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Nach Brückeneinsturz

Bahnverkehr steht für mindestens zwei Wochen

Der Einsturz einer Brücke an der S 35 bei Frohnleiten am Samstagabend hat weitreichende Folgen: Der gesamte Bahnverkehr steht mindestens bis 7. März, die Schnellstraße selbst bleibt eine Woche lang gesperrt. Evakuierungen wurden aufgehoben. Staatsanwalt ermittelt. Von Monika Schachner und Günter Pilch

Der Einsturz hat am Gleiskörper schwere Schäden verursacht © Jürgen Fuchs
 

Erst bei Tageslicht am Sonntagmorgen hat sich das gesamte Ausmaß der Schäden gezeigt, die durch den Brückeneinsturz an der Brucker Schnellstraße (S 35) bei Frohnleiten am Samstagaben entstanden sind. Die 800 Tonnen schweren Brückenteile haben den Gleiskörper der unterhalb verlaufenden Eisenbahnstrecke so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass der gesamte Bahnverkehr zwischen Graz und Bruck an der Mur bis mindestens 7. März stillstehen wird. Allein heute sind Tausende Fahrgäste von der Sperre betroffen, mit Wochenbeginn kommt noch der Berufs- und Schulverkehr dazu.

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Die ÖBB haben einen eigenen Krisenstab eingerichtet, der nach Lösungen für die Situation sucht. Denn mit der Strecke Graz-Bruck ist auch der Bahnverkehr zwischen Graz und Wien beziehungsweise zwischen Graz und Salzburg sowie Graz und Villach lahmgelegt. Am Sonntagvormittag hatten die ÖBB laut Sprecher Christian Posch bereits 32 Ersatzbusse im Einsatz, am Nachmittag wird auf 40 Busse aufgestockt. Dafür sollen auch Fahrzeuge aus dem Ennstal, Burgenland und Kärnten angefordert werden. Erschwerend komme hinzu, dass parallel zum normalen Wochenendverkehr auch noch der Rückreiseverkehr aus den Semesterferien abzuwickeln sei. Allein am Sonntag gelte es, 120 Zugfahrten auf Busse umzuorganisieren. Reisende werden ersucht, Verspätungen einzuplanen. Aktuelle Infos über die Ersatzbusse bieten die ÖBB auf www.oebb.at.

Am Sonntag werden laut ÖBB rund 4000 bis 5000 Schüler von der Streckensperre betroffen sein, wochentags dann 10.000 Schüler und Pendler. Für den Nahverkehr werden die Ersatzbusse zwischen Mixnitz und Peggau/ Deutschfeistritz verkehren, der Fernverkehr wird mit Ersatzbussen zwischen Graz und Bruck beziehungsweise Leoben bedient.

Von dem Brückeneinsturz massiv in Mitleidenschaft gezogen ist der Güterverkehr der ÖBB: Die Züge müssen bis auf Weiteres über Ungarn bzw. Slowenien und die Wechselstrecke geführt werden. Davon betroffen sind vor allem auch Unternehmen, die an der Strecke liegen wie das holzverarbeitende Unternehmen Mayr-Melnhof in Frohnleiten. Das Ausmaß des wirtschaftlichen Schadens wollten die ÖBB heute noch nicht beziffern. Priorität habe derzeit das Einrichten eines Schienenersatzverkehrs.

STEIERMARK: BRUeCKENSEINSTURZ IN FROHNLEITEN
Die Eisenbahnstrecke ist komplett blockiert Foto © APA/ERWIN SCHERIAU
Arbeiter versuchen nun, die Konstruktion zu stabilisieren Foto © Jürgen Fuchs

Auch für Autofahrer gibt es in den nächsten Tagen Behinderungen. Die S 35 wird noch mindestens eine Woche lang gesperrt bleiben. Lokale Umleitungen sind eingerichtet, für den überregionalen Verkehr und Lkw gibt es Ausweichrouten über den Gleinalmtunnel.

Die Staatsanwaltschaft Graz hat indes Ermittlungen wegen fahrlässiger Gemeingefährdung aufgenommen. Diese werden laut Sprecher Arnulf Rumpold gegen "Unbekannt" geführt. Ein Sachverständiger kümmere sich jetzt vorrangig um die Beweissicherung.

Die sieben Samstagabend geräumten Wohnhäuser, die sich im direkten Gefahrenbereich der instabilen Brücke befinden, wurden Sonntag gegen 13 Uhr wieder freigegeben. Die 20 Betroffenen - die meisten von ihnen verbrachten die Nacht in einem Gasthof im Ortszentrum - konnten wieder zurückkehren.

"Momentan wird das Tragwerk gesichert und der Kran abgebaut", sagte Asfinag-Sprecher Walter Mocnik am späten Sonntagvormittag. Der Abbau soll noch am Sonntag fertig sein. "Wir hoffen, auch noch heute ein Abbruchkonzept für die Brücke erstellen zu können. Momentan sind Statiker an Ort und Stelle, um sich ein Bild zu machen."

Der exakte Grund für den Einsturz steht bis dato noch aus. Ausschlaggebend dürfte gewesen sein, dass ein sogenanntes Lehrgerüst oder ein Fundament darunter nachgegeben hatte. Bei der Brücke handelt es sich um einen Teil der insgesamt 20 Millionen Euro teuren Generalsanierung der Schnellstraße. Nur wenige Minuten bevor die im Bau befindliche Brücke am Samstag gegen 18 Uhr eingestürzt war, hatte ein Zug der ÖBB die Stelle passiert. Personen kamen bei dem Unglück nicht zu Schaden.

 

Wissen

Verantwortlich für den Unfall dürfte gewesen sein, dass ein Lehrgerüst der Brückenkonstruktion nachgegeben hat. Dabei handelt es sich um eine Hilfskonstruktion, die verwendet wird, bis der Beton genug Festigkeit hat und durch Spannstahl gehalten werden kann.

Das Gerüst wird aus Stahlstützen und -trägern gefertigt und auf ein Betonfundament gestellt. Vor Errichtung eines solchen Gerüsts müssen Statiker berechnen, wie stark es ausfallen muss, um die jeweilige Konstruktion tragen zu können.

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Danke für Ihr Verständnis.

bernd1976
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Was noch keiner gesagt hat:

Es war am Samstag ein richtiger Sturm. Stellenweise über 100km/h. Könnte auch was damit zu tun haben, oder?

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cdale
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Na sowieso, und der hat dann 800 to umgeblasen ...

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rottroll
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Bin ich froh, dass es das Kleine Zeitung Forum gibt

Da müsste die Staatsanwaltschaft nur mal hier ein wenig lesen und wüsste sofort, woran es gelegen hat. Können wir uns einen Prozess und die teuren Sachverständigen sparen – hier ist schließlich jeder allwissend und immer und überall dabei.

Auch auf den Nationalrat könnten wir verzichten – die Leute hier wissen alles besser.

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Franto
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--rottroll

Für die Staatsanwaltschaft, die sich da jetzt auch medial wichtig macht, wird am Ende und nach zwei, drei Jahren halt eine Einstellung des Verfahrens heraus kommen. Nicht ohne dass da vielleicht ein Milliönchen an S(chw)achverständigengutachterien verbraten wird.

Zum Glück keine Toten oder Verletzten - also was soll denn da etwas staatsanwaltschaftlich Relevantes drin sein?

Die Ursachen werden schon in ihrem eigenen Interesse die Beteiligten ergründen - und für die Zukunft bei diesen und anderen Bauvorhaben berücksichtigen.

Die Aufteilung der Schadenkosten zwischen den zwei Staatsunternehmen Asfinag und ÖBB sowie deren ohnedies genug versicherten Auftragnehmer wird wohl binnen weniger Tage auszuhandeln sein...

Und der Rest hat nicht einmal mehr Unterhaltungswert. Von einem "Skandal", von dem das von der Gemeinde Wien und den Ministerien mit Annoncen gefütterte Wiener Kloakenblatt schreibt wohl keine Spur.

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lian007
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..man muss kein Statiker oder Sachverständiger sein..

.. um zu erkenne dass hier einfach etwas entweder nicht richtig berechnet, bedacht oder.. gebaut wurde.
Sonst würde die Brücke simpel noch stehen.

Die Brückenbauer hatten hier wirklich mehr Glück als Verstand.
Man stelle sich vor die Brücke wäre vor dem Zug runtergekommen und der Schnellzug wäre in die Trümmer gerast etc. Dann hätte wir hier alle in Frohleiten ein wahres Chaos mit zig Toten gehabt.

So etwas wie dieser Brückeneinsturz darf nicht passieren. Irgendetwas ist hier gewaltig schiefgelaufen und gehört genauestens aufgedeckt. So sehe ich das. Das darf nie wieder passieren. Noch einmal haben wir sicher nicht so ein Glück.

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daschauta
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@ lian007

Naja, da fällt mir spontan auch noch Materialversagen ein. Bin kein Spezialist im Brückenbau oder Spezialtiefbau aber auch bei höchsten Qualitätsstandards von Gerüsten und ähnlichem könnte ja mal ein Fehler sein. Ist natürlich bei weitem nicht so spektakulär wie sich das manche anscheinend gerne wünschen. Immerhin hat man ja jetzt mal die Möglichkeit alle Techniker als Idioten dazustellen...

Aber diese Fehlerquelle ist eher unwahrscheinlich - das haben Sie doch von Ihrem Bürosessel aus schon ausgeschlossen.

Aber ganz generell könnte man doch mal mit den ganzen Vorverurteilungen aufhören und auf die Ergebnisse der Analysen warten anstatt allen Beteiligten jetzt die fachliche Kompetenz abzusprechen.

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wappler2006
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wieder gleiche Firma

Das selbe hatten wir schon in Villach

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cdale
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wappler, nomen est omen

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Efried
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Kukuruzbahn

Wenn die ÖBB nicht so einseitig agieren würde, gäbe es eine Alternative....

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netcensor
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@ Efried: Sie haben recht.

Wäre die ÖBB etwas fortschrittlicher könnte sie die Züge von der einen Seite der Einsturzstelle auf die andere beamen.

Oder meinen sie eine andere Alternative?
Bitte Aufklärung!

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ogparsr9562qptvsfselr0papwufttma
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Na klar - Es gab mal eine sinnvoll funktionierende Verbindung über Feldbach bis nach Wiener Neustadt. Die Strecke ist inzwischen keine Alternative mehr.

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Franto
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--Suderer

Deine angeblich "sinnvoll funktionierende Verbindung über Feldbach" ist eine durchgehende Ansammlung von Langsamfahrstellen aus der Zeit von mehr als vor 100 Jahren. Wohl nicht aus Bosheit hatten die ÖBB schon vor Jahrzehnten den einmal darauf aus Wien nach Graz geführten Triebwagenzug "Oststeirer" eingestellt, der irgend wo um die sechs Stunden dahin bummeln musste. Die wohl viel tauglichere Umleitung Richtung Wien bzw. Nordosteuropa für die Güterzüge wird wohl über Ungarn (St. Gotthard-Sombathely-Ödenburg/Sopron) geführt werden.

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ogparsr9562qptvsfselr0papwufttma
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Mir klar.
Ich habe ja auch geschrieben - es gab einmal...
Die Verbindung war noch vor dem 2. Weltkrieg eine Konkurenzmöglichkeit. Nachdem die ÖBB da nichts getan hat, (der Unterbau ist teilweise noch der originale) ist es eben keine Alternative mehr.
Die ÖBB hat viel zu lange den Stern als Linienkonzept bevorzugt und fast alle Querverbindungen verkommen lassen. Das fällt uns jetzt auf den Schädel und wir können nur neidvoll in die Schweiz mit ihrem zukuntsorientiertem öffentlichen VerkehrsNETZ schauen.

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31yql3mf68b1i3yf1mhqr7cq6vh1nv99
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Nur eine Frage:

Für mich als Laien sieht es so aus, als ob man mit dem Bau des Tragwerks in der Mitte der Brücke (also über den Schienen) begonnen hat. Links und rechts kann ich außer Stützpfeilern kein Tragwerk erkennen. Frage an die Baufachleute hier: Ist das so üblich?

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livius
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Zugverkehr

Könnte nicht auch der Zugverkehr für Erschütterungen gesorgt haben? 120 Züge pro Tag sind nicht wenig.

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keinkepab
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Das wird der Statiker wohl beruecksichtigt haben!

Vermutlich wird eines dieser Stuetzgerueste gebrochen sein.

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DanielleDurand
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wenn das Dings runterkracht, kannst den Statiker

vergessen.
Der hat jetzt ein Problem.

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WernStein
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Oh Mann!

Vielleicht ist eine Brigade Ameisen im Gleichschritt darüber marschiert.....
Dem Zugverkehr die Schuld am Brückeneinsturz zu geben ist wohl an den Haaren herbeigezogen. Wenn Erschütterungen vom Zug eine Brücke zum Einsturz bringen, dann liegt der Grund wohl in der mangelhaften Statik!

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DanielleDurand
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die Brigade Ameisen liest sich vielleicht lustig,

aber unter der wegen Einsturzgefahr gesperrten Autobahnbrücke Kufstein-Kiefersfelden durften die Züge damals nur im Schritttempo (!) durchfahren - wegen der Erschütterungen.
Schritttempo hieß damals: weniger als 10 kmh. Die Lokführer haben sich eisern daran gehalten.

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WernStein
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Zustimmung!

Da war aber bekannt, dass die Brücke einsturzgefährdet war. Von einer mit der Technik des Jahres 2015 betonierten Neubaubrücke muss man davon aber nicht unbedingt ausgehen!

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Winnipooth2013
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WernStein

Bist du schon mal am Bahnhof gestanden als ein Schnellzug durchgefahren ist. Die fahren nicht langsam durch denn die sausen durch. Und auch mein erster Gedanke war ob der letzte Zug durch das schnelle durchfahren der Baustelle was losgelöst hat. Muss nicht aber kann auch sein. Wir Autofahrer müssen bei Baustellen die Geschwindigkeit einhalten das sollte die Bahn auch

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WernStein
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Selbstverständlich...

..gibt es Erschütterungen, wenn ein Zug vorbei fährt. Wenn durch so eine Erschütterung etwas ausgelöst worden ist, was nicht unmöglich erscheint, so liegt das Problem aber bauseits. Und wenn die Techniker schon bei Zugerschütterungen Bedenken haben - ich würde über so eine Brücke nicht drüberfahren wollen. Und wenn es trotz allem so wäre, müssten die Bauverantwortlichen ein "Langsamfahren" in diesem Bereich beantragen. Was passiert aber dann bei einem bereits leichten Erdbeben, das es z.B. heute tatsächlich gegeben hat? Wenn sie als Autofahrer bei einer Brückenbaustelle einer Geschwindigkeitsbeschränkung unterliegen, liegt der Grund in den allermeisten Fällen nicht in der Hintanhaltung von Erschütterungen.

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ogparsr9562qptvsfselr0papwufttma
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Die Erschütterungen sind sogar sehr wahrscheinlich der Auslöser. Ob der Geologe oder der Statiker, oder doch die durchführende Firma die URSACHE ware müssen die Sachverständigen klären

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Uschinator
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Die Züge

sind sämtlich elektronisch überwacht und halten sich penibel genau an die vorgeschriebene Geschwindigkeit..... im Gegensatz zu den Autofahrern...

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netcensor
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@winnipooth2013

Wenn es an dieser stelle eine La gegeben hat, dann wurde die bestimmt auch eingehalten. Allerdings ist es mehr als spekulativ die Schuld am Brückeneinsturz bei den ÖBB zu suchen. Hier hat die ein Baubeteiligter gepfuscht.

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9gmfrqgjotj2dqz0tm7ymj5tupkfpfcb
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Bla, bla, bla, elektronisch überwacht

Außerbraz in Vorarlberg, Brühl in Deutschland, Santiago de Compostela in Spanien, immer wieder ist überhöhte Geschwindigkeit bei Zügen die Unfallursache. Ich habe noch NIE einen Polizisten mit Laserpistole neben den Gleisen im Gebüsch gesehen und sicher war auch keiner in Frohnleiten!

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