ZweifelSuizid-Fall wird neu aufgerollt

Jahre nach dem Tod eines Oststeirers nimmt die Staatsanwaltschaft Graz die Ermittlungen wieder auf. Ein Schusssachverständiger wird beigezogen, um zu klären, ob sich der Mann überhaupt selbst hätte töten können. Tatwaffe war die Pistole jenes oststeirischen Arztes, der in erster Instanz freigesprochen wurde, seine Kinder gequält zu haben.

Die Justiz öffnet den Akt Suizid-Fall noch einmal © Eder
 

Dreieinhalb Jahre ist es her, dass Alois H. in seinem Haus (63) tot aufgefunden wurde. Auf dem Akt steht „Selbstmord“. Doch daran hat nicht nur die Tochter, sondern auch ein gerichtsmedizinischer Gutachter Zweifel. Jetzt wird der Fall neu aufgerollt, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Graz, Hansjörg Bacher, der Kleinen Zeitung bestätigt.

Der Fall spielt im Umfeld jenes oststeirischen Arztes, der angeklagt war, seine vier Kinder psychisch und psychisch misshandelt zu haben. Der Arzt wurde freigesprochen, das Berufungsverfahren läuft noch.

Unabhängig davon, öffnet die Staatsanwaltschaft Graz noch ein Mal den Akt Alois H., der sich mit einer Pistole des Arztes erschossen haben soll. H. starb in der Nacht zum 25. September 2014. Seine Frau, die ihren eigenen Angaben zur Folge, mit ihrem Liebhaber im Nebenzimmer geschlafen hat, als der tödliche Schuss fiel, fand die Leiche später im Wohnzimmer. Alles schien klar zu sein: Selbstmord: Erst als Monja H., die Tochter des Toten, einen Selbstmord infrage stellte, wurde eine Obduktion angeordnet. Sie ergab: Alois H. starb durch einen angesetzten Kopfschuss.

Aber wie soll sich der 63-jährige, an beiden Händen schwerbehinderte Oststeirer, in die rechte Schläfe geschossen haben? Und: Wenn er selbst abgedrückt hat, warum hatte er keine Schmauchspuren an den Händen? Entgegen einem Kriminaltechnicker des Landeskriminalamtes stellten die Experten im Bundeskriminalamt schon damals fest: „Es konnten keine Anhaltspunkte gefunden werden, dass Alois H. mit der Schusswaffe hantiert oder sie abgefeuert hat.“

Privatgutachter schließt Suizid aus

Nachdem jetzt auch der ehemalige Wiener Gerichtsmediziner Johann Missliwetz in seinem Privatgutachten einen Selbstmord mit „ziemlicher Sicherheit“ ausschließt, steigt die Staatsanwaltschaft in den Fall neu ein. „Wir haben beschlossen, einen Sachverständigen für Schusswesen beizuziehen“, so Hansjörg Bacher.

Übrigens: Dass die Waffe besagten Arzt gehört hat, erfuhren die Ermittler des Landeskriminalamtes Monate nach dem Tod von Alois H. durch Zufall. Wie die Pistole in dessen Haus gelangt war, ist völlig unklar.

Und noch etwas: Die Witwe des Toten muss sich am 25. April wegen falscher Beweisaussage und Begünstigung vor Gericht verantworten. Sie soll im Verfahren gegen den Arzt falsch ausgesagt haben.

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