FORSCHUNGDie Suche nach Verdrehungen und Setzungen

Wie die Leobener Firma Geodata beim U-Bahn-Bau in aller Welt aus einzelnen Messdaten ein Gesamtbild erzeugt, dass den Bauherren den notwendigen Überblick gibt.

Heikler U-Bahn-Bau rund um Marmorkirche in Kopenhagen © Geodata
 

Wir verwandeln Daten in Information“ – ein Satz, den man heutzutage oft hört. Aber was das konkret heißt, kann man an der Leobener/Grazer Firma Geodata studieren: Wie aus vielen, an sich „dummen“ Datensätzen Informationen werden, die enorm wertvoll sind.

Klaus Rabensteiner, Mitgründer und Vorsitzender der Geschäftsführung, erklärt es an Hand eines wichtigen Geschäftsbereiches, dem U-Bahn-Bau: „Wir entwickeln und betreiben Info-Management-Systeme, die bei solchen Projekten zum Einsatz kommen und den Bauherren helfen, gute Entscheidungen zu treffen.“

Entstanden 1987 als Spin-off des Tunnelbau-Institutes in Leoben, wurden im Unternehmen Mess- und Überwachungssysteme sowie Software entwickelt, den Baugrund, das Grundwasser und die umliegende Infrastruktur zu beobachten. „Wir messen Setzungen, Verdrehungen, Erschütterungen, können den Einfluss auf den Wasserkörper bestimmen“, sagt Rabensteiner.

Das Unternehmen

Das Unternehmen Geodata wurde 1987 als Spin-off von der Montanuniversität Leoben gegründet und ist heute international mit innovativer Messtechnik und Informationstechnik für Bauherren, Baufirmen und Industrieunternehmen tätig.
165 Mitarbeiter sind an mehreren Standorten in Europa, Australien und Chile tätig. Derzeit wird eben Indien aufgebaut. Hauptsitz ist Leoben und auch der Schwerpunkt im Bereich Industrievermessung, am Standort Graz steht die Softwareentwicklung im Vordergrund.
Geodata ist eng mit Universitäten vernetzt und erhielt 2015 einen Forschungspreis im Rahmen des Staatspreises für Innovation

Die Herausforderungen im U-Bahn-Bau sind ja enorm: Im städtischen Bereich müssen geeignete Messstellen gefunden und entsprechend bestückt werden. Die Daten werden online übertragen – mit großer Ausfallsicherheit – und dann mit selbst entwickelter Software analysiert. Jahreszeitlich bedingte Oszillationen müssen ebenso herausgefiltert werden wie „normale“ Setzungen, um wirkliche Störfälle und unerwartete Abweichungen rasch zu erkennen. Das System schickt automatisch Warnungen aus und dokumentiert alle unerwarteten Vorkommnisse.

Zwar ist die Firma schon frühzeitig ins Ausland gegangen, aber eine große Rolle spielte ein internationales EU-Projekt. „Es war das größte Tunnelforschungsprogramm, und das hat für uns den Grundstein gelegt, dass wir jetzt auf allen Kontinenten tätig sind“, erzählt Rabensteiner.
Die Referenzliste – allein im Tunnelbau – kann sich sehen lassen: Projekte in Thessaloniki (Griechenland), Tel Aviv (Israel), Sydney (Australien) oder Santiago de Chile. Und natürlich ist Geodata auch beim Koralmtunnel mit dabei.

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