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"Opus Magnum": 40 Jahre Jubiläum

40 Jahre Opus - da klingt sofort ihr Megahit "Live is Life" im Ohr, der die Band weltbekannt gemacht hat und in Lateinamerika ebenso gespielt wird wie in China. Ein Blick zurück auf die Anfänge.

© Foto: APA
 

Große Ereignisse mit enormen Konsequenzen entscheiden sich manchmal in kleinen, scheinbar unbedeutenden Momenten. So wie es sich am späten Abend des 2. September 1984 im burgenländischen Oberwart begab.

Die leidlich beliebte Kapelle Opus hatte dort mit einem Open Air ihr elfjähriges Bestehen gefeiert. Peter Müller, damals der erfahrenste und begehrteste Musikproduzent des Austropop, schnitt den Abend mit, weil eine Live-Platte daraus werden sollte. Nach dem Abgang von der Bühne fragte Ewald Pfleger, Mastermind von Opus, Müller sicherheitshalber: "Hast eh alles drauf?"

Müller: "Ja, fast, bei der letzten Nummer ist mir das Band ausgegangen, aber die klingt eh nicht so wichtig."

Pfleger sah das anders: "Leg ein neues Band ein, wir spielen den Song noch einmal."

Peter Müller tat, wie ihm geheißen, zur Freude des Publikums erschienen Opus noch einmal auf der Bühne und wiederholten das Stück. - Es hieß "Live is Life".

Der Rest ist bekannt: Der Song schoss die internationalen Hitparaden empor, die Band tourte mit Fleetwood Mac durch die USA, füllte Stadien in Santiago de Chile, Mexiko Stadt, Moskau und sonst wo. Und im Gegensatz zu Falcos kurz danach erschienenem Knaller "Amadeus" (geschrieben von Rob und Ferdie Bolland) wurde und wird "Live is Life" in Lateinamerika ebenso gespielt wie in China.

Etwa 15 Millionen mal wurde das Original auf Single verkauft, zwei Millionen mal auf LPs und CDs. Dazu erschien "Live is Life" auf zahllosen Sammelplatten. Rund 150 Coverversionen haben andere Bands aufgenommen. Und wie Ewald Pfleger aktuell berichtet, entwickeln sich derzeit die digitalen Downloads des Songs besonders in den USA und Kanada prächtig. Die Oberwarter Zangengeburt wurde zum vermutlich einzigen österreichischen Globalschlager seit "Stille Nacht" von Gruber und Mohr. Sozusagen das Opus Magnum der Band mit einem vorerst anscheinend ewigen Leben.

Sie waren beileibe keine Schnellstarter gewesen: Im Juli 1973 improvisierten vier musikbegeisterte Jungs bei ihren Jamsessions in einer alten Garage in Stegersbach im Südburgenland so wild, dass die Wände wackelten. Meistens wurden Bands wie Deep Purple oder Colosseum gecovert, im August folgte der erste Auftritt.

Fünf Jahre später übersiedeln Pfleger und seine jüngeren Bandkollegen Kurt René Plisnier, Günter Grasmuck und Walter Bachkönig nach Graz, um da zu studieren. In Judendorf-Straßengel wurde in Rötz ein Haus gemietet, in dem sie gewohnt und intensiv geprobt haben. 14 Jahre sollte die musikalische Interessengemeinschaft dort am Fuße des Kirchbergs verbleiben. Ewald Pfleger hat sein Studio noch immer in Judendorf-Straßengel.

1978 hatte man eine neue Stimme gesucht. Also gab man in der Kleinen Zeitung ein Inserat auf: "Sänger(in) für Opus gesucht". Darauf hat sich ein gewisser Herwig Rüdisser telefonisch gemeldet. Ein Klagenfurter, der mit einer Band bereits einen Wettbewerb gewonnen hatte. Als Schriftsetzer hat er in Graz gearbeitet und das Inserat gelesen. "Wegen seiner hohen Stimme habe ich zuerst gedacht, er ist eine Frau", lächelt Ewald Pfleger. Dann marschierte Rüdisser in Judendorf-Straßengel an, erinnert sich Opus-Keyboarder Plisnier, und begann "Stairway to Heaven" von Led Zeppelin zu singen: "Wir sind erschaudert und erstarrt und haben gewusst, das ist der Sänger, der bei uns singen muss."

Sirrende Kopfstimme

"Wir haben unsere Songs quasi speziell für Herwigs Tonlage geschrieben", sagt Ewald Pfleger. Dessen sirrende Kopfstimme kontrastiert fantastisch zu den oft epischen Kompositionen der Band.

1985 veranstaltete die Kleine Zeitung das legendäre Open Air "Opus & Friends" mit Falco, Ambros, Maria Bill, EAV und anderen im 25.000 Fans fassenden ausverkauften Liebenauer Stadion, das bis dahin größte Rock- und Pop-Event in Graz.

Opus waren stets die braven Buben des Austro-Rock: gute Manieren, keine Allüren, keine zertrümmerten Hotelzimmer. Von den drei Devisen Sex, Drugs & Rock 'n' Roll haben sie zumindest die mittlere stets ausgelassen. Stattdessen haben sie vor einigen Jahren zu einer neuen Bühnenshow gefunden, die sie in der Grazer Oper zelebrierten: "Opus at the Opera", ein Gesamtkunstwerk mit Orchester, arrangiert und dirigiert von Christian Kolonovits. Auf Youtube gibt es eine gelungene Doku darüber von Rudi Dolezal. Meisterregisseur Wolfgang Murnberger hat Opus indirekt auch in seinem Film "Die Spätstarter" verewigt: Dort landen rührige Bewohner eines Altersheims mit "Live is Life" einen Hit. Wie wir Opus kennen, wird die Band den Film auch im wirklichen Leben nachvollziehen. Happy Birthday, Opus!

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