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Graz

Auf der Suche nach dem Motiv nach der Amokfahrt

Warum ist Alen R. (26) aus Kalsdorf zum Amokläufer geworden? War eine Psychose Auslöser für diese unfassbare Tat? Waren es Eifersucht und Rache wegen der bevorstehenden Scheidung? Gibt es einen anderen Grund? Diese Fragen beschäftigen Staatsanwaltschaft, Mordermittler und Verfassungsschützer.

Warum diese Amokfahrt? Noch viele Fragen sind offen © Graz
 

Der Beschuldigte selbst gab darauf noch keine Antwort. Das Motiv liegt völlig im Dunkeln. Die Ermittler konnten ihn unmittelbar nach der Tat kurz befragen, doch dann blockte er plötzlich ab, zeigte seine Aggressionen verbal. Auch später im Polizeianhaltezentrum, wo er die Nacht verbringen musste. Am Sonntagnachmittag unternahmen die Kriminalisten einen neuerlichen Anlauf, den Beschuldigten zu vernehmen – im Beisein eines Psychiaters. Was dabei herauskam, ist nicht bekannt.

Suche nach dem Motiv

Die Kripo sucht aber nicht nur nach dem Tatmotiv. Unklar ist auch, wo sich Alen R. seit seiner Wegweisung aus dem Wohnhaus in Kalsdorf am 28. Mai 2015 aufgehalten hat. Unbestätigten Berichten zufolge soll er in Bosnien gewesen sein, wo er 1989 geboren worden ist.

Laut Gerüchten soll er sich in Bosnien mit Hooligans getroffen haben und unmittelbar vor der Tat wieder nach Graz zurückgekommen sein. Hat er nach seiner Frau und seinen kleinen Kindern gesucht? Dafür gibt es keine Bestätigung, so die Polizei.

Amtsbekannt

Bestätigt wird hingegen von Polizei und Gemeinde, dass der Verdächtige und aber auch seine Eltern amtsbekannt sind. Es habe immer wieder Anzeigen und Beschwerden gegeben, so Bürgermeisterin Ursula Rauch.

Diese Familie, die 1993 im Zuge des Balkankrieges in die Steiermark geflüchtet ist, gilt im Ort als abgeschottet und nicht integriert. Immer wieder kam es zu Konfrontationen mit den Nachbarn. X-mal habe die Polizei einschreiten müssen, erzählen die Anrainer. „Wir wundern uns nicht, dass etwas passiert ist, damit haben wir gerechnet“, sagen sie übereinstimmend. „Nur dieses Ausmaß ist auch für uns völlig überraschend.“

Drohungen und Angriffe

Die Nachbarn berichten nicht nur über verbale Ausfälle der Familie, sondern auch über Tätlichkeiten. „Unsere Kinder sind beschimpft und mit Steinen beworfen worden.“ Der Vater und die Mutter des Beschuldigten hätten mit Messern zwei Hunde verletzt. Autoreifen seien durchgestochen worden. Es habe Drohungen gehagelt. Einmal habe die Polizei einschreiten müssen, weil im Umfeld des Wohnhauses der Familie Schüsse gefallen seien. Damals sei der Sohn unter Verdacht gestanden. Alen R. sei oft Stunden unter einem Sonnenschirm vor dem Haus gesessen und habe mit starrem Blick die Siedlung beobachtet.

„Seit Jahren haben wir Angst vor dieser Familie, auch jetzt noch, wo der Sohn in Haft ist“, sagen die Nachbarn. „Wir haben Angst um unsere Kinder.“

Hans Breitegger