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Zweite Tagung des LeserforumsWenn Leser zu Blattmachern werden

Mitten drin im Zeitungsgeschehen befanden sich die Mitglieder des Leserforums bei der Entscheidung über den Aufmacher.

Der Chefredakteur stand den Mitgliedern des Leserforums Rede und Antwort
Der Chefredakteur stand den Mitgliedern des Leserforums Rede und Antwort © BALLGUIDE/REPELNIG
 

Heiß her ging es bei der zweiten Sitzung des Leserforums der Kleinen Zeitung, die am Freitagabend im Styria Media Center in Graz stattfand. „Sollen wir mit dem Essay von Ex-Bundespräsident Heinz Fischer zum Thema Glanz und Elend der Großen Koalition aufmachen?“, hatte Chefredakteur Hubert Patterer die Mitglieder des Plenums gefragt.

Es folgte eine leidenschaftliche Debatte, ob das zu viel an Einflussnahme wäre. „Das ist viel zu plakativ, so kurz vor der Wahl!“, warf sich Martha Zaunschirm mit Vehemenz in die Diskussion. Für Michael Rahm wäre dieser Aufmacher „kein Problem“.

Wenn die Leser über Politik diskutieren, sei das positiv, so der Tenor der Meinungen. Die Mehrheit des Leserforums stimmte schließlich für diese Titelvariante ab, sie ging in Druck.

Störende Werbung

Danach wurden auch andere Themen besprochen, wie bestimmte Formen der Online-Werbung, die manche stört.

„Wir sind froh, dass Inserenten auf allen unseren Plattformen werben, aber die Werbung darf redaktionelle Inhalte nicht überdecken; das Verhältnis muss ausgewogen sein“, erklärte Patterer.

Medienmanager Bernd Olbrich pflichtete bei: „Die Werbewirtschaft sollte neue Formen überlegen, wenn das Userinnen und User zu sehr stört!“

Interessant war die Idee von Mandatar Ernst Balthasar Scheid, der eine „Prämium-App“ ohne Werbung vorschlug.

Redakteur sein in Zeiten des Wahlkampfs

Einblick in den Alltag eines Redakteurs während der heißen Phase des Wahlkampfs gab Innenpolitik-Chef Michael Jungwirth den Mitgliedern des Leserforums.

„Wie schafft man es, die Aussagen von Politikern auf den Punkt zu bringen, die oft ausweichen wollen?“, fragte Margit Nöhrer. Bei Interviews gebe es im Nachhinein oft harte Verhandlungen, weil mancher Politiker später nicht mehr wissen wolle, was er gesagt hat. „Aber wir haben die Aussagen ja auf Band und fast immer einigt man sich auf eine Variante“, so Jungwirth.

„Wir geben uns mit bloßen Beteuerungen von Politikern nicht zufrieden, gehen der Wahrheit auf den Grund und liefern mit Experteninterviews einen Mehrwert für Leserinnen und Leser“, ergänzte der Chefredakteur.

Jungwirth machte auf das umfangreiche Wahl-Dossier im Internet aufmerksam, das neben einem aktuellen Blog einen breiten Bogen von persönlichen Informationen über die Kandidaten bis hin zu einer Analyse der Wahlprogramme bietet.

Martha Zaunschirm mahnte ein Abklopfen der Programme im Hinblick auf verschiedene Jugendgruppen ein. Lehrlinge hätten z. B. ganz andere Bedürfnisse als Gymnasiasten.

Auf die Frage von Sabrina Lerch, wie man damit umgehe, wenn Werbekunden Inserate zurückziehen, erklärte Bernd Olbrich: „Wir müssen uns einem solchen Druck nicht beugen, weil wir breit aufgestellt sind. Die Unabhängigkeit ist unser oberstes Gut!“

Zum Abschluss wurden die Forumsmitglieder gebeten, Fragen an die Politiker für die Wahlberichterstattung auszuarbeiten.

Geburtshelfer für ein neues Online-Baby

Zur Kritik mancher Mandatare, die neue Titelschrift würde einen Retro-Eindruck erwecken, erklärte Artdirektor Erich Repe, dass gerade Schriften sehr subjektive Empfindungen auslösen. Die Schrift sei eigens für die Kleine Zeitung in Graz entwickelt worden und biete viele Vorteile. Die Leser würden sich sicher bald daran gewöhnt haben. Das bestätigte Michael Rahm mit seiner Aussage, der Relaunch der Printzeitung sei „super gelungen“.

Verblüfft waren die Mandatare über den Vergleich von einst und jetzt: „Dass die früher so vertraute Zeitung jetzt so antiquiert wirkt!“

Repe kündigte an, die „Tabellenschrift“ noch anzupassen, damit diese lesbarer werde.

Anregungen einarbeiten

„Wir stecken viel Energie und Know-how in Layout und Design und versuchen, uns alle zehn Jahre ein moderneres Antlitz zu geben. Das unterscheidet uns von der Konkurrenz“, erklärte Hubert Patterer. Deshalb sei man dankbar über die Rückmeldungen des Leserparlaments. „Wir nehmen Ihre Anregungen ernst und werden diese einarbeiten!“, versicherte er.

Hingewiesen wurde auch auf das ausgebaute Wochenend-Angebot und den aufgewerteten Montag. Hauptintention der Erneuerung der gedruckten Zeitung sei nämlich der Inhalt: „Wir wollen abbilden, dass wir uns vom Nachrichtenmedium hin zum täglichen Magazin mit Hintergrundinformationen und Analysen bewegen.“

Die neue App

Abschließend appellierte der Chefredakteur ans Leserforum, die Geburt des „jüngsten Babys“, die neue App, die noch individueller und regionaler werden wird, als kritische Tester zu begleiten: „Wir werden sie erst in den Markt setzen, wenn Sie uns grünes Licht geben!“

Das Leserforum

25 Mitglieder bilden das Leserforum in der Steiermark, in Kärnten gibt es ein ebenso starkes Pendant.
Die Mandatare wurden aus rund 500 Freiwilligen ausgewählt, die das Team der Kleinen Zeitung für den Zeitraum eines Jahres mit ihren Verbesserungsvorschlägen unterstützen.
Das Plenum gibt Rückmeldung zu Inhalten, bringt Ideen ein, testet neue Produkte, schreibt Kolumnen und fungiert als Anwalt der Leserschaft.
Die Kleine Zeitung möchte so den Dialog mit ihren Lesern intensivieren.

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