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Ärzte-Protesttag

Warum die steirischen Ärzte heute noch nicht streiken

290.000 Menschen sind von den heutigen Ärztestreiks in Österreich betroffen. In der Steiermark wird heute aber - noch - nicht gestreikt. Dabei kracht es jetzt schon gewaltig im System. Im Raum Vorau gibt es nur einen Allgemeinmediziner für 10.000 Menschen.

© Gerhard Seybert - Fotolia
 

Rund 290.000 Menschen sind heute von den Ärztestreiks in Österreich betroffen. Die steirische Ärztekammer wird heute im Gegensatz zu Kammern in anderen Bundesländern aber nicht streiken. Sie setzt auf einen Aktionstag mit Informationsgesprächen, Plakaten, Flyern, Infomaterialien und betont, dass man in den Praxen „noch“ offen habe – Streiks seien also auch in der Steiermark nicht ausgeschlossen seien.

Präsident Herwig Lindner kritisierte ebenso wie Vizepräsident Jörg Garzarolli, Karlheinz Kornhäusl (Stv. Obmann der angestellten Ärzte) und Jakob Riedl (Hochschülerschaft MedUni Graz) die geplante Reform scharf. Es sei erschütternd, dass die Ärzte alle vier Jahre auf die Straße gehen müssten, um gegen Verschlechterungen für die Patienten aufzutreten. Es gehe dabei nicht um das Geld der Ärzte, sondern um die Patienten. Dass das Gesundheitssystem unfinanzierbar sei, das sei eine „Mär“: Seit 2009 wäre der Anteil der öffentlichen Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt sogar gesunken. Und die Wartezeiten würden länger. Obwohl mehr Bedarf durch eine immer älter werdende Bevölkerung bestehe, gebe es keine zusätzlichen Kassenstellen. Der Druck für die Ärzte sei viel höher geworden. Und der Aktionstag richte sich genau gegen diese Verschlechterungen. Die Vorwürfe erklären sich auch daraus, dass die Ärztekammer mit der Reform aus den Entscheidungsgremien für die Planung hinausgedrängt werden könnte.

Bei den Kassen weist man alle Vorwürfe von sich. Auch, dass die Ärztekammer in wichtigen Entscheidungsgremien ausgeblendet werde – man wolle weiter den Stellenplan im Regionalen Strukturplan mit der Ärztekammer ausverhandeln.

Ein Arzt für 10.000 Menschen

Wie dramatisch der Umbruch in unserem Gesundheitssystem ist, sieht man derzeit im Raum Vorau: Dort könnte man 2017 aufgrund von Pensionierungen nur noch mit einem Allgemeinmediziner dastehen – und das für 10.000 Menschen im Einzugsgebiet. Im Hintergrund laufen intensive Verhandlungen, der Gesundheitsfonds und Landesrat Drexler versuchen Ärztekammer und Krankenkasse zu einer Lösung zubewegen.
Derzeit gibt es drei Optionen: Erstens eine Lösung zwischen Ärztekammer und Kassen mit einer Gruppenpraxis. Zweitens ein Institut mit dem Marienklinikum, indem niedergelassene und Spitalsärzte für die Alltagsversorgung zusammengefasst werden. Oder drittens das skandinavische Modell, bei dem ein „Wanderarzt“ an bestimmten Tagen in der Woche in der Gemeinde ist. Klar scheint nur eines zu sein: Der Einzelarzt ist hier Vergangenheit, weil sich keine Nachfolger finden – und man neue Modelle konstruieren muss. Die Forderungen nach einer Erhöhung der Kassenstellen geht damit ins Leere. Heute wird auch in Eisenerz über eine neue Versorgungsstruktur verhandelt, wieder mit dem Gesundheitsfonds.

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