip natürlich an Grenzen stößt, wo die Zahl der ao. Schüler deutlich über der Zahl der ordentlichen Schüler liegt“.
*Artikel wird unter dem Interview fortgesetzt

Interview mit Schulinspektor Wolfgang Pojer

Herr Pojer, kurz vor Ferienbeginn erhielten die Grazer Schulen die Hiobsbotschaft: Sie verlieren massiv an Lehrerstunden. Wie konnte es dazu kommen?
Wolfgang Pojer: Es sind leider mehrere Gründe: Insgesamt ist die Schülerzahl in der Steiermark zurückgegangen, damit haben wir von vornherein weniger Ressourcen vom Bund. In Graz ist die Schülerzahl aber gestiegen. Das hätten wir noch verkraften können, wenn wir nicht 47 Lehrerposten durch den Integrationsfonds verloren hätten, den es künftig nicht mehr geben wird – und der genau für die Brennpunktschulen da war.

Spielen die neuen Deutschförderklassen hier auch eine Rolle?
Wer bisher acht bis 15 Kinder an der Schule hatte, die kein oder unzureichend Deutsch sprechen, bekam elf zusätzliche Stunden; jetzt sind es von acht bis 25 Kindern 15 Zusatzstunden. Daraus ergibt sich, dass dort, wo es viele Migrantenkinder und große Deutschförderklassen gibt, weniger Dienstposten zur Verfügung stehen.

Wie geht es jetzt weiter?
Wir haben schon beim jetzt vorliegenden Plan für manche Schulen zusätzliche Stunden erreicht, mehr war jetzt in einer ersten Tranche nicht möglich. Aber wir schauen uns selbstverständlich im Herbst die tatsächliche Situation an und werden in Härtefällen – eben bei den Brennpunktschulen – unser Möglichstes tun und nachbessern.

Unterschätzt das Land die besonderen Herausforderungen für Schulen in Graz?
Nein, wir wissen sehr wohl, dass es speziell auf einer Grazer Murseite schwierig ist, und wir tun, was wir können.

Grundsätzlich verweist das Ministerium aber darauf, dass der Betreuungsschlüssel in der Steiermark insgesamt „enorm hoch“ ist: Auf einen VS-Lehrer kommen rund 13 Kinder. Gibt es trotzdem Probleme, sei die „Ressourcenbewirtschaftung des Landes nicht zweckmäßig erfolgt“, heißt es.

„Wir machen den Stellenplan auf Basis der Schülerzahlen und der Richtlinien des Ministeriums“, heißt es dazu im Büro von Landesrätin Ursula Lackner (SPÖ). Selbst habe man daher keinen Spielraum. „Wir sind nur der Taschenrechner.“ Aber: Man werde aus eigenen Mitteln 20 Dienstposten im Integrationsbereich finanzieren, um die Situation ein bisschen abzufedern.

Stadt will mit eigenen Ressourcen helfen - und dann eine Rechnung stellen

In der für die Lehrer direkt zuständigen Bildungsdirektion betont man, dass „das Land die Stundenkontingente auf einzelne Regionen aufteilt“. Auch dort sieht man wenig Spielraum in der eigenen Verantwortung.

Bildungsstadtrat Kurt Hohensinner (ÖVP) ist im Prinzip nur für die Schulgebäude zuständig, will aber „die Brennpunktschulen mit eigenen Ressourcen unterstützen, wenn es keine Lösung gibt“. Nachsatz: „Die Rechnung schicke ich dann aber an Land und Bund.“

Kommentare (1)

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Diese Regierung ist an Integration nicht interessiert...

... sondern nur an "Problem"-Ausländern. Die braucht sie wie einen Bissen Brot, um davon abzulenken, wie die Bevölkerung finanziell ausgeplündert wird.

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