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INTERVIEW

"Wir nehmen nicht nur, wir geben auch viel"

Kirchen brauchen PR-Aktionen, meint die evangelische Oberkirchenrätin Gerhild Herrgesell zum heutigen Reformationstag. Ein Interview von Monika Schachner.

© KLZ / Hoffmann
 

S ie sind seit 1. September Oberkirchenrätin für Kirchenentwicklung. Was sind Ihre Aufgaben?

GERHILD HERRGESELL: Diese Abteilung wurde vom Oberkirchenrat neu geschaffen. Sie beschäftigt sich mit Fragen wie "Was will Kirche bewirken? Welche Bedeutung wird sie in Zukunft haben? Wird es sie überhaupt noch geben?" Und wir schauen uns demografische Entwicklungen an.

Um welche Gruppen geht es Ihnen da konkret?

HERRGESELL: Ich würde das so formulieren: Die Suche nach Spiritualität nimmt zu, doch was bedeutet das für eine traditionelle Kirche? Am Tag des Graz-Marathons habe ich etwa eine Bekannte in der Kirche getroffen. Sie wollte sich vorher sammeln und ein Gebet sprechen. Es geht darum, aufzumachen.

Könnte das nicht in Beliebigkeit ausarten?

HERRGESELL: Wir haben mit der Bibel eine gute Basis. Wenn wir diese in den Mittelpunkt stellen, wird es nicht beliebig.

In der Steiermark hat die evangelische Kirche eine PR-Aktion gestartet. Hat sie das notwendig?

HERRGESELL: Ja, denn das bestehende Bild von Kirche entspricht nicht der Wirklichkeit. Viele Menschen kommen nur noch zu Taufen oder Hochzeiten in die Kirche. Meine Aufgabe als Oberkirchenrätin ist nun zu fragen, was weiter damit geschehen soll.

2017 feiert die evangelische Kirche 500 Jahre Reformation. Gibt es Parallelen zu heute?

HERRGESELL: Ja, im gesellschaftspolitischen Bereich. Die Kirche ist etwa gefordert, wenn es darum geht, der globalisierten Marktwirtschaft etwas entgegenzusetzen.

Kann Kirche auch etwas für die Integration in Österreich tun?

HERRGESELL: Ja, etwa durch gegenseitige Besuche in Moscheen und Kirchen. In den Schulen praktizieren wir das schon. Dadurch werden viele Vorurteile abgebaut. Das wäre auch für Erwachsene optimal.

Das Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien ist gescheitert. Warum war das Ihrer Meinung so?

HERRGESELL: Das Denken in traditionell religiösen Bahnen ist noch stark verankert: Ich lasse mein Kind nicht taufen, schicke es aber in den Religionsunterricht. Wir müssen trotzdem viel transparenter machen, was etwa Diakonie oder kirchliches Ehrenamt für den Staat leisten. Wir nehmen nicht nur, wir geben auch viel.

Evangelisch zu sein - was heißt das für Sie persönlich?

HERRGESELL: Es bedeutet, eine Kraft zu erleben, die einen trägt. Hinzu kommt die Freiheit von evangelischen Christen, für das eigene Tun selbst verantwortlich zu sein.

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