AUSVERKAUF

Rabattschlacht im Weihnachtsgeschäft

Früh wie nie startet der steirische Handel ins Weihnachtsgeschäft – und in eine Rabattschlacht. Eine schöne Bescherung für die Kunden. Doch nicht alle haben eine Freude.

Winterschlusverkauf, schon bevor der Winter begonnen hat © Brakemeier
 

Der Geduldsfaden dürfte im Textilhandel ein äußerst kurzer sein. Weil der Winter und somit auch die Kauflust nicht und nicht in die Gänge kommen und die Temperaturen nicht fallen, sinken im Handel nun die Preise. Ein Bummel durch Einkaufsstraßen zeigt dieser Tage, dass Prozentzeichen schon riesig auf Schaufenstern prangern, noch ehe die letzten Christbäume und Weihnachtskugeln in den Auslagen funkeln.


Es soll offenbar nicht nur geschaut werden, sondern gekauft. H&M gibt bis zu 50 Prozent Rabatt auf dicke Winterjacken, C&A wirbt mit Rabattgutscheinen bis 23. November, Parfumerien locken ebenfalls mit großzügigen Rabatten, bei Kastner&Öhler waren vergangenen Samstag pinke "Reduziert"- Schilder allgegenwärtig. Andere Textilketten wie New Yorker oder Pimkie, die es ohnehin das ganze Jahr billig geben, lassen noch einmal bis zu 50 Prozent auf viele Wintersachen nach. "Viele wollen mit Prozenten nachhelfen, weil der Herbst zu warm für den Kauf von Winterkleidung war", sagt Murpark-Centermanagerin Edith Münzer.


Aber auch der Lebensmittelhandel buhlt um vorweihnachtliche Kunden mit Aktionsprospekten, die aus Postkästen quillen. Und der Möbelhandel? Feiert quasi täglich "Geburtstag" oder sonst etwas und zelebriert das Motto: "Alles muss raus."


"Die Händler haben nur eine ganz kurze Zeit, um bestimmte Kollektionen zu verkaufen, weil die nächsten nachrücken – die Rabatte sind letztlich eine Optimierungsfrage: Was geht möglichst schnell weg, um einen möglichst guten Preis?", erklärt der Vorstand des Marketinginstitutes an der Uni Graz, Thomas Foscht.

ROTSTIFT IM EINSATZ

Eine Sperrfrist gebot es Händlern bis zum Vorjahr, zwischen Mitte November und Weihnachten keine Aus- bzw. Abverkäufe vorzunehmen. Sie wurde aufgehoben.
Jetzt darf es de facto zwölf Abverkäufe im Jahr geben.
Das Wetter war bisher milde - aber nicht mit den Händlern. Die Lager sind voll.
Die Kunden sind in Österreich rabattverwöhnt. Sie haben laut Experten zum Teil "kein Preisgefühl", lassen sich von Prozentzeichen leicht beeinflussen.


Keine große Freude mit dem Winterschlussverkauf, noch ehe der Winter begonnen hat, hat Gerhard Wohlmuth, Obmann des Handels in der Wirtschaftskammer. "Wir beobachten das jetzt, wie die Betriebe mit den Preisen weiteragieren", gegebenenfalls müsse man darauf reagieren. Dass zuletzt auch österreichweit Regelungen für Ausverkaufszeiten gekippt wurden, sei keine Überraschung, so Wohlmuth: "Es gab ja ohnehin schon so viele Schlupflöcher, dass das ganze Jahr irgendwo Abverkauf war. Wenn eine neue Filiale irgendwo eröffnet, feiern alle anderen mit Preisnachlässen mit." Laut Shoppingcity-Seiersberg-Manager Markus Pöham seien es auch die weltweiten Ketten, die internationale Gepflogenheiten wie "Mid Season Sale" (Ausverkauf zwischen Sommer und Winter) mit hierher importieren.


Christkind & Kostenbremse


Dazu kommen der Konkurrenzkampf zwischen Einkaufszentren und der Trend zum Online-Kauf. Dementsprechend wenig berauschend sieht’s für den Einzelhandel auch unterm Strich aus. Die Erlöse gingen laut KMU Forschung Austria im dritten Quartal um 0,9 Prozent zurück.

ZAHLEN ZUM HANDEL

14 Prozent der Steirer wollen heuer laut Ebay-Studie mehr als 400 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgeben – 2013 gab noch fast jeder Vierte diese Summe aus.
80 Prozent der Steirer kaufen Geschenke auch schon online.
1,5 Milliarden Euro beträgt der Gesamtumsatz im Weihnachtsgeschäft im stationären Einzelhandel. Bei Spielwaren, Uhren und Schmuck entfallen 25 Prozent des Jahresumsatzes darauf.
54 Milliarden Euro erwirtschaftet der österreichische Einzelhandel im Jahr, zuzüglich 2,6 Milliarden aus dem – österreichischen – Internethandel. Die Devise der Händler lautet: Sowohl stationär als auch Internet.
30 Prozent des Gesamtjahresumsatzes macht der Aktionsanteil im Lebensmitteleinzelhandel aus. Sagt der Marktforscher AC Nielsen. Waren, die sehr häufig verbilligt werden, sind Weichspüler, Waschmittel und Kaffee.


Die große Hoffnung ist also das Weihnachtsgeschäft. 307 Euro wollen die Österreicher laut Karmasin Motivforschung durchschnittlich für Weihnachtsgeschenke ausgeben, 2012 waren es 367 Euro. Foscht sagt: "Es ist offensichtlich so, dass die Leute eine Summe im Kopf haben. Die Strategie der Kaufleute: Wenn es schon jetzt billiger ist, kauft man früher – und insgesamt mehr."


Dass heuer gleich mehrere Studien besagen, dass die Österreicher beim Schenken zurückhaltender sein wollen, beunruhigt Centermanagerin Münzer nicht: "Natürlich sind die Leute am Anfang vorsichtig, aber zu Weihnachten wollen sie sich etwas gönnen. Sie geben das Geld jetzt nur bewusster aus."

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Danke für Ihr Verständnis.

reddog
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So!

So es ist soweit, geehrte Mittelschicht, kauft dieses jahr nichts, die sollten suf Ihren Produkten sitzen bleiben damit alle spüren was es bedeutet keine Mittelschicht zu haben!!!

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ronin1234
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irgendwann rächt sich das ganze system. wenn die arbeitnehmer durch die hohen abgaben und die unternehmer sehr zurückhaltend bei den lohnerhöhungen sind wartet der kunde sowieso nur auf den abverkauf! man wäre ja dumm etwas zum normalpreis zum kaufen.

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clxokww6s404lv6yvs9rnognhhcy8g18
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diese "Kaufverweigerung"

könnte aber auch durchaus positive Effekte mit sich bringen !
Nämlich das Ende der großen Einkaufstempel / Malls und die Rückkehr vieler kleiner Firmen/Geschäfte.
Würde sogar ein Mehr an Beschäftigten bringen.
Denn auf der einen Seite sind Malls zwar mit höherer Kundenfrequenz beglückt, auf der anderen Seite zeichnen sie sich durch horrende Mieten und Betriebskosetn, Kosten für gemeinsame Zwangswerbung etc aus, preistreibende Faktoren die bei kleineren Geschäften nicht so sehr ins Gewicht fallen.

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clxokww6s404lv6yvs9rnognhhcy8g18
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Ist doch nichts Schlechtes !

Vor allem wenn man bedenkt dass auch sogenannte/selbsternannte "Qualitätsmarken" ihre Waren in den gleichen Ländern, z.T. sogar den gleichen Firmen, herstellen lassen wie die vielgeschmähten Billigfirmen a la Kik & Co.
Es wird Zeit die unbegründet hohen Margen mancher Labels zurückzufahren und die Preise generell zu senken; das kurbelt nämlich auch den Umsatz an.
Es kann doch nicht sein dass heute ein T-shirt, wenn es nur ein gewisses, das "richtige", Pickerl aufgeklebt hat, schon beinahe eine Großinvestition ist.

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