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Autor im Gespräch

Des Taxlers Kornbussi: Thomas Glavinic im Porträt

Vor Kurzem ist sein neuestes Buch "Das größere Wunder" erschienen. Mit Frido Hütter sprach der Erfolgsautor Thomas Glavinic über Graz damals und heute.

© Kanizaj
 

Rund 18 Jahre hat er in Graz gelebt. Und ebenso lange ist es her, dass er die Stadt verlassen hat. Wenn dann Thomas Glavinics rare Heimatbesuche so wie vergangene Woche mit einer Lesung verbunden sind, platzt das Literaturhaus aus allen Nähten und nur die feuerpolizeilichen Vorschriften regeln den Andrang nach oben ab.

Wer mit dem Erfolgsautor durch die Stadt streunt, staunt über seine immer noch detaillierte Ortskenntnisse. Der Grund dafür ist ein Job, den Glavinic zwei Jahre ausgeübt hat, als seine Literatur noch nicht einträglich genug für ein Auskommen war: Tag für Tag steuerte er ein 878er-Taxi der Firma Weingraber, was bis heute auf seiner Facebook-Seite zu lesen ist: "Ich zähle nicht zu den Leuten, die mit einer angeblich heroischen Vergangenheit prunken", lacht Glavinic. Auch als Werbetexter konnte er nicht reüssieren. Für eine damals neue Backware fiel ihm der Begriff "Kornbussi" ein: "Das ist dann nicht auf den Markt gekommen oder wenn, dann unter einem anderen Namen."

Da er vom Gymnasium verwiesen worden war, maturierte er in Gleisdorf. Seit Jahren lebt er nun in Wien, zwischendurch auch gern einmal in Rom, der Traumstadt seines Lebens. Zu Graz fällt ihm als Erstes das Stichwort "Familie" ein. Gemeint sind damit vor allem Großvater, Cousins und Cousinen. Sein Vater wohnt wechselweise in Hamburg und Mostar, über die Mutter äußert er sich nicht.

Mit Familie hängt auch Thomas Glavinics größte Grazer Leidenschaft irgendwie zusammen: Der SK Sturm, dem er von Kindesbeinen an fast fanatisch die Treue hält: "Mein Uropa hat am Bau der Gruabn (Anm.: das alte Holzstadion von Sturm) mitgearbeitet", erzählt er stolz, "und ich war schon mit fünf Jahren dort." Um über Wohl und Wehe seines Herzensvereins in Echtzeit Bescheid zu wissen, hat sich Thomas Glavinic eine Sport-App aufs Handy installiert. So bleibt er beispielsweise auch in Japan auf dem Laufenden. Was manchmal auch zu Magenkrämpfen und emotioneller Schüttellähmung führen kann. Etwa wenn, wie erst jüngst, seine Burschen vom Listenschlusslicht Admira Mödling eins auf die Mütze bekommen.

Im Gegensatz zum Städtchen Graz sei Wien eine Anhäufung von Quartieren, sagt Thomas Glavinic, eben das gefalle ihm so. Er selbst wohnt im vierten Bezirk in Rufweite zum Naschmarkt, aber vor allem zu seinem Außenbüro "Anzengruber", einem Wirtshaus in der Schleifmühlgasse, das auch andere Geistesgrößen gerne frequentieren.

Vom Abwasser zum Fluss

Seine liebsten Erinnerungen an Graz sind außer mit einigen Menschen mit dem Stadtpark verbunden, wo er als Kind herumtollte und später im Forum erste literarische Schritte machte. Die augenscheinlichste Veränderung zu damals ist neben den vielen neuen Lokalen und Geschäften die neue Qualität der Mur: "Ein Wahnsinn", sagt Glavinic, "aus diesem ehemaligen Abwasserkanal ist ein echter Fluss geworden." Im selben Atemzug bedauert er, dass die Grazer so wenig daraus machen: "Da kann man sich an Wien ein Beispiel nehmen." Tatsächlich wurde am Donaukanal viel gastronomische Fantasie entwickelt, die Szene schnurrt.

Wenn er weit weg sei, denke er eigentlich nie an Graz, sagt er, "aber wenn ich wieder einmal da bin, werde ich fast ein bisschen wehmütig, weil es so nett ist".

Thomas Glavinics Bücher sind in bisher 18 Sprachen erschienen, sein neuestes Opus "Das größere Wunder" regiert derzeit die Bestsellerlisten. So einer kommt viel herum und das würde er auch den Grazern aber auch allen anderen Menschen raten: "Reist mehr, dann kann man besser einschätzen, was man zu Hause hat."

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