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Steirer des TagesEin Tabuthema der steirischen Geschichte als Bildband

Der Fotograf wurde zum Rechercheur: Simon Brugner (35) schuf einen viel beachteten Fotoband zu einem düsteren Kapitel der steirischen Geschichte - dem Einnehmen von Arsenik als Droge.

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Schon die Art, wie man NICHT darüber gesprochen hat, habe es für ihn interessant gemacht, sagt Simon Brugner. Irgendwann begann er, seiner Großmutter immer mehr Fragen zu stellen über den „Hittrach“, den offenbar Leute, vor allem am Land eingenommen hatten. Es war nichts anderes als Arsen.

Das „Arsenikessen“ dürfte ein so großes Tabu gewesen sein, dass es kaum Aufzeichnungen, kaum Forschungen dazu gibt. Doch offenbar schon seit dem Mittelalter wurde vor allem in der Steiermark hoch giftiges Arsen – genauer gesagt die „trockene“ Form Arsen(III)-oxid oder Arsenik – als Droge konsumiert. Verbreitet war es vor allem unter Bergbauern, Waldarbeitern und Rossknechten, die es zur Leistungssteigerung nahmen, zum Beispiel aufs Butterbrot gestreut. Und ihren Pferden verabreichten, damit diese die harte Arbeit durchstehen. Auch betrügerische Pferdehändler gaben den Rössern etwas Arsenik ins Futter – so erschienen ausgezehrte Tiere wieder gesund und wohlgenährt, ihr Fell begann wieder zu glänzen.

Das Buch

„The Arsenic Eaters“ von Simon Brugner ist beim niederländischen Verlag The Eriskay Connection erschienen. Es ist 144 Seiten stark, die Texte sind in englischer Sprache.

Unter der ISBN-Nummer ist es im Buchhandel erhältlich: 978-94-92051-35-6

www.simonbrugner.com

www.eriskayconnection.com

Eine unglaubliche Geschichte, die in unseren Breiten kaum aufgearbeitet wurde. „In medizinischen Fachzeitschriften erschienen im 19. Jahrhundert Artikel von britischen Ärzten, die in die Steiermark gereist sind, um das zu überprüfen“, fand Brugner heraus. Auch die „New York Times“ griff das Thema 1885 auf. Hierzulande wird es in montanhistorischen Arbeiten nur gestreift, eine Doktorarbeit zum Thema Gift und Zaubermittel der Volksmedizin aus den 1930er-Jahren blieb unvollständig, der Autor im Krieg verschollen.

Video zum (abgeschlossenen) Crowdfundig-Projekt

Um dieses düstere Kapitel als Fotoband aufzuarbeiten, wurde der Fotograf zum Rechercheur: „Ich musste ja wissen, was ich fotografiere“, sagt der Pöllauer, der seit seiner Studienzeit in Wien lebt. So hat sein Buch The Arsenic Eaters zwei Teile: hinten einen sehr detaillierten Rechercheteil mit vielen Bildern, die Brugner aus Archiven zusammengetragen hat, vorne einen mit Fotografien als künstlerischer Aufarbeitung der Lebensumstände der „Arsenesser“, die nur zu einem kleinen Teil dokumentarisch ist – die Höhlen, in denen das Arsen (damals hauptsächlich für die Glasindustrie in Venedig) abgebaut wurde, sind so ziemlich das einzige Greifbare.

Drei Jahre lang arbeitete Brugner an dem teils durch Crowdfunding finanzierten und auf Englisch verfassten Fotoband, der international bereits einige Achtungserfolge erzielte. Noch vor dem Erscheinen liefen etwa schon 200 Vorbestellungen aus New York ein. Im kommenden Jahr will Brugner sein Buch bei einigen Bewerben einreichen. Buchpräsentationen sind ebenfalls in Planung.

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