"Keine Mauern mehr", sang einst Schlagerstar Simone beim Songcontest. Mauern sind auch auf dieser Baustelle am Stadtsaum von Graz kaum mehr zu sehen – sondern Holz- und Brettsperrholzwände. Während das historische, teils denkmalgeschützte Schulgebäude vom Grottenhof außen so dasteht wie immer, aber innen völlig entkernt wurde (hier sollen statt Klassen künftig Internatsschüler untergebracht sein), nimmt nun auch der Zubau aus Holz Formen an.

Rund 50 Bauarbeiter sind hier tagtäglich beschäftigt, damit schon mit Beginn des kommenden Schuljahres das neueste Schulgebäude des Landes fertig ist. "Es wird die modernste Schule für den wachsenden Zweig der Biobäuerinnen und Biobauern in Österreich", wie Schuldirektor Erich Kerngast und der politisch zuständige Landesrat Hans Seitinger bei der Gleichenfeier diese Woche mehrmals betonten.

Auch die Bewohner von morgen (die derzeitigen Schülerinnen und Schüler, die während der Bauzeit in der Partnerschule Hardt in Thal untergebracht sind) durften an diesem Tag bei einem Baustellenrundgang schon künftige Schulluft schnuppern – wobei es dank der Feier zwischen Presslufthammer und Stemmeisen eher nach Gulasch roch. Ihr Eindruck, größtenteils: Vorfreude.

Von den insgesamt 1000 Festmetern verbautem Holz im Zubau, der sich in einen Foyerbereich samt künftigem Café und Verkaufsraum, einen hohen Mehrzweckraum und den eigentlichen Schulbereich teilt, ist von außen noch nicht so viel zu sehen. Es steckt noch in einer schwarzen Hülle. Innen jedoch wird schnell sichtbar, wie (Bio-)Schule von morgen funktionieren soll. Holz, riesige Fensterglasflächen, jeweils Gruppenräume zwischen zwei Klassen und Gangflächen, die gleichzeitig Lern- und Aufenthaltsräume sind.

"Mehr Transparenz geht nicht"

"Mehr Transparenz geht nicht", sagt Hans Seitinger und meint damit nicht nur das offene Schulkonzept, sondern auch bäuerliche Wirtschaftsweise der Zukunft. "Hier können die vielen Besucher und Spaziergänger aus der Stadt hautnah miterleben, wie Produkte von Wiese und Acker über den modernen Stall bis zu den Verarbeitungsräumen entstehen und welchen Wert Lebensmittel haben. Und die Schüler lernen nicht nur das Produzieren, sondern auch das Vermarkten." Diese Übersetzungsarbeit zwischen städtischer und bäuerlicher Bevölkerung werde immer wichtiger und soll ein zentraler Baustein der neuen Bioschule sein.

Politische Vorgeschichte

Bevor es mit dem gut 21 Millionen Euro teuren Bau (die Architekturbüros Caspar Wichert sowie Osnap gewannen die internationale Ausschreibung) losging, gab’s rund um den Grottenhof aber auch viel politische Aufregung. Vor allem, weil ein direkt ans Stadtgebiet grenzender Acker um 18,6 Millionen Euro an die Wohnbaugenossenschaft ÖWG verkauft wurde.

"Ohne den Grundverkauf gäbe es diese Schule nicht und keine in die Zukunft gedachte Ausbildung", sagt Seitinger. "Dass wir uns von 5 von insgesamt 250 Hektar trennen mussten, war schmerzhaft, aber letztlich unumgänglich, um die restlichen 245 Hektar zu retten."

Noch nicht als Bauland gewidmet

Der Acker ist übrigens noch nicht als Bauland gewidmet. Die Umwidmung braucht eine Zweidrittelmehrheit im Gemeinderat, die wohl in einer KPÖ-geführten Regierung nicht so schnell zu erwarten ist. Strengte KPÖ-Chefin Elke Kahr doch 2018 eine Befragung der Wetzelsdorfer Bevölkerung an, die damals klar gegen den Verkauf ausging.
Jetzt, im Dezember 2022, spitzelt das Wintergetreide grün aus besagtem Ackerboden. Fast ist man verleitet zu fragen, ob Gras über die Sache gewachsen ist.