WohnenSeniorenquote für steirische Siedlungen?

Das Zusammenleben der Generationen hat sich auch in der Steiermark stark verändert. Und ist Thema auf der "Lebensraum"-Messe ab Freitag in Graz.

Modell für neue Jugend-Startwohnungen © Land
 

Zwei oder mehr Generationen unter einem Dach: Dieses geübte Gefüge, sei es als notwendige Wohnform oder sinnvolles Modell für (Zusammen-)Leben, hat auch in der Steiermark Seltenheitswert. Laut Landes- und Regionalentwicklung gab es seit 1981 einen markanten Rückgang auf unter drei Prozent (siehe Infobox).

Vielfältig sind hingegen die Alternativen – eines der Themen auf der großen Immobilienmesse "Lebensraum 2018" (von Freitag bis Sonntag, Messe Graz).

Die Entwicklung

Anhand der Erwerbsstatistik und der Volkszählungen hat die Landesstatistik erhoben:

1981 bestanden 10,2 Prozent der steirischen Privathaushalte aus zwei oder mehr Familien.

1991 waren es nur mehr 4,7 %.

2001 lag der Wert bei 2,9 %.

2011 nur mehr bei 2,7 %.

2015 gab es 2,6 % (aktuellste Zahl).

Lebenshaus

Jenseits unserer Grenzen machte zuletzt das Modell des "Lebenshauses" von sich reden: Im Schatten von Frankfurts Finanztürmen spannt diese heimelige Anlage einen Bogen: Mit einer Tagesstätte für rund 60 Kinder, mit Wohnungen für jüngere und ältere Mieter sowie einem Pflegeheim mit drei Dutzend Plätzen. Jeder soll für den anderen da sein, muss es aber nicht, lautet ein Ansatz dort.

Anlagen in dieser Konsequenz sind in der Steiermark nicht zu finden. Klar, es gab und gibt in einigen Gemeinden Generationenhäuser: Mal sind sie als Begegnungsstätte ausgelegt. Oder sie blieben – wie das "Generationen Wohnen" von Gleisdorf – hinter den hohen Erwartungen, wie die Kammer der Ziviltechniker kritisch resümiert hat.

Seniorenquote "sicher nicht"

Jedenfalls hat der geförderte Wohnbau, wie Landesabteilung und Genossenschaften bestätigen, derartige Vorhaben nicht auf der Liste. Tenor: Man habe es probiert, doch mit wenig Nachhall. Gebaut und vergeben würden die jährlich rund 1400 neuen Einheiten im Landesauftrag "sicher nicht nach einer Seniorenquote".

Johannes Geiger, Geschäftsführer der GWS, betont, dass man den gesellschaftlichen Wandel nicht umdrehen könne. Gefragt seien kleinere Einheiten bzw. Singlewohnungen zu leistbaren Konditionen. Natürlich setzt man Projekte gezielt für junge oder ältere Bewohner um. Jedoch solche für beide Gruppen sind selten. „Dafür bräuchte es eine große Anlage und auf jeden Fall eine Betreuung von dritter Seite.“

Betreutes Wohnen

Stichwort Betreuung: Betreutes Wohnen ist in der Steiermark kein Fremdwort, im Gegenteil. Siehe Liezen, wo die Volkshilfe altersgerechte Mietwohnungen anbietet und die Begegnung mit Kleinen aus der Kinderkrippe unterstützt. Auch in Straß wird im Generationenhaus (von "Miteinander leben") betreutes Wohnen für Senioren in Nachbarschaft zu Jungen vermittelt.

Es braucht aber "immer wen, der sich verbindlich um die Beziehungspflege innerhalb des Projektes kümmert", unterstreicht Franz Ferner von der Volkshilfe.

Selbst dann, sagte man im Frankfurter Lebenshaus den ARD Tagesthemen, seien Konflikte nicht ausgeschlossen.

Kommentare (1)

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AIRAM123
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Egomanie verhindert generationsübergreifendes Wohnen

Niemand ist mehr bereit Abstriche zu machen. Jeder Wohnungseigentümer glaubt, er wohnt in einem eigenen Haus und kann tun und lassen was er will, wann er will ohne Rücksicht auf Andere. Das ist bei SeniorInnen gleich wie bei jungen und Familien. In jeder Lebensphase gibt es eigene Bedürfnisse die einem wichtig sind.... das geht nur dann Miteinander, wenn es dafür Verständnis gibt und die Bereitschaft sich an gemeinsam formulierte Regeln zu halten. Sonst werden wir über kurz oder lang amerikanisch wohnen. Familienwohnparks, Seniorenwohnparks, Studengenwohnparks - traurig eigentlich

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