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"Cold Case"-Management

Kein Mörder darf sich sicher fühlen

Im Zuge des Cold-Case-Managements werden alte Mord- und Vermisstenfälle neu aufgerollt. Auch in der Steiermark gibt es eine Reihe ungeklärter Verbrechen.

© Sabine Hoffmann
 

Seit Monaten ermittelt die Cold-Case-Gruppe des Bundeskriminalamtes in der Steiermark (wir berichteten). Chefinspektor Kurt Linzer und sein Team versuchen, den Giftmord am Grazer Tanzlehrer Heinz Kern nach 42 Jahren doch noch aufzuklären. Der zweite Fall handelt vom mysteriösen Verschwinden des Wirtes Hubert Schmied (43) aus Au bei Aflenz. Vieles spricht dafür, dass er ermordet wurde. Doch in den Archiven der Polizei liegen noch viele andere Akten ungeklärter Tötungsdelikte. Nicht alle können neu aufgerollt werden.

Geschäftsmann in die Luft gesprengt

KINDBERG. Ein ohrenbetäubender Knall schreckte die Kindberger Gendarmen am Vormittag des 30. Oktober 2000 auf. Nur 30 Meter vom Gendarmerieposten entfernt zerriss eine Autobombe einen schwarzen Citroën ZX. Adolf Fuchs starb in den Trümmern, in unmittelbarer Nähe seines Spielzeuggeschäftes. Dieser Mord ist ungeklärt, ein Verdächtiger längst frei. Er wurde nur an der Nebenfront wegen Nötigung, Erpressung und Betruges verurteilt. Das Opfer hatte Geschäftsverbindungen in die Slowakei. Darin vermuten die Ermittler das Mordmotiv.

Erdrosselt, erstochen, verschwunden

GRAZ. Wer tötete die Grazer Prostituierten Gertrude Seger, Gerlinde Rosenkranz und Hannelore Kundigraber? Alle starben in ihrer Wohnung. Seger wurde im Jänner 1989 erdrosselt, Rosenkranz zwei Monate später erstochen. 13 Mal stach im Mai 1994 ein unbekannter Täter auf Kundigraber ein. Seit 1987 wird die Prostituierte Ingrid Tschreschnig vermisst, seit 1988 ihre Kollegin Sylvia Kohlhauser. Bei beiden besteht Mordverdacht.

Arsen im Leberknödel tötete Bäuerin

MARIAHOF. Alles sah nach einer Lebensmittelvergiftung aus. Doch Tage später entpuppte sich der Fall als Giftmord. Der Neumarkter Amtsarzt war es, der Verdacht schöpfte. Die Bäuerin Maria Heitzer war im September 1961 durch Arsen gestorben. Ihre beiden Söhne überlebten den Anschlag. Alle drei hatten Leberknödel gegessen, die vergiftet waren. Einen vergifteten Knödel konnten Gendarmen als Beweismittel sicherstellen. Warum musste die Frau sterben? Darüber rätselt man noch heute.

Mit einer Zaunlatte erschlagen

WEISSENBACH. Die Kriminalisten sind überzeugt, dass der Mord an Agnes Steinbichler aus Weißenbach bei Liezen irgendwann geklärt werden kann. Möglicherweise wird er sogar als Cold-Case-Fall neu aufgerollt. Der Mörder wird im engeren Umkreis des Opfers vermutet. Die 86-Jährige wurde vor ihrem Haus erschlagen und in einem Nebengebäude zwischen Fässern halb nackt abgelegt. Offensichtlich sollte ein Sexualmord vorgetäuscht werden. Möglicherweise gibt es zwei Täter.

Drei Morde mit derselben Pistole

LEOBEN. Nur noch ein Mal wollte der in England lebende Ungar Janos Hojas mit dem Sattelschlepper in den Iran fahren. "Danach höre ich als Fernfahrer auf", versprach er seiner Familie. Doch er wurde im Oktober 1978 in St. Michael/Leoben auf einem Parkplatz erschossen. Die tödlichen Schüsse wurden mit einer Pistole abgefeuert, mit der zuvor zwei österreichische Fernfahrer getötet worden waren. Johann Hois aus Leibnitz war das erste Opfer eines brutalen Serienkillers. Er wurde im November 1977 auf der Stadtautobahn in Belgrad erschossen. Franz Wohlschläger aus Linz starb im März 1978 bei Marburg. Janos Hojas war das letzte Opfer der Raubmordserie.

Hinrichtung neben der Autobahn

SINABELKIRCHEN. War es ein Mafia-Mord, ein Verbrechen aus Habgier oder wurde Gianmaria Vitali von einem Nebenbuhler getötet? Die Leiche des Italieners wurde im Juli 2001 auf einem Feldweg neben der Südautobahn in Sinabelkirchen gefunden. Das Opfer wurde mit einem Messer durch zwei Stiche in den Rücken betäubt und dann erschossen. Vitali hatte seine Freundin in der Slowakei besucht und war auf der Heimreise.

Weitere ungeklärte Fälle

Erschossen. Die Leiche des Maurers Gottfried Knapp aus Pößnitz wurde im August 1961 auf der Juritsch-Wiese in Glanz von einem Landarbeiter gefunden. Täter konnte keiner ausgeforscht werden. Jahre später tauchten neue Hinweise auf, die aber zu keinem Ergebnis führten. Auch das Tatmotiv ist unbekannt.

Erdrosselt. Die Bruckerin Hannelore Gruber kam im Oktober 1961 von einem Kinobesuch nicht mehr nach Hause. Ihre Leiche wurde am nächsten Tag gefunden. Die Tote hing an der Garage des damaligen Bürgermeisters Hahn, ihre Wäsche war im Garten verstreut.

Erschlagen. Weil die Hühner Hunger hatten, hielt ein Nachbar Nachschau - und fand im September 1962 die Leiche von Johann Auer. Der Raubmord geschah im Bauernhaus des Opfers in Greisdorf bei St. Stefan/Stainz.

Kehle durchtrennt. Blutverschmiert schleppte sich in einer nebeligen Septembernacht des Jahres 1974 der Bosnier Sulejman Nuhanovic zu einem Bauernhaus in Vogau. Dort verblutete er. Es dürfte sich um einen Agentenmord gehandelt haben.

Ertrunken. Die Leiche des Schülers Stefan Wabnegg wurde im April 1975 bei einer Suchaktion im sogenannten Wildbach bei Deutschlandsberg gefunden. Laut Obduktion ist er ertrunken. Die Hintergründe sind bis heute ungeklärt.

Erschossen. Anton Kirchsteiger lebte in Staudach bei Hartberg in einer alten Mühle. Wenn er die umliegenden Gasthäuser besuchte, prahlte er immer wieder mit Bündeln von Tausend-Schilling-Noten. Das wurde ihm zum Verhängnis. Im November 1976 wurde er erschossen - als er vom Bach Wasser holen wollte.

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