Prozess in Graz54-Jährige wegen gefälschter Luxustaschen vor Gericht

Chanel, Louis Vuitton und Gucci: 48 gebrauchte Luxustaschen verkaufte die Angeklagte. Leider waren sie gefälscht. Nun stand die 54-Jährige in Graz vor dem Richter.

Chanel
Ein Original von Chanel am Laufsteg von Paris © APA/EPA/ETIENNE LAURENT
 

Taschen. Die Dame von Welt besaß davon „so 53 bis 54“, schätzt sie. Die meisten von Chanel, aber auch die Namen Louis Vuitton und Gucci fallen. Heute sitzt sie auf der Anklagebank und hat ein preiswerteres Täschchen bei sich.

Nun ist der Besitz so vieler Taschen ja nicht strafbar. Sie lassen sich auch in eigens von der Herstellerfirma maßgefertigten Säckchen gut in einem größeren Schrank aneinanderreihen. Strafbar ist aber, sie samt Echtheitszertifikat für Preise von ein paar Hundert bis ein paar Tausend Euro an eine Freundin zu verkaufen – wenn sich dann herausstellt, dass sie gar nicht echt sind.

Schwerer gewerbsmäßiger Betrug ist das laut Anklagebehörde, die einen schwunghaften Handel mit Produktfälschungen vermutet. Aber die Angeklagte (54), Österreicherin mit Geburtsort Teheran, fühlt sich nicht schuldig. Sie habe die Taschen von ihrem persischen Onkel und einer guten Bekannten geschenkt bekommen.

Beide kann man leider nicht mehr fragen, sie sind verstorben. „Ich bin davon ausgegangen, dass die Taschen echt sind.“ Problem: Sie hat gegenüber ihrer nunmehr wohl Ex-Freundin anerkannt, dass die Taschen gefälscht sind. Aber, wie ihr Verteidiger anmerkt: „Sie wurde mit List und Drohung verleitet zu unterschreiben.“

Jedenfalls hat sie damals 48 verkaufte Taschen „nach bestem Wissen und Gewissen“ samt Verkaufsdatum und Preis aufgelistet. Unterm Strich steht: 34.000 (!) Euro. Und sie kann Richter Andreas Lenz noch immer auswendig sagen, welche Tasche sie um 950 Euro und welche um 1200 verkauft hat.

Beim nächsten Termin werden Zeuginnen erscheinen. Und zwei Experten werden anhand von 15 Kriterien erläutern, warum diese Taschen falsch sind. Zu diesem Zweck werden die 48 konfiszierten Handtaschen ein letztes Mal im Gericht Tageslicht sehen. Die Nobelmarken haben bereits einen Vernichtungsantrag gestellt.

Zwischen 22 Uhr und 8 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.