Jubiläumsjahr 2018Warum Peter Roseggers Briefe jetzt online gehen

So geht Geschichtsaufarbeitung heute: Die Landesbibliothek hat mehr als 1000 Korrespondenzen an und von Peter Rosegger digitalisiert und damit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Unter den Briefschreibern sind klingende Namen. Die Originalbriefe lagern ziemlich schwer gesichert.

Präsentierten die neue digitale Sammlung: Landesrätin Barbara Eibinger-Miedl, Systembibliothekar Maximilian Losinschek, Bibliotheks-Leiterin Katharina Kocher-Lichem (von links)
Präsentierten die neue digitale Sammlung: Landesrätin Barbara Eibinger-Miedl, Systembibliothekar Maximilian Losinschek, Bibliotheks-Leiterin Katharina Kocher-Lichem (von links) © Landesbibliothek
 

Marie von Ebner-Eschenbach hat eine "gestochen scharfe" Schrift - "im Gegensatz zu Peter Rosegger", sagt Maximilian Losinschek und seufzt. Der Systembibliothekar an der Landesbibliothek ist dafür verantwortlich, den schriftlichen Nachlass des steirischen Dichters zu digitalisieren und damit Interessierten kostenfrei zugänglich zu machen. Mehr als 1000 Briefe an und von Rosegger sind bereits online, zum Teil bereits transkribiert. Und das ist für Losinschek und seine Mitarbeiter - Stichwort schwer leserliche Schrift - eine Herausforderung.

Ab heute kann sich jeder ein erweitertes Bild des Dichters machen, über ein neues System, der sogenannten RaraBib. Dort sind besonders seltene Dokumente wie eben die Briefe digital archiviert. "Das ist ein Meilenstein in der Geschichte der Bibliothek", sagt Katharina Kocher-Lichem, die Leiterin der Landesbibliothek. Von einem "wahren Schatz" spricht Wissenschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl. Denn die Korrespondenzpartner Rossegger seien das "Who is who" der damaligen Zeit gewesen.

Seit 1932 an der Landesbibliothek

"Üben Sie keine Kritik an meinem Schreiben, ich schreibe wie mir mein Herz diktiert", bittet etwa die Schriftstellerin Marie von Ebner Eschenbach ihren Briefpartner Peter Rosegger im Jahr 1915. Transkribiert ist bisher erst der erste Satz, für den Rest muss der Leser die Kurrentschrift entziffern können. Laufend kommen in einem aufwändigen Prozess jedoch neue Transkriptionen dazu.

Die Landesbibliothek hat sich das Rosegger-Jubiläumsjahr zum Anlass genommen, ihren Schwerpunkt eben auf den Dichter zu legen. Dessen Nachlass ist im Jahr 1932 an die Landesbibliothek gekommen, nimmt dort immerhin etwa 100 Laufmeter ein und besteht etwa aus Manuskripten, Korrespondenzen, Zeichnungen, Tagebüchern, seiner persönlichen Bibliothek, aber auch aus Brillen, Spazierstöcken oder Manschettenknöpfen.

Briefe von schillernden Persönlichkeiten

Und eben aus den Briefen. Die meisten sind von den Korrespondenzpartnern Roseggers, unter ihnen klingende Namen wie Theodor Storm, Bertha von Suttner und Felix Dahn. Gelagert sind sie wie der gesamte Nachlass Roseggers laut Kocher-Lichem übrigens nicht im allgemeinen Magazin, sondern in einem speziellen Raum, der nochmals  extra gesichert sei. Die Briefe selbst liegen fein säuberlich geordnet in säurefreien Boxen.

Online gestellt wurden auch Werkmanuskripte, Urkunden und Fotos. Dies sei "ein wertvoller Teil des Erbes der Steiermark", sagt Eibinger-Miedl, und es biete "die Möglichkeit, mehr über den wohl bekanntesten steirischen Dichter und die politischen Umbrüche der damaligen Zeit zu erfahren".

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