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Ökologisches Gleichgewicht

Zustand der Flüsse bereitet Land Sorgen

Fast zwei Drittel der steirischen Flüsse sind aus dem ökologischen Gleichgewicht geraten. Eine aktuelle Erhebung zeigt: In den letzten Jahren hat sich die Lage sogar noch verschärft.

Die steirischen Flüsse entsprechen zu einem Gutteil ganz und gar nicht dem Idealbild intakter Lebens- und Naturräume © Jürgen Fuchs
 

Grafik Foto © Kleine Zeitung

Mäßig bis unbefriedigend – das dürften nicht die Attribute sein, die dem Durchschnittssteirer einfallen, wenn es um den Zustand der heimischen Flüsse geht. Doch Tatsache ist: Im weiß-grünen Wasserland hängt entlang der Fließgewässer der ökologische Haussegen schief. Die Flüsse entsprechen zu einem Gutteil ganz und gar nicht dem Idealbild intakter Lebens- und Naturräume. Vom europaweiten Ziel, die Gewässer flächendeckend in einen guten Zustand zu bringen, ist die Steiermark weit entfernt.

Hintergrund

Die Wasserrahmenrichtlinie der EU soll die europäischen Gewässer mit einheitlichen Standards schützen. Dafür werden alle Flüsse in fünf Kategorien von „sehr gut“ bis „schlecht“ eingeteilt.
Bis 2021, mit Ausnahmen bis 2027, sollen alle Flüsse mindestens die ökologische Zustandsklasse „gut“ erreichen.


Gelingt dem Land keine radikale Wende, droht Ungemach aus Brüssel. Bis 2021, in Ausnahmen spätestens bis 2027, muss das Fließgewässernetz auf ökologisch gutem Niveau liegen. Die entsprechende Wasserrahmenrichtlinie hat Österreich vor zwölf Jahren ratifiziert. Bereits 2009 förderte eine erste Erhebung zutage, dass die steirischen Flüsse den Anforderungen nicht gerecht werden. Verantwortlich dafür ist weniger die chemische Belastung des Wassers. Mit Ausnahme der Ost- und Südoststeiermark, wo der Nährstoffeintrag durch intensive Landwirtschaft und Kläranlagen die Wassergüte trübt, lässt die Qualität des Fließwassers im Rest des Landes wenig zu wünschen übrig.


Das Problem ist der strukturelle Zustand der Flüsse. Begradigungen aus früherer Zeit und Querbauwerke wie Rückhaltebecken und Wasserkraftanlagen haben den Flussläufen so stark zugesetzt, dass sie als Lebensräume für Tiere und Pflanzen zunehmend versagen. Artenverluste sind die Folge.


Nach einer neuerlichen, detaillierteren Erhebung mussten nun einige Flüsse sogar noch weiter nach unten gestuft werden. „Mancherorts haben wir extreme Rückgänge bei den Fischpopulationen festgestellt. Das hat uns selbst überrascht“, sagt Johann Wiedner, Leiter der Wasserwirtschaftsabteilung des Landes. So musste die oststeirische Lafnitz, obwohl sie als noch naturnaher Fluss gilt, auf die unterste Zustandsklasse „schlecht“ zurückgesetzt werden. Dasselbe gilt für Abschnitte der Enns.

Ohne zusätzliche Maßnahmen wird es schwierig, die Ziele der EU bei den Flüssen zu erreichen.  

Johann Wiedner, Land Steiermark


Das Fazit der neuen Erhebung: 63 Prozent der steirischen Flüsse sind in mäßigem, unbefriedigendem oder schlechtem Zustand. Nur zwölf Prozent fallen in die Top-Kategorie „sehr gut“. „In einigen Fällen wurde eine Verschlechterung auch bewusst akzeptiert, wie bei den Kraftwerken an der Mur“, sagt Wiedner.


Schwieriger Weg


Seit 2009 arbeitet das Land daran, die bestehenden Wasserkraftwerke und Hochwasserschutzanlagen fischpassierbar zu machen. „Da hat es bereits große Verbesserungen gegeben, die wohl erst bei der nächsten Erhebung zum Tragen kommen“, sagt Wiedner. Doch auch zusätzliche Maßnahmen seien nötig, um in Brüssel nicht durchzufallen. So will sich das Land daranmachen, systematisch Flussläufe wieder zu renaturieren. Eine Aufgabe, die aber freilich aufwendiger und komplexer ist als die meisten bisher getroffenen Maßnahmen.

Wasserkraft

100 Anlagen in fünf Jahren

GRAZ. Nie zuvor wurden in der Steiermark in einem so kurzen Zeitraum so viele Wasserkraftwerke genehmigt und gebaut wie in den vergangenen zehn Jahren. Der Grund liegt in der politischen Ambition, den Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch zu steigern und – damit zusammenhängend – in den lukrativen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Wasserkraftwerke. Letzteres hat sich in den vergangenen beiden Jahren allerdings zuungunsten der Kraftwerksbetreiber geändert.
Allein in den fünf Jahren von 2009 bis 2013 sind in der Steiermark fast 100 Wasserkraftanlagen – die allermeisten davon Klein- und Kleinstkraftwerke – behördlich genehmigt worden, wie aus einer Landtagsanfrage der Grünen aus dem Vorjahr hervorgeht. Die meisten der Kraftwerke, nämlich 27, befinden sich im Bezirk Murtal, gefolgt von den Bezirken Liezen (23) und Leoben (12). Abgelehnt wurde von der Genehmigungsbehörde erster Instanz im selben Zeitraum kein einziges Wasserkraftprojekt.
Die größeren ökologischen Sorgen bereiten allerdings weniger die neuen Kraftwerke, die nur unter exakten Auflagen gebaut werden dürfen, sondern der Altbestand aus vergangenen Jahrzehnten, als man es mit Restwassermengen und Fischpassierbarkeiten noch nicht so genau genommen hat.

Kommentare (20)

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4bp3m9fc398d9efru699yx2k9ba4y275
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Ohnmacht, Hilflosigkeit

... das is eher das Problem bei den ganzen Genehmigungsverfahren. Hier stehen zwei große Interessen einander diametral gegenüber und das ist die Herausforderung. Zum einen die Kraftwerksbetreiber, die ihr Vorhaben unbedingt in die Praxis umsetzen wollen, um Geld damit zu machen und zum anderen die "Verhinderer", die "Umweltschützer", denen die Fluß- oder Bachläufe ein Anliegen sind, und die sich regelrecht ungehört in ihren "Forderungen" oder Wünschen vorkommen, weil sie keine so große Lobby hinter sich haben wie die Kraftwerksbauer.
Dass nur mehr 30kg Fisch anstelle von 1000kg pro Flußkilometer in den steirischen Gewässern existieren, hängt NUR mit den vielen Kraftwerken zusammen! Allein 100 Anlagen, die neu in den letzten 5 Jahren gebaut wurden, zeigen, dass sowohl dem Land als auch den Gemeinden oder anderen Entscheidungsträgern der Zustand der Fließgewässer egal ist, solange er nur Geld abwirft und gewinnbringend vermarktbar ist...
Traurig, hilflos und ohnmächtig fühlt man sich da.

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FeldP
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Regelmäßige Ausnahmegenehmigungen im Kraftwerksbau

Investoren bauen mit unseren Steuergeldern subventionierte Wasserkraftwerke in jedes noch so magere Bächlein. Die freundlichen steirischen Behörden sind all zu oft mit dem 104a Ausnahme Paragraphen (übergeordnetes öffentliches Interesse) oder ähnlichen Hilfen zur Stelle, um nahezu jedes Projekt am Verschlechterungsverbot der EU "vorbeizubringen"... Und wer wird die EU Strafen zahlen? Die Kraftwerksbauer? Die Politiker? Die Behörden? Oder wir Deppen, die wir mit unseren Steuergeldern auch die Verschlechterungen an unseren Flüssen mitbezahlt haben?

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NIWO
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Sag ich doch schon lange,

Wer einmal gesehen hat welche Mengen die Bauern da aus ihren Güllefässern auf die Wiesen pumpen der wundert sich nicht mehr.

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Oberwoelzer
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Ich habe nichts gegen Kleinkraftwerke ,nur müssten zuminderst die Durchflussmenge in den bestehenden Bachbetten im bereich der Rohrleitungen kontrolliert werden,denn in Wasserarmen Zeiten trocknen die bestehenden Bachbetten fast aus.!!!!!!!!!

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Wasserkraft ist für die EU Atomlobby

das Allerschlimmste! Aber auch für die globalisierte Wirtschaft ist unsere Wasserkraft ein Stachel im internationalen Warenverkehr. Wasserkraftbetreiber kaufen keine Hackschnitzel, keine Kohlen, kein Erdöl oder Erdgas und schon gar kein angereichertes Uranerz. Die Wasserkraft ist daher seitens der globalisierten EU möglichst zu verbieten und sind daher unsere Flüsse im Gegensatz zum Rhein oder Seine in einen katastrophalen Zustand zu reden und die Grünen halten brav mit.

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jahcity
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Du ernährst

dich auch nicht nur von Wienerschnitzel alleine. In Ö gibt es über 4000 WKW und keine gesunden Flüsse mehr. Es werden reihenweise Kraftwerke abgeschaltet od abgewerte (MellachII, Reißeck II, Kalsdorf u Gössendorf....) Wo sind deine Gutachten od Beweise für solch haarsträubend Behauptungen? Willst 100 % zerstörte Flüsse?

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neuberger
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die Städte saugen das Land aus....

der oberlauf der Mürz und seine zubringer (zb. der Karlgrabenbach ) sind die meiste zeit nur kleine Rinnsale weil das ganze Wasser nach Wien abgezogen wird. Aber davon spricht niemand !!!

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furki
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Bis jetzt nhat es immer geheissen, unsere Gewässer sind so sauber

Auch die Mur hätte sich gebessert.Jetzt auf einmal soll alles anders sein!Alles und immer nur Falschnachrichten, die Leute werden an der Nase herumgeführt.

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MrMystery
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Ich empfehle den Herrschaften

sich mit Viktor Schaubergers Erkenntnissen auseinander zu setzen! War ein schlauer Mann!

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MrMystery
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ups sorry f. doppelpost

sorry dachte es funkt nicht!

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MrMystery
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Ich möchte den verantwortlichen

Damen und Herren das Buch von Viktor Schauberger ans Herz legen! Darin findet man gute Ansätze wie man die Flüsse wieder ins Ökologische Gleichgewicht bringen kann! Viktor Schauberger warvseiner Zeit um Hundert Jahre vorraus! sagt man.

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office1
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KW Grünsee Au bei Turnau bzw. Aflenz-Land

Dieses Kw hat den Seebach zerstört, den Wasserfall beeinträchtigt, die Fischaufstiegshilfe ist lächerlich, denn der Bach ist beeinträchtigt, der Seitinger grinst noch immer, Wasserkraft ist längst out - andere alternative Energiequellen viel billiger - wir werden alle dafür büßen und die Politiker kommen immer erst drauf, wenn es zu spät ist, Herr Voves!

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gd5cvwvqdmrh4zepyy6a234nyzopstv7
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Billiger!

Können sie mir sagen welche Alternative billiger ist.Keine dieser Alternativen kommt ohne hohe Subventionen aus.

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gd5cvwvqdmrh4zepyy6a234nyzopstv7
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Wasserkraft out!

Norwegen produziert 99% des Strom aus Wasserkraft und exportiert das Erdöl.

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pac1dl69u1tuwfzbniiz9mkrms73ksdc
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Johann Wiedner, Land Steiermark

Konten prüfen, Geldflüsse nachvollziehen?

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pac1dl69u1tuwfzbniiz9mkrms73ksdc
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Zustand der Flüsse bereitet Land Sorgen:

Den Bauern die Selbstveraltung der Gülleverordnung wieder aus der Hand nehmen; In Grund- und Oberflächenwasser "Düngereintrag" verhindern und alles wird wieder gut.

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jahcity
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Jaja

Und dieser Seitinger grinst immer noch vom Blattl.... Es muss eine Bewustseinsoffensive gestartet werden Österreich hat weltweit die am meist zerstörten Flüsse. In Kalsdorf u Gössendorf hat man einen der allerletzten Auwälder zerstört mit Jubelrufen und Händeklatschen von Seitinger und Voves (Zitat: Jeder km Fluss soll für die Wasserkraft genutzt werden) In Anger z. b werden gerade unglaublich schöne Flusskilometer durch ein WKW zerstört. Die Politik hat diese Zerstörung befohlen l- "im öffentlichen Interesse" und sollte zur Verantwortung
gezogen werden.....

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neuberger
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wo bleibt die ganze Wahrheit ?

Zwei wesentliche Gründe werden leider verschwiegen
1. Die Städte Wien und Graz saugen aus der Obersteiermark große Mengen Wasser (Trinkwasser für Klospülung ) ab.
2. Die Fischotter fressen die Flüße leer !

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pac1dl69u1tuwfzbniiz9mkrms73ksdc
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Ebensoviel Wasser wird vom Hochschwab ...

in die West-/Süd- und Oststeiermark geleitet, weil eine gierig/verkommene Bauernschaft die Grundwasservorräte versauen in die Oberflächgewässer Gülle direkt einleiten.

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jahcity
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Noch

schlimmer sind die Lügen welche in diesen Artikel vorkommen. Fischaufstiegshilfen sind die Lösung. Wo sollen Flussfische laichen? Sie können nur noch von Stauraum zu Stauraum wandern und die sind voller Schlamm. Dieser Herr Wiedner sollte vor den Staatsanwalt weil wenn wir viele Millionen für Aufstiegshilfen von unseren Steuergeldern verbraten haben wird man draufkommen, dass es noch immer nix verändert hat.

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