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Reportage

In den versperrten Schluchten der Lurgrotte

Was das Hochwasser im Sommer unmöglich macht, erlaubt der Winter: Ein tieferes Vordringen in die Lurgrotte. Die Reportage aus dem Berg.

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© Sabine Hoffmann
 

In der Ferne rauscht Wasser, auf den Helm fallen Tropfen. Tiefes Einatmen der klaren Luft. Die Temperatur: neun Grad Celsius. Beim Ausatmen wird Nebel ins Finstere gehaucht, nur das Licht der Stirnlampen leuchtet den Weg. Dieser führt vorbei an Fledermäusen, die an ausgewaschenen Gesteinen oder an Stalaktiten hängend den Winter verschlafen. Der Weg schlängelt sich durch niedrige Gänge auf schlammigem Untergrund. Und er setzt sich fort, bei den vielen Stufen durch die Canyon-Schlucht im Inneren der steirischen Bergwelt. Wir sind zu Besuch im Herzen der Lurgrotte.

Von November bis März wird in dieser öffentlich, was den Rest des Jahres versperrt bleibt: Der tiefe Teil, dort wo keine Lampen mehr von den Decken hängen, dort wo sich die Höhlen in den warmen Monaten bei starkem Regen mit Wasser füllen. Oft zur Gänze.

Diese Gefahr ist im Winter durch den Frost gebannt. Die Betreiber der Lurgrotte, in Semriach auf der einen und Peggau auf der anderen Seite, nützen dies. Sie bieten Spezialführungen, deren Wege über einen Kilometer tiefer reichen als normal.

So führen die Peggauer mit Abenteuerwanderungen ins Gestein, Abseil-Action und Seen-Durchquerung inklusive (heuer ausgebucht!). Und die Semriacher bieten Erlebniswanderungen – die „Einsteigervariante“ quasi und doch nur für Erwachsene sicher genug. Kinder und Jugendliche dürfen nicht hinein.

Im Geisterschacht

Früher führten die beiden Eingänge zueinander. 40 Jahre ist es her, dass die unterirdische Verbindung zwischen der Semriacher und der Peggauer Lurgrotte abriss. Ein großes Hochwasser zerstörte 1975 die in mühsamer, zehnjähriger Arbeit errichteten Wege. Auf diesen Resten steigt man nun ins Innere. Bis es nicht mehr weitergeht.

Andreas Schinnerl ist der Chef der Semriacher Lurgrotte. Er geht voran, lässt den Höhepunkt der normalen Führung – den „Großen Dom“ – zurück. 316 Stufen sind es von dort noch in die Tiefe. Schinnerl öffnet das Schloss am Gitter, rein in den Geisterschacht!

Finsternis. Er leuchtet über die Stufen, die oft ausgebrochen sind oder verkalkt; von der Natur zurückgeholt. Die Geländer sind nicht mehr durchgängig; das Reparieren eine Sisyphosarbeit, denn jedes Hochwasser zerstört aufs Neue. Wie hoch dieses werden kann, zeigen die angeschwemmten Äste in zehn Metern Höhe. Woher es mitunter kommt, zeigt der Tennisball zwischen dem Gestein.

Mit jedem Meter wird der Weg enger. Demütig zwängt man sich unter Steinen durch, knöcheltiefer Schlamm holt einen fast aus den festen Schuhen. Immer weiter, Motto: „Nachdem wir ohnehin schon dreckig sind ...“ Erst eine Wettertür signalisiert dann doch ein Ende. Hinter ihr: metertiefer Schlamm, später ein Abgrund. Zurück.
Schinnerls Rucksack bleibt zu. In diesem: Ersatzlampen, Verbandsmaterial, ein Seil und Klopapier. Vor Jahren wurde Letzteres einmal gebraucht, lacht er. Drei Stunden können schließlich lang sein. Doch heute vergehen sie schnell.



Infos:
Sechs Kilometer lang ist das Höhlensystem der Lurgrotte, die von Peggau und Semriach aus besucht werden kann. Ein Verbindungsweg ist verlegt.Tiefere Teile sind nur bei Spezialführungen im Winter zugänglich.
Anmeldung: Peggau: (03127) 2580, Semriach: (03127) 8319. Standardpreis: 7,50 €. Kinder: 5 €. Spezialführung: Peggau 60 € (ausgebucht), Semriach 19 € (ab 10 Personen!)

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