Graz und St. MichaelZwei steirische Kasernen werden zu Inseln für den Krisenfall

Zwei Heeresstandorte werden zu "Sicherheitsinseln" ausgebaut. Von dort aus soll im bei Katastrophen und Krisen auch die Bevölkerung über einen längeren Zeitraum versorgt werden.

Die Landwehrkaserne St. Michael (kleines Bild) und die Gablenzkaserne wurden als Standorte ausgewählt © Birnbaum, Bundesheer/Grebien
 

Seinen Plan, Kasernen zu „Sicherheitsinseln“ auszubauen, hatte Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ) schon zum Start seiner Amtszeit als Leuchtturmprojekt ausgerufen. Seit dieser Woche ist bekannt, dass die Steiermark gleich zwei solcher Sicherheitsinseln bekommt: Die Gablenzkaserne in Graz und die Landwehrkaserne St. Michael sollen so ausgestattet werden, dass sie über einen längeren Zeitraum völlig autark sind.

Das Konzept dahinter ist nicht neu und entspringt der Umfassenden Landesverteidigung (ULV), die weit über die militärische hinausgeht. Beim Bundesheer verweist man gern auf seine Durchhaltefähigkeit als Alleinstellungsmerkmal. Darunter versteht man, dass sich Truppenteile und Verbände über definierte Zeiträume auch unter widrigsten Bedingungen selbst versorgen und mobil bleiben können. Mit den Sicherheitsinseln will man das auf ganze Regionen ausdehnen. „Im ersten Schritt bezieht sich diese Durchhaltefähigkeit noch auf das Bundesheer selbst“, heißt es aus dem Verteidigungsministerium. Die zwölf ausgewählten Kasernen in Österreich sollen hinsichtlich Treibstoff, Energie- und Wasserversorgung und Lebensmittelbevorratung unabhängig werden. In einem Positionspapier des Generalstabs im Vorjahr war von einer Autarkie bis zu 14 Tagen die Rede.

Blackout und Co.

Ist diese erste Ausbaustufe erreicht, sollen diese Kasernen über mehrere Tage auch Blaulichtorganisationen und letztlich die Zivilbevölkerung mit lebensnotwendigen Gütern versorgen können. Ein realistisches Szenario ist etwa ein großflächiger und länger anhaltender Stromausfall. Die Folgen eines so genanten „Blackouts“ sind weitreichend, da auch Kommunikationssysteme zusammenbrechen und verderbliche Lebensmittel knapp werden. Auch Naturkatastrophen wie Hochwasser oder Erdbeben können ganze Landstriche von der Versorgung abschneiden.

Über die Kosten des Projekts gibt es noch keine Informationen, sie werden aus dem laufenden Heeresbudget bestritten. Unklar ist auch noch der genaue Zeitrahmen. „Im Grunde bräuchten wir aber nur einen Schalter umlegen, wir haben fast alles“, sagt ein Truppenoffizier. Die Kaserne St. Michael etwa war eine der ersten sogenannten „Systemkasernen“, die das Heer in den 1980er errichtete und großzügig ausstattete. Auch die günstige Verkehrslage sprach für den Standort als Sicherheitsinsel. Nicht zuletzt wurde dort schon vor Jahren ein Projekt entwickelt, mittels Fotovoltaik energieautark zu werden.

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