Fingierte ParkstrafenWarnung vor fiesen Grüßen aus dem Süden

Wieder häufen sich Fälle, in denen Steirer vermeintliche Strafzettel aus südlichen Urlaubsländern erhalten. Arbeiterkammer empfiehlt bei ungerechtfertigten Forderungen, nicht zu zahlen.

Viele der Zahlungsforderungen bestehen nicht zurecht © (c) Daniel Hohlfeld - stock.adobe.com (Daniel Hohlfeld)
 

Die Schreiben sind deftig und trafen in den vergangenen Wochen zu Dutzenden in der Steiermark ein: Die Empfänger werden darin aufgefordert, eine offene Parkstrafe aus Italien, Kroatien, Slowenien oder Ungarn in der Höhe von mehreren Hundert Euro zu bezahlen. Ansonsten werde eine sofortige Exekution angeordnet oder das Auto bei der nächsten Einreise ins Urlaubsland beschlagnahmt.

Für Bettina Schrittwieser, Leiterin des Konsumentenschutzes bei der steirischen Arbeiterkammer, ist es kein Zufall, dass derartige Briefe ausgerechnet zum Auftakt der Urlaubssaison auftauchen: „Man baut offenbar darauf, dass sich die Leute Sorgen vor der nächsten Urlaubsfahrt machen und sicherheitshalber lieber bezahlen.“ Zudem sollen die beanstandeten Vergehen in den meisten Fällen bereits vor drei bis fünf Jahren geschehen sein – zu lange her, um sich noch genau erinnern zu können. Denn sehr oft, so Schrittwieser, liege den Forderungen überhaupt kein Fehlverhalten zugrunde.

Uns ist kein Fall bekannt, in dem es Folgen gehabt hätte, wenn jemand die Forderung nicht begleicht.

Bettina Schrittwieser, Arbeiterkammer

Verfasst sind die Forderungsschreiben in der Regel von Anwälten oder Notaren mit Sitz in anderen EU-Staaten. Die Kontrolle von gebührenpflichtigen Parkflächen ist in vielen südlichen Städten nämlich an private Unternehmen vergeben – und nicht immer geht dabei alles mit rechten Dingen zu. „Etliche Konsumenten erklären uns plausibel, dass sie am besagten Tag gar nicht dort gewesen sind oder eine allfällige Strafe schon damals vor Ort bezahlt haben“, sagt Schrittwieser. Als „Beweis“ für das Vergehen ist oft ein Foto des Fahrzeug-Kennzeichens beigelegt, das allerdings irgendwo und irgendwann aufgenommen worden sein kann.

Schrittwieser empfiehlt, ungerechtfertigte Forderungen nicht zu bezahlen. „Uns ist kein Fall bekannt, in dem das Folgen gehabt hätte.“ Theoretisch könnte schlimmstenfalls eine Klage in Österreich folgen. „Eine sofortige Exekution oder gar Beschlagnahmung des Autos gibt es mit Sicherheit nicht“, stellt die Expertin klar.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte in südlichen Ländern das geparkte Auto samt Parkschein fotografieren. Bei einer vor Ort bezahlten Strafe empfiehlt es sich, die Quittung aufzubewahren.

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