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Eilig zur HochzeitsnachtSteirer brach Schranken trotz Lawinensperre auf

Ein 47-jähriger gebürtiger Steirer wollte während des Schneechaos' im vorigen Jänner in Salzburg die Hochzeitsnacht mit seiner Frau im Lungau verbringen und brach deshalb zwei Schranken auf. Er wurde zu Haftstrafe verurteilt.

Sujetbild © APA/FRANZ NEUMAYR
 

In Salzburg musste sich am Donnerstag ein Autofahrer vor Gericht verantworten, der während des Schneechaos im Jänner zwei Schranken der wegen Lawinengefahr gesperrten Katschbergstraße (B99) aufgebrochen hatte. Der Mann wollte damals die Hochzeitsnacht mit seiner Frau im Lungau verbringen. Ein Urteil dürfte heute nicht fallen: Der 47-Jährige ist noch wegen zahlreicher anderer Delikte angeklagt.

Der Holzarbeiter hatte an jenem 12. Jänner geheiratet und für den Abend ein Hotel in Mauterndorf gebucht. Wegen der heftigen Schneefälle in den Tagen zuvor sperrten die Behörden ab dem späten Nachmittag aber wieder die Straße zwischen den Orten Obertauern und Tweng. Der Angeklagte wollte aber keinen langen Umweg in Kauf nehmen - und griff kurzerhand zu einem im Wagen mitgeführten Hammer. Er zerschlug das Schloss der Schrankenanlage, hob den Balken, fuhr durch und senkte den Balken wieder. Das gleiche Prozedere wiederholte er wenige Kilometer später am Ende der Sperre.

Kein Theater am Hochzeitstag

"Mir war schon klar, dass die Straße gesperrt war", räumte er heute gegenüber Richterin Daniela Meniuk-Prossinger ein. "Ich dachte aber, da fahre ich sicher nicht wieder zurück." Er habe Panik bekommen, weil "es hat geweht und geschneit wie Sau". In Tweng wurde er schließlich von der Polizei angehalten - und redete sich heraus. "Ich habe gesagt, vor mir ist schon ein anderes Auto durchgefahren und ich bin halt hinten nach. Am Hochzeitstag wollte ich kein Theater." Alkohol hatte der Mann damals nicht im Blut.

Die Anklage wegen schwerer Sachbeschädigung hielt der Verfahrenshelfer des 47-Jährigen heute für weit hergeholt. "Die Staatsanwaltschaft wertet den Schranken als Bestandteil der kritischen Infrastruktur. Da schießt man mit Kanonen auf Spatzen." Die zwei zerstörten Schlösser hätten vielleicht einen Wert von 60 Euro gehabt. "Der Schranken war nicht unbrauchbar und wurde auch nicht beschädigt." Allerdings wies die Richterin darauf hin, dass auf dem Balken später Sägespuren festgestellt wurden. "Wie von einer Akku-Flex." Der Angeklagte schloss aber vehement aus, mit einem anderen Werkzeug als mit einem Hammer hantiert zu haben.

Der Vorwurf der schweren Sachbeschädigung ist übrigens nur ein Problem des Mannes. Der gebürtige Steirer ist zwölffach vorbestraft und sitzt seit Ende Jänner in U-Haft. Er soll laut Anklage etwa auch einen Bagger und einen Pick-Up-Truck angemietet bzw. geleast haben, ohne die Raten dafür zu bezahlen. Außerdem soll er versucht haben, Gegenstände aus dem Haus eines Verstorbenen zu verkaufen. Zudem wird ihm neben einer Reihe von Drohungen auch zur Last gelegt, seine Frau verletzt zu haben, als er sie vor der Hochzeit einmal aus dem Auto gezerrt hat. Die Ehe ist übrigens mittlerweile wieder geschieden worden.

Laut einem psychiatrischen Gutachten ist der Angeklagte zurechnungsfähig, er leidet aber an einer schweren bipolaren Störung.

Urteil fiel am Abend

Das Gericht verurteilte ihn am frühen Abend zu 16 Monaten Haft unbedingt. Für einen Teil der ihm zur Last gelegten Vorwürfe wurde er schuldig gesprochen, von einigen Anklagepunkten freigesprochen. Der Holzarbeiter nahm das Urteil an. Da aber der Staatsanwalt keine Erklärung abgab, ist der Spruch noch nicht rechtskräftig.

 

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