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ISLAM-DEBATTE

Moschee: "Finanzierung von außen ist nie neutral"

Warum es nicht egal ist, woher das Geld für den Bau einer Moschee kommt und Österreich selbst islamische Theologen ausbilden soll: der muslimische Theologe Ednan Aslan im Interview mit Gerald Winter-Pölsler

Ednan Aslan
Der islamische Religionspädagoge Ednan Aslan tritt für einen Islam Europäischer Prägung ein © Jürgen Fuchs
 

Herr Aslan, in Graz wird gerade eine Moschee gebaut. Mit dem geplanten Islamgesetz ist die Debatte um die Finanzierung wieder aufgeflammt, denn es gibt einen Großspender aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Wie beurteilen Sie das?

EDNAN ASLAN: Jede ausländische Einmischung ist eine theologische Einmischung. Eine Investition aus dem Ausland ist nie neutral. Auch wenn ich Konferenzen etwa am Balkan mache, bin ich nicht neutral. Ich will ja etwas bewegen für einen Islam europäischer Prägung. Wie dieser Einfluss bei der Moschee in Graz wirksam ist, kann ich nicht beurteilen. Aber aus meiner Erfahrung weiß ich, dass kein Mensch aus Katar, Saudi-Arabien oder woher auch immer nur aus der Liebe für den Islam in Europa investiert.

Die Befürworter der Moschee argumentieren: Eine große offene Moschee ist besser und transparenter als viele kleine Gotteshäuser in Hinterhöfen. Stimmen Sie dem zu?

ASLAN: Wir dürfen die Moschee nicht nur als materiellen Bau verstehen. Die geistige Haltung ist entscheidend. Die schönsten und größten Moscheen Europas sind saudische Moscheen - aber geistig leer. Die größte Moschee in Wien ist eine saudische Moschee, aber was leistet sie geistig? Nichts. Sie schadet sogar. Die Politiker sind besser beraten, auf die geistige Haltung zu achten. Und ich bin mir sicher, dass nicht alle Muslime in die Grazer Moschee kommen werden. Die Türken oder Araber werden hier nicht beten. Ich will jetzt nicht die Moschee in Graz beurteilen, die kenne ich zu wenig, aber allgemein gesprochen: Die schönsten Moscheen in Europa sind oft die schwierigsten.

Das neue Islamgesetz zielt, vereinfacht gesagt, vor allem darauf ab, dass die Imame nicht mehr aus dem Ausland finanziert werden. Derzeit werden viele ja vor allem aus der Türkei bezahlt. Wer sind diese Imame, die heute bei uns in den Gotteshäusern vorbeten?

ASLAN: Das sind gut ausgebildete Kollegen, ich will die gar nicht schlechtmachen. Nur: Sie sind für die Türkei ausgebildet, nicht für unsere Gesellschaft. Ein Theologe in der Türkei lernt von den Zielen der atatürkischen Revolution - das kann für die Türkei notwendig sein, bei uns ist es das definitiv nicht. Daher ist es wichtig, dass wir unsere eigenen Theologen ausbilden - aber das geht ein bisschen zu langsam.

Seit den Terroranschlägen in Paris ist es vor allem ein Satz, der die Gesellschaft - Muslime wie Nichtmuslime - spaltet: "Der Terror hat mit dem Islam nichts zu tun." Wie sehen Sie das?

ASLAN: Die Leute, die das tun, sind Muslime, sogar überzeugte Muslime. Der Terror hat also sehr wohl mit der islamischen Theologie zu tun, die wir jetzt kritisch hinterfragen sollten. Was sind die theologischen Argumente, die diese jungen Männer zu so etwas sogar ermutigen? Für mich als Religionspädagoge ist es daher in erster Linie eine innerislamische Frage. Aber: Wir können auch nicht alles auf den Islam reduzieren. Diese Leute sind in Frankreich geboren und aufgewachsen, haben in staatlichen Heimen gelebt. Kurz: Sie sind ein Produkt der Gesellschaft.

Sie haben gesagt: "Wir haben es mit einem geistigen Verfall der Muslime in der Gegenwart zu tun." Wie meinen Sie das?

ASLAN: Im 12./13. Jahrhundert waren die Muslime produktiv. Wir haben die ganze griechische Philosophie übersetzt und vieles mehr. Aber heute? Was tragen Muslime in Europa zur Gesellschaft bei, in der Wissenschaft, in der Kunst, in der Demokratie? Wir haben keinen sichtbaren Beitrag, sondern konsumieren nur - und dieser Kritik müssen wir uns stellen.

Zum Schluss ein Blick in die Schulklassen. Viele Statistiken weisen Kinder mit türkischem und muslimischem Hintergrund als Bildungsverlierer aus. Wie kann man hier ansetzen?

ASLAN: Das Bildungsproblem ist kein islamisches Problem. Das muss man einmal klar festhalten. Aber muslimische Familien in Europa nehmen Bildung oft nicht ernst. Eine türkische Familie in Istanbul investiert 5000 Euro pro Jahr in die Bildung ihrer Kinder. Hier tun wir uns schon mit 200 Euro sehr schwer. In Österreich wissen die Eltern oft nicht einmal, welche Schulen ihre Kinder besuchen. Wir brauchen daher ein innergemeinschaftliches Investitionsprogramm in die Bildung - und nicht nur Geld für die Errichtung von Moscheen. Wir Muslime müssen die Mitte der Gesellschaft aktiv suchen. Und das geht über Bildung.

Kommentare (2)

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Redridinghood
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12
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versteh ich nicht!

Eine türkische Familie in Istanbul investiert 5000 Euro pro Jahr in die Bildung ihrer Kinder ?? ja und warum nicht in Österreich ?

weil es Österreich für euch macht! auch den Kindergarten bekommt ihr bezahlt nur die Einheimischen brennen bis zu 260€

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l24h5hu729ld4jzb85vq3uof1xd4anyw
3
2
Lesenswert?

Klar, die Menschen die besser gestellt sind in der Tütkei werden gefördert. Diese aus Anatolien haben das Geld nicht für Bildung ihrer Kinder. Hier in Österreich gibt es das alles ziemlich gratis, also wofür sich anstrengen und den Kindern helfen, damit sie ein besseres Leben haben.

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