'Von Fall zu Fall'Ladendiebin biss Verkäuferin in die Hand

Wein, Parfüm, Fleisch und einen Adventkranz hatte eine Ladendiebin mitgehen lassen. Als sie erwischt wurde, biss sie eine Verkäuferin - für das Gesetz räuberischer Diebstahl. Jetzt will sie ihr Leben voll in den Griff kriegen.

© Jürgen Fuchs
 

"Ich mach nur a Teilgeständnis“, verkündet die Angeklagte geschäftsmäßig. Sie kennt sich aus oder, wie Richter Helmut Wlasak sagt: „Strafrechtlich gefällt es Ihnen bei uns gut, oder?“ Die 35-Jährige hat Schulden, zehn Exekutionen laufen und, wie es heißt, „zahlreiche Vorverurteilungen“.

Im November marschierte sie mit einer Handtasche voll gestohlener Waren aus einem Geschäft - Wein, Parfüm, Fleisch - und ließ im Vorbeigehen noch einen Adventkranz mitgehen. Vom Filialleiter und einer Verkäuferin gestellt, biss sie der Letzteren in die Hand. Das ist räuberischer Diebstahl: sechs Monate bis fünf Jahre.

„Ich kann mich nicht erinnern“, sagt sie. Sie hatte mit ihrem Ex schon zwei Tage lang durchgesoffen. Auch an die Einvernahme zwei Tage später habe sie keine Erinnerung. „Sicher war ich da auch bsoffen“, sagt sie fast schnippisch und lässt dann doch tief in ihre verletzte Seele blicken: Als junges Mädchen schwanger, Heirat, Schläge, Vergewaltigung, Drohungen, Scheidung und von vorne: Heirat, Schläge ... „Ich hab nie was anderes gekannt.“

„Ich krieg mein Leben jetzt voll in den Griff“, ist sie überzeugt. Sie macht eine Psychotherapie, will weg vom Alkohol und sich um ihre Kinder kümmern. Vor dem Prozess hat sie „nur“ zwei Achterln getrunken.

Die Aussagen der Zeugen quittiert sie mit: „Ich schäme mich.“ Den Schaden von 52,76 Euro zahlt sie und kurz vor knapp sagt sie: „Ich gestehe.“ Vorbehaltlos. 15 Monate als Zusatzstrafe zu drei Monaten, die sie noch absitzen muss, kommen trotzdem auf sie zu. Dazu sechs Monate, die bisher bedingt nachgesehen waren.

"Wenn der Alkohol nicht wäre, hätten wir 70 Prozent weniger zu tun“, sinniert Richter Wlasak. Sie will jetzt erst einmal drei Tage nachdenken, ob sie das Urteil annimmt.

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