Zu wenig PersonalGraz Linien: Jetzt berät der Betriebsrat über Streik

Streikdrohung, hohe Krankenstände und Unterbesetzung beim Personal sorgen für heftige Konflikte zwischen Holding und Betriebsrat. Die Linien geben 900.000 Euro pro Jahr für Fremdfirmen aus, um den Betrieb aufrecht zu erhalten.

Der Dienstbetrieb sei mit diesem Personalstand nicht länger aufrechtzuerhalten, heißt es vonseiten des Betriebsrates © Jürgen Fuchs
 

In der Belegschaft der Graz-Linien, also bei den rund 660 Fahrern der Busse und Straßenbahnen in Graz, gärt es gewaltig. Der Dienstbetrieb sei nicht mehr aufrechtzuerhalten, es gebe viel zu wenig Personal, wird geklagt. Umgekehrt verweist die Holding-Führung auf deutlich zu hohe Krankenstandszahlen, die man sich nicht mehr bieten lassen will. Der Betriebsrat wird Ende Februar über Betriebsversammlungen und eventuell Streikmaßnahmen beraten.

Faktum ist, dass am Freitag ein Ultimatum für die Genehmigung der Sommerurlaube ergebnislos verstrich – laut Unternehmensführung ist ein Softwarefehler schuld. Man werde die Mitarbeiter nun zeitnah über Urlaube informieren. Betriebsratschef Horst Schachner will sich aber nicht mehr „hinhalten lassen“, wie er sagt: „Im Vorjahr wussten die Mitarbeiter im Juni noch nicht, ob sie im Juli auf Urlaub gehen dürfen. Manche Kollegen haben 100 Tage Urlaub stehen und bekommen keinen Urlaubstag genehmigt. So kann es nicht weitergehen.“ Ein Kollege habe nicht einmal zur Hochzeit seiner Tochter freibekommen.

Betriebsratschef Horst Schachner Foto © Jürgen Fuchs

In diversen WhatsApp-Gruppen machen die Fahrer ihrem Unmut Luft: Man werde für „Probleme“ sorgen, „wie sie der Vorstand noch nie gesehen hat“, liest man dort. Laut Schachner fehlen mindestens 30 Fahrer, was die Chefs gar nicht leugnen: Bis zum Sommer werde man diese 30 Fahrer einstellen, sagt ein Holding-Sprecher.

Der Konflikt reicht freilich weiter zurück – Holding-Vorständin Barbara Muhr und Betriebsratsboss Schachner haben kaum mehr eine tragfähige Gesprächsbasis. Das war 2014 noch anders. Damals wurde ein für die Belegschaft günstiger Dienstplan beschlossen. Seither gibt es bezahlte Pausen und bessere Regeln bei der Dienstbereitschaft.

Krankenstände sind Thema

Im Gegenzug hat sich aber die Erwartung der Vorstände nicht erfüllt: dass nämlich die hohen Krankenstände zurückgehen. Im Vorjahr schaltete man sogar den Gesundheitsdirektor der Eisenbahner-Versicherung, Werner Bogendorfer, ein, der aber eine Verschärfung der Kontrollen ablehnte. Für Aufregung sorgt eine neue Statistik: Sie zeigt, dass in den letzten 15 Jahren die Krankenstände stets deutlich über dem zu erwartenden Durchschnitt lagen. Zwar wurde die Definitivstellung (also Unkündbarkeit) der Fahrer schon 2012 abgeschafft, aber die Mehrheit ist noch in diesem alten System.

Im vorigen Sommer musste die Holding rund 900.000 Euro an Fremdfirmen zahlen, um mit ausgeborgten Fahrern und Bussen den Linienbetrieb aufrechtzuerhalten. Schuld daran war aber nicht nur die dünne Personaldecke: Wegen der vielen Sommerbaustellen musste viel Schienenersatzverkehr fahren. Dafür fehlten auch Busse.
Heuer wird eine ähnliche Summe notwendig sein. Mittelfristig wird überlegt, den Busbetrieb aus der Holding auszugliedern, um zu anderen Kollektivverträgen und Urlaubsregeln zu kommen. Das wäre freilich der nächste Sprengstoff im aufgeheizten Betriebsklima.

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Der neue Führungsstil

der in vielen Bereichen zu Problemen führt.

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Reipsi
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Wenn die Stassenbahnfahrer

streiken , liebe Holding darf ich dann vorübergehend fahren, würde ich machen, nach Einschulung natürlich.

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checker43
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Der

Vorstand wird Sie einschulen.

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4e45bafc255dca8d9edb6766106b4ac2
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Das sind keine "Vorstände"...

...ist eine GmbH... Das sind schlichte Geschäftsführer - und simple Befehlsempfänger ihres Herrn! Hrn Nagl...

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isogs
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nicht wundern

die Unternehmensführung darf sich nicht wundern, wenn die Mitarbeiter keinen Urlaub bekommen , dann steigt der Krankenstand!
Also schlechte Führung! KeinePersonalplanung!

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