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Interview„Kann jetzt die damaligen Widerstände gut verstehen“

Wieso Georg Schulz trotz des schmerzlichen Abganges als Rektor wieder kandidierte und deutlich gewann.

Georg Schulz wird Rektor der Kunstuniversität Graz ab Herbst bis 2022 © Kunstuni/Götz
 

Herr Professor Schulz, Sie wurden durchaus etwas überraschend zum künftigen Rektor der Kunstuni gewählt. Was hat Sie bewogen, nach den Turbulenzen vor sechs Jahren wieder gegen Ihre Nachfolgerin Elisabeth Freismuth anzutreten?
GEORG SCHULZ: Ich habe gesehen, dass ein Rektor, der im verkürzten Verfahren nicht die Mehrheiten bekommt, um direkt verlängert zu werden, dann auch nicht gewählt wird. Das war die Situation in Graz mit Rektorin Elisabeth Freismuth. Meine Überlegung war: Ich stelle mich überhaupt nicht gegen Freismuth, aber bevor jemand von außen kommt, stelle ich mich gerne zur Verfügung.

Dennoch wundert man sich, dass Sie sich das angetan haben.

Ich habe in diesen Jahren viele ausländische Musikhochschulen beraten. Da bekommt man irgendwann einmal Lust, auch selber etwas zu tun.

Und die Frustration war überwunden?

Ich war damals verwundet und sehr frustriert. Ich hatte für die Uni eben das Maximum in Wien herausgeholt, aber dann kam der unglückliche Bescheid ... Ich bin nun seit sieben Semestern wieder Lehrender in Graz, und ich habe bei einigen Dingen plötzlich verstanden, woher der Widerstand kam. Ich war plötzlich mit Entscheidungen des Rektors Schulz konfrontiert, mit denen ich mich als Lehrender Schulz nicht mehr wohl gefühlt habe und die ich als bürokratisch empfunden habe.

Was was das Hauptproblem damals?

Nach 28 Jahren mit den immer gleichen Regeln bei meinem Vorgänger gab es Änderungen. Der Schulz galt als ein Sparefroh. Ja, denn wir hatten 2007 eine finanzielle Situation, da hätte uns das Ministerium beinahe unter Kuratel gestellt.

Hat Sie die klare Mehrheit von 4 zu 1 jetzt überrascht?

Ich habe mich beworben, als es keine Mehrheit für Freismuth gab. Aber es kam ein neuer Unirat – vier der fünf Mitglieder sind neu. Zudem stand ein Kompromisskandidat aus Deutschland zur Verfügung. Meine Chancen waren also eher gesunken. Es gab ein forderndes Gespräch mit dem Unirat, das vielleicht ausschlaggebend war.

Sie hatten zuletzt Ihren Lebensmittelpunkt in Salzburg. Kehren Sie nach Graz zurück?

Ja. Ich bin während der Woche in Graz, am Wochenende entweder bei meinem frisch renovierten Haus in Etzendorf bei Wies oder in Salzburg.

Was haben Sie in den nächsten vier Jahren vor?

Ich suche eben mein Team zusammen und möchte das zuerst mit ihnen besprechen. Ein zentraler Punkt vielleicht: Die Kunstuni will künstlerische Persönlichkeiten heranbilden. Da gehört mehr dazu, als das Instrument gut können. Man muss mit dem Publikum kommunizieren können, man muss ein Projekt organisieren können – das braucht man im Beruf. Dazu kommt eine gesellschaftliche Verantwortung. Warum spiele ich nicht im Altersheim? Oder mit Migranten?

Immer wieder geistert eine Erweiterung der Kunstuni durch den Raum. Wie sehen Sie das?

Schon vor zehn Jahren gab es diesen politischen Willen. Eine echte Volluniversität könnte Interdisziplinarität leben, die in der Berufswelt auch stattfindet. Andererseits ist es schwer, das rasch und gut umzusetzen. Es gibt in Europa nicht sehr viele Volluniversitäten. Wenn Land, Stadt und Ministerium jeweils zwei Stiftungsprofessuren beisteuern, dann kann man durchaus etwas Schönes machen. Für eine halbe Sache bin ich aber nicht zu haben.

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