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Mitten im Flammeninferno"Ich bin kein Held, ich habe nur reagiert"

Thomas Berger war am Steuer des Kranwagens, der in Flammen aufging. So erlebte der Stiefsohn eines „echten Gleinalmtunnel-Helden“ die dramatischen Minuten.

Thomas Berger (41) lenkte den Kranwagen durch den Gleinalmtunnel © Juergen Fuchs
 

Kraftstrotzend, hemdsärmelig, lebensfroh steht Thomas Berger in der Tunnelwarte am Nordportal des Gleinalmtunnels. Der Lenker des Kranwagens, der letzten Freitag in Flammen aufgegangen ist, will sich die dramatischen Bilder von letzten Freitag als Video sichern. Das Asfinag-Team muss ihn enttäuschen. Das Video bekommt nur die Staatsanwaltschaft zu sehen.

Dem 41-jährigen Liezener werden sie aber ohnehin nie aus dem Kopf gehen, die Bilder wie aus einem Katastrophenfilm. Für den Leiter der Betriebstechnik des Tunnels, Harald Purgay, steht fest: „Dass hier keine Menschen zu Schaden gekommen sind, ist der Technik, aber vor allem dem Kranwagenfahrer und den Begleitfahrern zu verdanken. Die haben perfekt agiert.“ Berger winkt ab: „Es brauchen sich keine Medien melden, ich red’ mit keinem! Ich bin kein Held, hab’ einfach reagiert.“ Ende der Durchsage.

Das ausgebrannte Wrack steht nun vor dem Nordportal Foto © Juergen Fuchs

Um 13.11 Uhr geht der 84-Tonner „explosionsartig in Flammen auf“, erzählt Purgay. Die Alarmierungskette wird in Gang gesetzt. Das Glasfaserkabel, das Hitze im Tunnel detektiert, schlägt an, die Ampeln gehen auf Rot, der Tunnel ist gesperrt. Purgay hat an diesem Freitag schon Dienstschluss. Der Brand holt ihn ein: „Ich war daheim, als um 13.16 Uhr die Alarmierung bei der Freiwilligen Feuerwehr in Deutschfeistritz erfolgt ist und bin sofort los.“ Fünf Minuten davor hört die Frau des Kranwagen-Lenkers von ihm am Mobiltelefon jenen Satz, der sie eine Stunde lang um ihren Mann bangen lässt: „Der Kran brennt“.

Dann? Funkstille! Und die Angst, dass das Radio auch Todesopfer melden könnte.

Für ihren Mann beginnt eine dramatische halbe Stunde im Tunnel. Er sieht das Feuer im Rückspiegel, sagt diesen einen Satz zu seiner Frau und stoppt das Schwerkraftfahrzeug sofort, springt aus der Fahrerkabine und geht zur Notrufsäule, um den Tunnelwart zu alarmieren. Begleitfahrer Richard Kern (54), bis vor Kurzem Feuerwehrhauptmann in Hof bei Straden, startet die Evakuierung: „Ich habe meinem Sohn der hinter dem Kranwagen war, gesagt, er solle die Autofahrer zum Umdrehen und Rausfahren bewegen." Der Tunnelkilometer bis zum Südportal hinter dem Lkw, der nach Norden unterwegs gewesen ist, räumt sich zügig. Das ist entscheidend. Die Lüftung zieht den Rauch nach Süden, dort hinter dem Brandherd entwickelt sich die größte Hitze.

Richard und Bernhard Kern begleiteten den Sondertransport Foto © privat

„An der Decke dürfte es bis zu 1000 Grad gehabt haben, bei 750 Grad ist das Glasfaserkabel des Hitzedetektors weggeschmolzen“, zitiert Purgay aus dem Protokoll. Thomas Berger und Richard Kern starten Löscharbeiten. Erst machen sie zwei Feuerlöscher leer, dann kuppeln sie die Löschschläuche der Tunnelanlage zusammen.

Feuerbarriere

Berger hält auf den Kranwagen in Vollbrand. Dass er nicht zu löschen ist, ist klar. Es soll eine Feuerbarriere sein. Kern dirigiert Autofahrer nördlich der Brandstelle zum Umdrehen und Hinausfahren, sperrt den Tunnel mit dem Begleitfahrzeug 50 Meter vor dem Lkw ab: „Ich habe abgezählte Personengruppen in Nischen und Querstollen gebracht und die Zahlen dem Tunnelwart durchgegeben, der perfekt mit uns zusammengearbeitet hat.“

Die Sanierungsarbeiten laufen an Foto © Juergen Fuchs

Zug um Zug gehen sie in den alten Stollen, der noch saniert wird. Von dort bringen die Feuerwehren die Menschen aus dem Berg. Schließlich bringt sich auch Thomas Berger in Sicherheit und informiert seine Frau nach rund einer Stunde, dass es ihm gut geht. Das große Aufatmen.
Er muss nur mit einer leichten Rauchgasvergiftung über Nacht im Spital bleiben. Am Montag geht er schon wieder zur Arbeit. „Nein, wir sind keine Helden“, sagt auch Richard Kern, „wir haben instinktiv gehandelt“. Drei Dinge waren entscheidend: „Es waren die richtigen Leute vor Ort, wir waren nicht zu weit im Tunnel drinnen und es gab keine Panik, auch alle anderen im Tunnel haben gut reagiert.“

Stiefvater Betram Kalcher wurde 2002 als Lebensretter geehrt Foto © kk

Wer ein Held ist, das weiß Thomas Berger genau: Sein Stiefvater. Denn Bertram Kalcher hat auch einen Großbrand im Gleinalmtunnel erlebt. Er war jener Mann, der beim Inferno 2001 die elfjährige Ymke rettete. Das Mädchen aus den Niederlanden, deren Eltern und drei Geschwister im Feuer nach einem Frontalen ihre Leben verloren, hatte schon Feuer gefangen. Kalcher warf sie zu Boden, erstickte die Flammen und trug Ymke aus dem Tunnel. Vor dem Portal brach er selbst mit einer schweren Rauchgasvergiftung zusammen. 2002 wurde der Stiefvater, der vor zwei Jahren verstorben ist, von Landeshauptfrau Waltraud Klasnic als Lebensretter geehrt.

Kommentare (2)

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paulrandig
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32
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Danke für den Bericht!

Er zeigt nicht nur die konkreten Schritte, die reibungslos ineinander gegriffen haben, sondern auch die Haltung, die dahinter steht: Wir machen das, was wir können, so gut wir können. Denn nur dann funktioniert es bestmöglich. Davon kann sich glaube ich jeder von uns eine Scheibe abschneiden.
Ich bin froh, dass wir auch solche Nachrichten lesen, die gerade deshalb bemerkenswert sind, weil im Gegensatz zu gewöhnlichen Nachrichten der Inhalt Ruhe und Besonnenheit transportiert.

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Geerdeter Steirer
1
46
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Das sind die richtigen Worte und Reaktionen !!

"Die haben perfekt agiert.“ Berger winkt ab: „Es brauchen sich keine Medien melden, ich red’ mit keinem! Ich bin kein Held, hab’ einfach reagiert.“ Ende der Durchsage.

Da ziehe ich den Hut und bin stolz auf solche Menschen denen bei solchen Geschehnissen die Mediengeilheit nichts bedeutet.

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