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Viel Krawall um Don Alfonso

Die Ankunft des spanischen Prinzen Don Alfonso de Borbon y Austria Este in Graz führte zu spektakulären Krawallen.

 

Kulturkampf lautete das politische Schlagwort in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Europa. Das katholisch-klerikale Lager stand damals dem liberalen (später liberal-nationalen) Lager gegenüber. Bei ihrem Streit ging es um die endgültige Trennung von Kirche und Staat, um die Einführung der Zivilehe, der staatlichen Schulaufsicht und vieles mehr.

In Graz sammelte die liberale "Tagespost" für ein Asyl für abtrünnige Priester, und ein Religionsreformverein verlangte 1868 sogar die Aufhebung aller Klöster. Auch die Mariensäule zu Beginn der Sackstraße geriet in diese Diskussion. Sie musste aus der Innenstadt auf den Karmeliterplatz verlegt werden - offiziell, weil sie den modernen Straßenverkehr behinderte. Inoffiziell war sie aber ein Opfer dieses Kulturkampfes geworden.

Das Unfehlbarkeitsdogma

Für ganz große Proteste sorgte jedoch das päpstliche Unfehlbarkeitsdogma von 1870. Deshalb wurde von Österreich-Ungarn sogar das Konkordat (Staatsvertrag mit der katholischen Kirche, genauer: mit dem Heiligen Stuhl) aufgekündigt. Und in Graz beflegelten sich die liberale "Tagespost" und das konservative "Grazer Volksblatt" aufs Heftigste.

Mitten in diese angespannte Atmosphäre platzte wie eine Bombe die überraschende Ankunft des sehr katholischen, spanischen Prinzen Don Alfonso de Borbon y Austria Este, der sich mit seiner Gemahlin Donna Maria in Graz niederlassen wollte.

Don Alfonsos Ruf

Dem 26-jährigen Bourbonen war nämlich sein schlechter Ruf vorausgeeilt: In Spanien war er aktiv in die sogenannten Karlistenkämpfe verwickelt und hatte dort eine üble Rolle gespielt. Sein Bruder, Don Carlos, kämpfte damals mit aller Macht um den spanischen Thron. Und Alfonso unterstützte ihn als Generalkommandant von Katalonien und Valencia im Bürgerkrieg mit allen Mitteln. Dabei kam es 1873/74 in der Stadt Cuenca zu Plünderungen und Bluttaten, die man mit Don Alfonso in Zusammenhang brachte, dem man persönlich auch unmenschliche Grausamkeiten nachsagte. Ganz Europa empörte sich damals gegen ihn, und die liberale Presse hatte ein gefundenes Fressen.

Don Alfonso musste Spanien verlassen und suchte sich als Exil - Graz aus. Natürlich kam es hier sofort zu heftigen Protesten. Denn der Prinz und seine Gemahlin liebten die Provokation und besuchten jeden Tag um 10 Uhr den Gottesdienst im Dom.

Die Demonstrationen erreichten am 27. April 1875 einen ersten Höhepunkt, als sich 300 bis 400 Personen, darunter 200 Studenten, vor dem Dom versammelten, wird in der "Geschichte der Stadt Graz. Band 2" berichtet. Bis abends hatten sich etwa 1000 Demonstranten eingefunden und es kam zu ersten Verhaftungen.

Die Behörde ersuchte den Prinzen, doch auf seinen täglichen Messgang zu verzichten. Doch schon am nächsten Tag erschien Alfonso wieder auf dem Domplatz - und wurde bereits von etwa 1500 Demonstranten erwartet. Dann eskalierte die Situation. Als die Menge trotz Aufforderung des Bürgermeisters nicht abziehen wollte, ritt Kavallerie mit gezogenen Säbeln vor und verfolgte die Flüchtenden, zumeist Studenten, bis zum Stadtpark. Die Polizei drang auch in den Universitätsbereich vor. Denn die Alte Universität stand ja dem Dom genau gegenüber, die Gebäude der heutigen Uni waren erst im Bau.

Die Husaren greifen ein

Am Abend marschierten dann an die 500 Personen zur Villa des Infanten in der (heutigen) Humboldtstraße 47. Bürgermeister Wilhelm Kienzl, der Vater des gleichnamigen Komponisten der Oper "Der Evangelimann" (1895), forderte nun Husaren und Polizei an. Es kam zu weiteren Verhaftungen. Am folgenden Tag protestierten die Studenten in einer Resolution gegen das brutale Vorgehen der Exekutive, die Resolution selbst wurde am 30. April 1875 in der "Tagespost" abgedruckt. Daraufhin wurden die 17 Grazer Studentenvereine, die diese Resolution unterzeichnet hatten, aufgelöst und die Villa des Prinzen von Militär bewacht.

Der steirische Statthalter Guido Freiherr von Kübeck zu Kübau legte in einem Brief vom 29. April 1875 Don Alfonso nahe, auf die Messbesuche im Dom unter allen Umständen zu verzichten. Die arrogante Antwort des Spaniers empörte Kübeck derart, dass er sich an Kaiser Franz Joseph persönlich wandte: "Gewiß ist nur, daß ich diesen ebenso provocanten als hochmütigen Brief nicht mit Stillschweigen hinnehmen darf." Doch der Kaiser war über die Krawalle sehr verstimmt und ließ dies Bürgermeister Kienzl auch spüren, als er auf seiner Rückreise von Dalmatien in Graz haltmachte.

Die Krawalle sind beendet

Schließlich aber gab Don Alfonso doch nach und verlegte seine täglichen Andachten in die entfernte Grabenkirche. Die Situation beruhigte sich allmählich und das hohe Paar aus Spanien wohnte unbehelligt bis 1897 weiter in Graz. Dann zog es sich in ein kleines Dorf in Bayern zurück. 1936 kam der Infant bei einem Verkehrsunfall in Wien ums Leben.

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