AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

GesundheitszentrenSo funktionieren Zentren als Rezept gegen Ärztemangel

Dem Land gehen die Ärzte aus, die wohnortnahe Versorgung hinkt hinterher: Das sollen die neuen Gesundheitszentren nun ändern.

Eröffnung Gesundheitszentrum Joglland © Harald Hofer
 

Drei Allgemeinmediziner, eine Hebamme, eine Diätologin und ein Sozialarbeiter arbeiten im Team, zu Öffnungszeiten, die auch die Randbereiche in der Früh und am Abend abdecken: So präsentierte sich das Gesundheitszentrum Weiz diese Woche. Es ist die erste Primärversorgungseinheit, kurz PVE, nach neuem Gesetz – von dieser komplizierten Bezeichnung hat sich die Politik aber verabschiedet. Gesundheitszentrum ist der neue Terminus für jene Strukturen, die das Land flächendeckend überziehen sollen.

Eisenerz

Seit dem Sommer 2017 ist das Gesundheitszentrum Eisenerz in Betrieb. Geführt wird es von den beiden Ärzten Hannes Bauer und Uwe Bauer-Schartner. Unterstützt werden sie von zwei diplomierten Gesundheits- und Krankenschwestern, im März kommt eine dritte hinzu. Die Aufstockung des Teams ist der stetig steigenden Patientenzahl geschuldet. Diese wird im Sommer 2018 weiter steigen, wenn das LKH Eisenerz endgültig geschlossen wird.
Das Leistungsspektrum des an Werktagen geöffneten Zentrums umfasst etwa: Labordiagnostik, Wundversorgung, EKG, Diabetesmanagement sowie Notfallversorgung.

Bis 2025 sollen 30 Zentren in der Steiermark entstehen. Das Ziel: die ärztliche Versorgung vor Ort sicherzustellen und zu verhindern, dass Patienten in Spitalsambulanzen pilgern. Auch werden wir zwar älter, leiden einen großen Teil der Zeit aber an chronischen Krankheiten, die in solchen Zentren behandelt werden sollen. „Es kann nicht sein, dass Patienten mit chronischer Herzschwäche alle drei Monate in die Notaufnahme müssen, weil der Hausarzt nicht verfügbar ist“, sagt Stefan Korsatko vom Forum Primärversorgung.

Weiz

Das Gesundheitszentrum Weiz ist die erste Primärversorgungseinheit nach dem neuen Gesetz: Die drei Allgemeinmediziner Herbert Ederer, Peter Hofer und Daniela Bonstingl arbeiten im Team mit Hebamme, Diätologin und Sozialarbeiter.  Psychologen, Physiotherapeuten und Logopäden gehören schon länger zum Team der Gruppenpraxis, aus dem das Gesundheitszentrum entstanden ist. „Was sich jetzt ändert, ist, dass immer ein Arzt verfügbar ist“, sagt Ederer. Auch verstehe er das Gesundheitszentrum als Ausbildungsstätte für junge Ärzte: Denn Hausarzt zu sein, das könne man nur beim Hausarzt lernen

Die bisherigen drei PVEs in der Steiermark wurden aus der Not geboren: In Mariazell und Eisenerz ersetzen sie Krankenhäuser, in Vorau wurde kein Hausarzt-Nachfolger gefunden. Das Gesundheitszentrum Weiz soll nun ein „Best-Practice-Beispiel“ sein. Dabei geht es nicht nur um die Versorgung der Patienten, sondern auch darum, junge Ärzte wieder aufs Land zu bekommen. Laut einer Umfrage werden nur zwei Prozent der Medizinstudenten Allgemeinmediziner – die Steiermark steuert damit auf einen Hausärztemangel zu, der sich schon letztes Jahr zeigte: Laut Ärztekammer konnte ein Viertel der ausgeschriebenen Kassenstellen nicht besetzt werden. Die Arbeit im Team, der Wegfall der alleinigen Verantwortung für eine Praxis, familienfreundlichere Arbeitszeiten – dadurch sollen Zentren den Beruf Hausarzt wieder attraktiver machen.

Mariazell

Am 1. Oktober 2016 wurde das Gesundheitszentrum Mariazell eröffnet, als Ersatz für das LKH Mariazell, das zuvor schon sehr reduziert worden war. Das Team umfasst 18 Personen, davon fünf Ärzte. Es ist täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet. Mariazell ist ein Pilotprojekt, das wegen der Schließung des LKH und der Pensionierung praktischer Ärzte nötig wurde. Man erprobt dort, wie man dünn besiedelte Regionen ohne Krankenhaus versorgen kann. Der ärztliche Leiter Patrick Killmaier betont, dass fast alles abgeklärt und behandelt wird und nur wenige Patienten in die LKHs Bruck und Lilienfeld überwiesen werden.

„Es war eine schwere Geburt“, sagte GKK-Obfrau Verena Nussbaum bei der Eröffnung in Weiz. Es brauchte zehn Verhandlungsrunden mit der Ärztekammer, bis der Vertrag stand – das lag auch daran, dass der Vertrag eine Blaupause für zukünftige Zentren sein soll. Die Ärztekammer wollte verhindern, dass Zentren von Konzernen aufgekauft werden können, was den „Tod des Landarztes“ bedeuten würde, wie Präsident Herwig Lindern sagt: „Es muss beides geben, Zentren und Einzelpraxen.“ Nicht überall sei es notwendig, ein Zentrum neu zu erfinden: Man müsse bestehende Strukturen nutzen. Können Ärzte Öffnungszeiten abstimmen? Gibt es vor Ort ohnehin Physiotherapeuten? Ein Ziel verbindet alle Spielarten: Aus dem Einzelkämpfer soll ein Team werden.

Joglland

Aus einer Not heraus wurde die Idee zum „Gesundheitszentrum Joglland“ geboren: Nachdem zwei Ärzte in Pension gingen, wäre die Region mit ihren mehr als 5000 Einwohnern ohne Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag dagestanden. Seit Oktober wird das Zentrum vom Marienkrankenhaus Vorau betrieben. In Fürstenfeld entsteht gerade auf dem Gelände einer ehemaligen Tabakfabrik ein Ärztezentrum. Der erste Mediziner ordiniert ab März.

Birkfeld

Zwei Ärzte gingen in Birkfeld innerhalb kurzer Zeit in Pension, ein dritter kündigte die großen Kassen – und keiner wollte die mehrmals ausgeschriebene Kassenstelle im Ort. Da ergriff Michael Adomeit, der kurz davor nach Birkfeld gekommen war, die Initiative und verstand es, die Hausärzte im Oberen Feistritztal enger zu vernetzen. Vertretungen sind nun besser koordiniert, die Fachärzte der Region ins Boot geholt. Mit Ursula Eichberger fand er überdies eine neue Ärztin, mit der er die Ordination teilt. Sie ist nun wochentags den ganzen Tag geöffnet. Selbst die Apotheke hat ihre Öffnungs- den Ordinationszeiten angepasst.

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.