TECHNISCHE UNIVERSITÄT GRAZNachhaltig in die Zukunft an der Technik

Eine neue „Science, Technology and Society Unit“ soll an der TU Graz das Verständnis der angehenden Techniker für ethische, soziale und rechtliche Folgen neuer Technologien befördern.

Team rund um Günter Getzinger © TU Graz/Helmut Lunghammer
 

Es ist ein eher ungewöhnlicher Ansatz für eine Technische Universität, aber vielleicht gerade deshalb notwendig: Seit Anfang des Jahres ist die „Science, Technology and Society Unit“ (grob übersetzt: Arbeitsgruppe Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft) unter Leitung von Professor Günter Getzinger tätig. „Wir wollen in der TU Graz zusätzlich Aspekte aus den Bereichen Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften und Kulturwissenschaften abdecken und damit zur Technikfolgenabschätzung beitragen.“

Aus rund 15 Personen besteht diese Einheit, die der Fakultät für Informatik und biomedizinische Technik zugeordnet ist. Bisher war die Arbeitsgruppe Teil des Instituts für Technik- und Wissenschaftsforschung an der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt.

Es sind mehrere Bereiche, die von den Mitarbeitern betreut werden und künftig in Form von Lehrveranstaltungen, aber auch Forschungsprojekten den Kollegen an der TU Graz angeboten werden:

Eine Gruppe befasst sich seit Langem intensiv mit der Gentechnik, etwa in der Landwirtschaft, aber nicht nur dort. Getzinger erinnert daran, dass es heute bereits Enzyme gibt, die in Waschmitteln oder Reinigungsmitteln zur Anwendung kommen und die von Mikroorganismen produziert werden. Demnächst könnten sich diese – gentechnisch veränderten – Mikroorganismen sogar in den Reinigungsmitteln selbst befinden. „Da muss man sich rechtzeitig darüber Gedanken machen.“ Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Biomedizin und Biotechnologie.

Ein anderer Schwerpunkt ist, wie man „technische Institutionen so gestalten kann, dass sie für Frauen attraktiver werden“. Es geht um die Beschäftigung mit geschlechterspezifischen Aspekten der Technik. Mehrere Lehrveranstaltungen sollen ab dem Wintersemester angeboten werden. Prognosen, ob dies den Prozentsatz an Frauen erhöhen wird, will Getzinger nicht abgeben.

Der dritte Bereich ist der allgemeinste, der aber alle Bereiche an der TU Graz einschließt. Es geht um Nachhaltigkeit, um soziale, ethische und rechtliche Aspekte nach dem Motto: „Wie übernehme ich als Techniker Verantwortung für die Zukunft der Welt?“ Was ist etwa in künftigen virtuellen Räumen erlaubt? Wie können Häuser nachhaltig saniert werden.

Wie kann man Datenschutz in einer Welt garantieren, wo Roboter und andere Geräte das Leben älterer Menschen übernehmen sollen? Gerade solche Fragestellungen werden immer wichtiger, wenn man internationale Forschungsprojekte einreicht. Dies ist übrigens auch einer der Gründe, warum die TU Graz die Arbeitsgruppe von Klagenfurt übernommen hat.
Getzinger hat die ersten Gespräche bereits geführt und sieht großes Interesse an den Fakultäten und Instituten: „Ich denke, wir werden rund 20 Forschungsprojekte zusammen entwickeln können.“

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