Schwermontage in GrazHier schwebt die modernste Druckmaschine Europas ein

Die Kleine Zeitung entsteht künftig auf einer neuen, vollautomatischen Druckmaschine. Das insgesamt 600 Tonnen schwere Gerät wird derzeit in Graz-Messendorf aufgebaut. Ein erster Einblick.

Mit dem Portalkran wird das Druckmodul zu einer Position gebracht © Juergen Fuchs
 

Am nördlichen Ende der Stadt wuchten sie gerade Flugzeuge auf ein Dach. Am südlichen Stadtrand werden dieser Tage ebenso tonnenschwere Brummer in die Luft gehoben. In den Hallen der Styria Print Group in Messendorf läuft das zwar nicht ganz so spektakulär ab, aber hier wird an der Zukunft des Zeitungsdrucks gewerkt.

Mit einem Sondertransport rollten diese Woche die ersten von insgesamt acht Modulen der neuen Druckmaschine aus dem Hause „manroland“ aus Augsburg ein. „Colorman e:line“ heißt das Ding und der Zusatz XXL steht für die knapp 600 Tonnen, die es auf die Waage bringt. „Es ist die derzeit modernste Druckmaschine in Europa. In dieser Konfiguration gibt es sie weltweit kein zweites Mal“, erzählt Jürgen Mauser. Der Deutsche muss es wissen, sein Ingenieurbüro plant Druckereiprojekte auf der ganzen Welt.

Die Montage im Zeitraffer

Die Planung für jenes der Styria-Gruppe, die neben der der Kleinen Zeitung noch weitere Titel im Tabloid-Format sowie Prospekte druckt, begann vor einem Jahr. Das schon 30 Jahre alte Gebäude, das den Koloss beherbergen wird, musste äußerlich kaum verändert werden. Innen wurde die Halle jedoch komplett entkernt und mit neuer Technik ausgestattet. Und auch das Fundament brauchte ordentlich Verstärkung.

Die neue Maschine

Die "Colorman e.line" ersetzt die 2002 in Betrieb genommene Zeitungsrotaktion in der Druckerei Messendorf.

Die Maschine arbeitet vollautomatisch, das heißt, die Papierrollen werden automatisch ausgewählt und per Roboter angeliefert.

Sie kann in 4 Minuten auf eine andere Mutation (z.B. andere Regionalausgabe) wechseln. Derzeit dauert das 15 bis 20 Minuten. In 20 Minuten kann der Umfang der Ausgabe geändert werden (bisher 45 bis 60 Minuten).

Sie bedruckt Papier bis zur Stärke 120 Gramm und das zu einer Papierbahngeschwindigkeit von bis zu 14 Meter pro Sekunde. So können pro Stunde bis zu 55.000 Zeitungsexemplare entstehen.

Geplante Inbetriebnahme: Ende November.

Dabei kamen heimische Spezialisten zum Zug, bei der Montage der Maschine ist es ein eingespieltes Team aus Deutschland. Das hört man: „Du hast jetzt noch n’ Meter, weißte“, weist ein Arbeiter den Lkw-Lenker ein. Minuten später hängt die 32 Tonnen schwere Druckeinheit schon an den Stahlseilen des Portalkrans und schwebt Zentimeter für Zentimeter zu seiner Endposition. Dort ist wieder Handarbeit gefragt. Sogar die Feile wird ausgepackt, bevor das Modul sanft auf den stählernen Halterungen aufsetzt.

Graz-Messendorf: Neue Druckmaschine

Direkt aus Augsburg brachte ein Sondertransport am Dienstag das erste Element der Druckmaschine nach Graz.

Juergen Fuchs

Der Lkw wird in die Druckereihalle eingewiesen.

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Millimeterarbeit: Da passt gerade noch ein Finger dazwischen!

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Ein eigens aufgestellter Portalkran (Maximallast: 40 Tonnen) hebt den Maschinenteil langsam an.

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Das 32 Tonnen schwere Element schwebt in die Halle.

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Noch ist sie weitgehend leer. In ein paar Wochen türmt sich hier die modernste Druckmaschine Europas auf.

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Leiten das Projekt: Jürgen Mauser und Dirk Destaller.

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Alles im Griff: Der erfahrene Kranführer.

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Passgenau werden die Halterungen zusammengeführt.

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Jede Schraube ist genau gekennzeichnet.

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Am Ende ist noch einmal ein genauer Blick und Handarbeit gefragt.

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Mitte August soll die Maschine in ihrer ganzen Dimension die Halle ausfüllen. Läuft alles nach Plan, spuckt sie Ende November erstmals die steirische Auflage der Kleinen Zeitung aus. „Wir drucken damit schneller und in höherer Qualität. Vielleicht nimmt das der Leser nicht bewusst wahr, der Fachmann aber schon“, erklärt Projektleiter Dirk Destaller.

Vor allem aber sorgt der vollautomatische Produktionsablauf dafür, dass der Drucker sich auf das Wesentliche seiner Arbeit konzentrieren kann. Und das in einem absolut sauberen Arbeitsumfeld.

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