'Von Fall zu Fall'Gerichtskolumne: Ein Balkankonflikt mitten in Graz

Bozo, Marinko, der Dalmatiner und die anderen: Der Streit um Verluste beim Spielautomaten in einem Lokal lösten einen Balkankonflikt mitten in Graz aus.

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Der Angeklagte ist Bosnier und seit 1989 in Graz. Er ist „Schlosser, aber mit Probleme mit Kreiz“ und wirkt, als würde er trotzdem zum Spaß gern Eisen mit bloßer Hand verbiegen.

Als im Lokal seiner Lebensgefährtin in Graz ein gewisser Bozo 400 Euro im Automaten versenkte und in einem Cafe auf Kroatisch fluchte: „Wenn ich die Nummer von der Finanz hätte, würde ich die anzeigen“, weil die Automaten „sicher manipuliert“ seien, da war Schluss mit lustig. Um Mitternacht machte sich der Angeklagte mit Bruder und Lebensgefährtin auf den Weg in dieses Cafe.

Bozo wurde von einem Gast vorgewarnt, sie kämen jetzt mit Messer („Aber das große, nicht das kleine“) und Elektroschocker, und er verdrückte sich. „Des is lächerlich“, sagt der Angeklagte. „Fir diese Leite brauch ma nix. (Deutet auf seinen Oberarm.) Brauch ma nix Krieg machen.“ Er ist 1,90 groß, verrät er Richter Andreas Lenz, bei 126 Kilo (Minimum).

Aber wenn, habe ich auch gemeine Seite

Der Angeklagte

Die Schilderungen differieren wortreich und mehrsprachig: „Wo is diese Bozo? Wir suchen ihn, um ihn zu töten!“, haben die Gäste deutlich gehört. „Is lächerlich“, sagt der Angeklagte. „Ah, Sie wollten also nur ganz lieb mit ihm reden?“, fragt Staatsanwalt Arnulf Rumpold. „Ja. Aber wenn, habe ich auch gemeine Seite.“ Gut zu wissen.

Flaschen und Gläser seien vom Tisch von vier Kartenspielern geflogen. „Des is eine Lüge!“ Unabsichtlich sei ein Glas umgefallen. Man habe sich mit einer Runde entschuldigt.

Es muss vertagt werden. Das nächste Mal werden die Kartenspieler aussagen: Marinko, der Dalmatiner, Parketa (der Parkettleger) und der Schlosser (nicht ident mit dem Angeklagten). Außerdem der Wirt des Cafes, der diesmal fernblieb und ausrichten ließ, das alles interessiere ihn nicht. „Er kommt“, weiß der Richter, „allein oder mit der Polizei.“

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