Aus dem GemeinderatFeinstaubstudie: Von Lehrstücken, Panikmache und der Autolobby

Kontroverse Debatte im Gemeinderat zur Feinstaubstudie. Und wo Bürgermeister Nagl anstelle des Verkehrs ansetzen will.

© Jürgen Fuchs
 

Der Gemeinderatstag begann diesmal schon um 9 Uhr in der Früh. Da luden Verkehrs- und Umweltlandesrat Anton Lang (SPÖ) sowie Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) zur lange erwarteten Präsentation der Feinstaubstudie. Neben der Presse schickten auch die Büros von Verkehrsstadträtin Elke Kahr (KPÖ) und Umweltstadträtin Tina Wirnsberger (Grüne) Abordnungen – ihnen war die Studie bis dahin unbekannt.

Über die Studienergebnisse wurde dann im Gemeinderat diskutiert. Bürgermeister Nagl eröffnete die Sitzung mit einer „Mitteilung an den Gemeinderat“, in der er die Studie vorstellte. Zentral aus seiner Sicht: „Der Autoverkehr spielt bei Feinstaub mit vier Prozent nur eine untergeordnete Rolle.“ Daher brauche es keine Citymaut, keinen autofreien Tag. Obwohl die Studienautoren die Einführung einer Citymaut empfehlen, ist für Nagl der Verkehr kein Thema mehr. Sein Fokus: der Hausbrand in den Umlandgemeinden.

Bei den vier Prozent beruft er sich auf eine Grafik, die bei der Studienpräsentation eine Rolle spielte – aber gar kein Teil der Studie ist. Und auch die Aussage ist umstritten, denn: Die vier Prozent beziehen sich rein auf die Feinstaubbelastung, die aus dem Auspuff kommt. Alle sekundären Verkehrseffekte lässt Nagl weg wie Abrieb, Aufwirbelung und die Bildung von Ammoniumsalzen, kritisiert Umweltstadträtin Wirnsberger. Würde man alles zusammenzählen, „landet man bei 50 Prozent Feinstaubbelastung durch den Verkehr“. Auch diese Zahl ist umstritten, aber, so Experten, deutlich realistischer. Und davon abgesehen geht es ja um mehr als Feinstaub: Auch die NOx- und CO2- Belastung durch den Verkehr wurde in der Studie berechnet.

FPÖ-Klubchef Armin Sippel kritisiert „die populistische Panikmache“ der Grünen, die auf die verkürzte Lebenserwartung durch die schlechte Luft in Graz hingewiesen haben. SPÖ-Gemeinderätin Alexandra Marak-Fischer sah in der Debatte ein Lehrstück dafür, „wie man dieselben Fakten unterschiedlich interpretieren kann“. Sie hofft, dass die Studie nicht in der Schublade verschwindet, sondern weiter diskutiert wird.

Während Tamara Ussner von den Grünen appellierte, nicht „vor der Autolobby in die Knie zu gehen“, wiederholte Verkehrsstadträtin Kahr ihr Nein zur Citymaut. Der autofreie Tag sei aber eine Option.

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Danke für Ihr Verständnis.

stadtkater
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Die Interessen des Wirtschaftsbündler Nagl

stehen im Gleichklang mit jenen der Innenstadtkaufleute: Niemals Massnahmen setzen, die zu noch weniger Besuchern und damit noch weniger Umsatz in der City führen. Dass die schlechte Luft in Graz bei den Bewohnern zu einer Lebenszeitverkürzung um 19 Monate führen, ist diesen Personen vollkommen egal. Dass keinerlei Pkw-Beschränkungen für die Innenstadt kommen werden, war immer schon klar, nur hätte man dann den Steuerzahlern 144.500 Euro für diese Studie gleich ersparen können!

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paulrandig
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Gibt es eigentlich eine Studie,...

...wie die Bilanz - finanziell und umwelttechnisch - ausfiele, wären alle Öffis einer Region gratis und das Befahren dieser Region per PKW kostenpflichtig?
Wie würde P&R angenommen, das nicht mehr kostet als es die Öffis würden? Wäre es zielführend die Einfahrt in die Mautzone bei drei und mehr Fahrzeuginsassen gratis zuzulassen?
Gibt es Studien zu LKW-intensiven Strecken, die eventuell im Stadtgebiet per Lastenbahn (vgl. Puntigam) bzw. Lastenstraßenbahn bedient werden könnten (vgl. CarGo Tram in Dresden)?
Das alles sind keine Fragen zu Utopien, sondern zu schnell umsetzbaren Maßnahmen. Wurden diese schon gestellt? Wie sind die Ergebnisse?

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ichbindermeinung
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Holzverbrennung

Hauptverursacher für den Feinstaub sind die Holz/Pellets und Kohleheizungen, weit dahinter Heizöl und dann Gas,nirgends gibt es einen Kat nicht wie beim Auto. Darüber hinaus noch die Flugzeuge die auch keinen Katalysator haben. Generell sollt man beim Gehen und Reden auch aufpassen, dass man nicht zu viel Staub aufwirbelt....

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jahcity
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Bitte

sprechen sie einmal mit einem Umweltmediziner od. einen Onkologen! Feinstäube aus Hausbrannt sind absolut nicht besonders gefährlich! Hingegen Feinstaub von Verbrennungsmotoren sind extrem Lungengängig u könne sogar Zellwände durchdringen u Krebs auslösen! Warum posten sie etwas von dem sie keine Ahnung haben?

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Mein Graz
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Die Gesundheit der Grazer ist Nagl egal,

wichtig sind seine eigenen Interessen.

Die Aktion "4%" erinnert mich an das Wasser des Grazbach, das er im Gemeinderat als Werbemittel für den Sammelkanal einsetzte, obwohl dieses gar nicht eingeleitet wird!
Populismus pur, und es gibt noch immer Leute, die ihm glauben.

Und Armin Sippel? Lässt der dann seine Busenfreunde von den Idiotären aufmarschieren zum Feinstaub filtern? Funktioniert doch über die Lunge bestens.

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helga.zuschrott
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nagl ist ein echter populist!

interpretiert zahlen so, bis sie in sein konzept passen - negiert die ausdrücklichen empfehlungen der studienaotorInnen - und er negiert, dass in graz viele menschen unter dem feinstaub leiden .... und: der dreck kommt von außerhalb => das ist schlicht eine falschaussage: alle, die zb im murfeld wohnen (häuser im grunde alle einzelbeheizt) wissen, wie sehr es hier in der heiperiode stinkt..... usf.

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