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Leoben, ObersteiermarkEr spendet Zeit für Menschen in akuter Notlage

Michael Leichtenmüller aus Leoben bestreitet in der Caritas-Notschlafstelle in Leoben-Lerchenfeld, deren Einzugsgebiet die ganze Obersteiermark ist, als ehrenamtlicher Helfer Nachtdienste.

Michael Leichtenmüller, Christine Hebenstreit und Elisabeth Pirker (von links) © Andreas Schöberl-Negishi
 

"Als Durchschnittsösterreicher haben wir in der Regel ein sehr, sehr schönes Leben. Ich sehe es also als meine Pflicht, der Gesellschaft als Dankeschön etwas zurückzugeben", erklärt Michael Leichtenmüller aus Leoben. Der 42-Jährige ist Betriebswirt bei der Voestalpine Donawitz. Seit der Eröffnung des Hauses Franziskus, der Notschlafstelle der Caritas in Räumen der Pfarre Leoben-Lerchenfeld, im Februar dieses Jahres bestreitet Leichtenmüller ehrenamtlich Nachtdienste.

„Als ich als Anrainer erfahren habe, dass in Lerchenfeld eine Notschlafstelle der Caritas eingerichtet werden soll, war mir von Anfang an absolut klar, dass ich mich einbringen möchte.“ Er sei dankbar, in einer Familie und einem Land mit stabilen Verhältnissen aufgewachsen zu sein: „Ich wollte Menschen helfen, die das Allernotwendigste brauchen – wie ein Dach über dem Kopf, etwas zu essen und das Gefühl von Geborgenheit“, so Leichtenmüller. Daher habe er sich dafür entschieden, Zeit statt Geld oder Sachleistungen zu spenden. „Das ist das Wertvollste und Kostbarste“, ist auch Elisabeth Pirker von der Caritas überzeugt, die als Leiterin des Hauses Franziskus arbeitet.

Bunt gemischtes Team

Vier Hauptamtliche sind derzeit in der Notschlafstelle beschäftigt: „Zwei Männer, zwei Frauen. Es ist ein bunt gemischtes, super Team. Jeder bringt seinen ganz eigenen Blickwinkel ein“, erzählen Pirker und Leichtenmüller. Er ist bisher der einzige ehrenamtliche Mitarbeiter, der Nachtdienste macht. „Wir würden auf jeden Fall mehr benötigen. Eigentlich wollte ich zuerst zwei Mal im Monat arbeiten, aber es ist jetzt oft ein Mal pro Woche, dass ich Nachtdienste mache“, sagt Leichtenmüller.

Seinen Dienst tritt er um 19 Uhr an: „Dann dauert es bis 22 Uhr, bis alle versorgt sind. Um 6 Uhr in der Früh heißt es wieder Tagwache, und um 8 Uhr wird die Notschlafstelle für tagsüber geschlossen“, so Leichtenmüller. Er selbst tritt danach praktisch nahtlos seinen Dienst in seinem Brotjob an. Kein leichtes Brot, aber: „In der Nacht ist es häufig sehr ruhig, und ich komme gut zum Schlafen.“ Pirker hat indes als Chefin während der Nachtstunden Rufbereitschaft: „Falls etwas anliegt, wo meine Hilfe benötigt wird. Bisher war das nie der Fall“, sagt Pirker.

Zugang finden

Jedenfalls habe er für sich persönlich eine Menge Dinge gelernt, so Leichtenmüller: „Es ist nicht einfach, Zugang zu den Gästen zu finden. Man verbringt viel Zeit mit den Leuten, aber viele können Nähe und soziale Kontakte nicht oder nur schwer zulassen.“ Was bei den schwierigen Lebensumständen wenig verwunderlich sei. „Der eine macht auf, erzählt seine Geschichte. Der andere redet nicht – kommt, schläft hier, isst etwas und geht wieder.“ Er habe gelernt, die Menschen so zu lassen, wie sie sind, meint Leichtenmüller. Was faszinierend sei, sei die Solidarität, die zwischen den Gästen teilweise entstehe.

Ehrenamtliche gesucht

Sieben bis acht von 15 Betten seien immer belegt. Der März war der erste, ganze Monat, in dem man offen hatte: „Da waren es 100 Übernachtungen. Im April waren es mehr. Und dabei haben wir Frühling und Sommer. Im Winter werden es sicher mehr“, bemerkt Pirker, die an zwei Tagen in der Woche Sozialberatung für die Gäste und jeden, der vorbeikommt, anbietet. Eng arbeitet sie mit Behörden und auch dem Verein Wendepunkt zusammen, der eine Tagesstätte in Leoben betreibt. „Die ist am Wochenende zu. Wir wollen deshalb das Haus Franziskus an den Wochenenden künftig auch tagsüber geöffnet halten. Aber dafür benötigen wir sicher 20 ehrenamtliche Mitarbeiter“, so Pirker.

INFOSPLITTER

Die Caritas sucht für die Betreuung ihrer Notschlafstelle in der Pfarre Lerchenfeld ehrenamtliche Mitarbeiter.

Es geht auch um die Besetzung von Nachtdiensten.

Interessenten können sich via E-mail an

e.pirker@caritas-steiermark.at oder Tel. 0676-880 15 455 melden.

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