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Was die steirischen Ärzte krank macht

Zu wenig Zeit für Patienten, zu viel Bürokratie, zu wenig Ärzte in Spitälern und Angst vor Behandlungsfehlern: Eine steirische Ärztestudie bringt alarmierende Ergebnisse.

© APA
 

Es sind aufsehenerregende Ergebnisse: Paul Jiménez und Anita Dunkl vom Institut für Psychologie der Uni Graz haben mit Unterstützung der Medizinischen Universität (Prof. Hans-Peter Kapfhammer, Walter Wurm) wissenschaftlich untersucht, worunter Ärzte im Gesundheitssystem leiden.
807 steirische Ärzte wurden befragt, die Ergebnisse mit Antworten von 1200 Nichtärzten verglichen. Der Fragebogen war in mehrere Themenbereiche gegliedert, Schwerpunkte waren Arbeitsbedingungen, deren Auswirkungen auf die ärztliche Gesundheit, Erholungs-Belastungs-Bilanz etc.
Bei bestimmten Parametern (Erholungs-Beanspruchungs-Zustand) befinden sich 11 Prozent der Ärzte im „roten Bereich“ – bei Angestellten sind es 13,5 Prozent, bei den niedergelassenen 5,1 Prozent. Die angestellten Ärzte haben somit sogar schlechtere Werte als die „Standardbevölkerung“. Ähnlich schaut es bei emotionaler Erschöpfung, Burn-out und Co aus – ein deutliches Belastungszeichen.

Bezeichnend: Fast 40 Prozent der Ärzte würden gerne mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen. Über 20 Prozent sagen: Der Beruf schadet dem Privatleben. 39,1 Prozent der befragten Ärzte befinden außerdem, dass die Bürokratie ihnen Zeit stiehlt. Fast 39 Prozent der Ärzte bekritteln, dass sie „Dinge dokumentieren müssen“, die nutzlos für Patienten seien.

Ein Viertel der Ärzte würde lieber mehr Zeit für Patientenkontakte aufwenden, 16,7 Prozent erklären, dass sie zu wenig Zeit für Patienten hätten. 12 Prozent haben Angst, Behandlungsfehler zu begehen, 5,8 Prozent sorgen sich, eine falsche Diagnose zu stellen. 34 Prozent der angestellten Ärzte orten Personalmangel.

Angestellte Ärzte sind stärker betroffen als niedergelassene – und es geht nicht ums Geld. Sie fühlen sich oft eingeengt, bedrückt, belastet. Jiménez analysiert: „Bei den Niedergelassenen schaut das anders aus, sie finden in ihrer Arbeit eher ihre Erfüllung, und so kippen sie nicht in eine kritische Balance.“

Ärztekammer-Präsident Herwig Lindner schätzt die Situation als „bedrohlich“ ein: „Entscheidend ist, dass wir die Arbeitsverdichtung bekämpfen. Es ist brutal, was sich in Ambulanzen abspielt. Frequenzen und Leistungen nehmen zu, aber die Arbeitszeit nimmt aufgrund des neuen Gesetzes ab. Schränkt man Leistungen nicht ein oder lagert sie in den niedergelassenen Bereich aus, werden Spitalsärzte ausbrennen.“ Bekannt ist auch: In gewissen Abteilungen (Anästhesie) wandern immer öfter Unzufriedene in den Wahlarztbereich ab.

DIDI HUBMANN

Kommentare (24)

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Alia01
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Was nicht Berücksichtigung gefunden hat

Ist die Ausbldungssituation. Es ist wohl nur in Österreich möglich dass Assistenzärzte einfach nicht qualifiziert werden es nach wie vor nur vom Gut Will eines Teams abhängt ob ein Neuer was lernt unser System geht daran zu Grunde dass Ressourcen nicht genützt werden sondern bekriegt werden. In manchen Bereichen grenzt es an Mobbing, .null Team, null Unterstützung (alle haben mal begonnen), ja und kein Chef der da durchgreift und gegensteuert, ....Wer Erfolg haben will muss ins Ausland gehen und unter Erfolg verstehe ich nicht Geld scheffeln sondern gemäß dem eigentlichen Grundbedürfnis . Warum man den Bereich studiert, einfach guter Arzt sein wollen!!!!!!!

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rochuskobler
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...die "armen" Ärzte

Leider ist es wie bei anderen Berufsgruppen auch, nur die Gier nach mehr Geld ist es, was unsere Ärzte krank macht. Die Statusssymbole, wie ein Haus, eine Yacht, teure Urlaube oder eben die sprichwörtliche "goldene Badezimmerarmatur" treiben sie an, bis sie zusammenklappen. Immer noch mehr Dienste, immer noch mehr "Gschäfterln" rauben ihnen die Zeit für eine ausgeglichene "work-live-balance". Bezahlen und büßen müssen das alles wir Patienten. Etwas mehr Bescheidenheit und Zufriedenheit würde der Zunft gut tun.

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Tinitfax
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Sie haben offensichtlich keine Ahnung von dem Einkommen eines Arztes. Gehen Sie doch einmal nachschauen, ob Sie in der Praxis Ihres Hausarztes goldene Waschbecken finden - falls er nicht schon entnervt das Handtuch geworfen hat - sicher weil er nicht mehr weiß, wohin mit seinem vielen Geld.
Der Stundenlohn eines Turnusarztes liegt in manchen Bundesländer unter dem der Stationsputzfrau.

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rochuskobler
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Was ist arm?

....mein Arzt ist insofern arm, als dass er in seiner Garage 4 Oldtimer stehen hat. Um keine Neidgefühle zu erwecken, fährt er mit diesen nur in Neumondnächten!
Ich kann nur sagen, das System ist krank.

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crazyklavier
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15 Oldtimer

Kenne einen Mechaniker, der hat 15 Oldtimer. Es gibt halt solche Freaks, hat oft nicht unbedingt mit viel Geld zu tun.

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aabdc6c8dfd81213e0497f52fe379c6a
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Ob er goldene waschbeckenamaturen hat weiß ich nicht.

Aber ein zweimotoriges Flugzeug hatte er.
Auch ein großes Haus ist in seinen Besitz.
Von arm sein kann man da wohl nicht sprechen.
Darum bemitleide ich Ärzte nicht.

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phpp00laabq84xcuposrh45j5lm2k5mq
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Im Gesundheitssystem...

...werden seit Jahren die Warnsymptome ignoriert! Einerseits haben wir bereits die 7-Klassenmedizin, andererseits steht der Kollaps des Systems ante portas!

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stargirl
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Schlimm, ...

aber leider wahr! Aber es trifft ja nicht nur Ärzte sondern auch alle anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen! Vielleicht würde eine Befragung/Studie die ALLE Berufsgruppen im Gesundheitswesen miteinschließt ein noch realistischeres Bild ergeben!? Es ist nicht ein Problem der Ärzte sondern des Gesamtsystems!

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Staatsbuerger
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Warum, wertes Stargirl, beschränkst Du Dich...

auf Berufe im Gesundheitswesen?
Glaub mir, in so gut wie allen Branchen sind die mit Akademikern zu besetzenden Stellen mit hohem Stress behaftet, in den seltensten Fällen wiegt Verdienst den Raubbau an Gesundheit und versäumten Familienlebens auf.
Wie Du so richtig bemerkst, ein Problem des GESAMTsystems.
Und selbst wenn man einen Job hat, bei dem die tägliche Arbeitszeit tatsächlich nur acht Stunden beträgt, in den letzten Jahrzehnten wurden die Anforderungen, das Arbeitstempo, die Komplexität und auch die Verantwortung des Einzelnen in die Höhe geschraubt und zwar in keinem Verhältnis wie Gehälter/Löhne gewachsen sind.
Faire Entlohnung ist selten geworden seit die Shareholder jährlich bei den Dividenden absahnen ...

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aabdc6c8dfd81213e0497f52fe379c6a
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das wird nicht gehen.

denn nur Ärzte haben eine Lobby die ihre sorgen ums Geld ,sofort umdreht und es als Überlastung zeigt.
aber auch bei Ärzten gilt, wer viel arbeitet verdient viel.
aber ohne Arbeit keine kohle.

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stargirl
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Pflege arbeitet ...

... auch viel, verdient aber nur einen Bruchteil der Ärzte! Aber bezüglich der Lobby kann ich nur zustimmen.

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aabdc6c8dfd81213e0497f52fe379c6a
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Da haben sie recht.

Die Pflege wird immer als Stiefkind im Gesundheitssystem angesehen.
Aber treibe teilschuld kann man der Pflege nicht absprechen.
Mit ihrer unterwürfigen Art Ärzten gegenüber,bleiben sie immer deren Diener.
Dabei ist die Pflege genauso wichtig wie die Heilung.

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MedAH
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Überbordende Bürokratie!

Die andauernd steigende Bürokratie generiert durch eine eher ahnungslose Politik wirkt sich eben immer dramatischer aus! Aber dieses Phänomen gibt es leider in allen Bereichen! Der Patient /Konsument / Klient sieht diese erschreckende Entwicklung nicht, und auch nicht die gewaltigen Kosten die da gestemmt werden müssen! Aber nicht umsonst fällt Österreich in allen Statistiken massiv, außer in der Arbeitslosigkeit die steigt dramatisch!

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aabdc6c8dfd81213e0497f52fe379c6a
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es ist schon blöd,

das Ärzte alles dokumentieren müssen.
denn so können sie kontrolliert werden ob ihre Abrechnungen stimmen, oder auch die Therapie.
die Allmacht der Ärzte wird eingeschränkt.
es gilt das Prinzip der Leistung.
aber auch Ärzte werden es noch lernen, das sich die Welt vorwärts bewegt!

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allesraus
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Lindner - ahnungslos

Lindner spricht von Anästhesisten, die in die Wahlarztordination ausweichen?? - ahnungslos! Wir Niedergelassene kommen in seinem Kommentar erst gar vor! Bei den Spitalsärzten kommentiert er, sich für Spitalsärzte einsetzen tun andere. Auch heute: Leider nur weitere Effektheischerei, Herr Lindner!

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Tinitfax
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Sinnlose Regeln und Paragraphen

Das Gesundheitswesen ist ineffizient und hochbürokratisch - Chefärzte, die Patienten nie gesehen haben, bewilligen Untersuchungen und Medikamente, der Hausarzt wird entmündigt. Innovative und familienfreundliche Arbeitsmodelle wie Gemeinschaftspraxen mit anderen Fachrichtungen werden blockiert.
Von der hohen Arbeitsbelastung (60 Stunden und mehr) und der Bezahlung gar nicht zu reden...

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aabdc6c8dfd81213e0497f52fe379c6a
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ja auch ich habe schon ärzte am hungertuch nagen gesehen!

.

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Tinitfax
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Stehen Sie gerne in der Nacht auf, fahren zu einem Notfall, bekommen 28€ (brutto) und haben dann auch noch das Risiko überfallen zu werden (wie kürzlich einem Hausarzt passiert)?

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Maschanska
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Wie soll es in einem Beruf ohne Standesvertretung anders zugehen???

"Ärzte verdienen gut" - man möchte glauben, dass das die Aussage der Patienten ist - falsch! Das ist die Aussage der Ärztekammer - einer Standesvertretung?
Komplizierte Verfahren der Abrechnungen, Druck auf die Kollegenschaft, stupide Regelungen bei Pensionierungen von niedergelassenen Ärzten bzw. Ordinationsverlagerungen. Wenn ÄrztInnen schon am Limit sind - der 12-Stunden-Tag ist eher die Regel als die Ausnahme - und psychisch und physisch oft nicht mehr können, fragen sich Ärzte oft, wo die Unterstützung durch die Kammer bleibt. Die logische Folge ist eine Situation wie in Tirol: dort sind mehr als 50 % der Ärzte nur noch Wahlärzte - ohne Druck der Kassen und Kammer!!!!
Auch Ärzte sind Menschen - sehr wichtige sogar! Ihnen gilt es ein Arbeitsumfeld zu schaffen, dass ihren Kopf für die Arbeit frei macht! Im übertragenen Sinn könnte man sagen: Geht's den Ärzten gut - geht es auch den Patienten besser!

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cn7gvw25l946u8ycmi5jmyfq539sholo
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Reglementiert nicht die Ärztekammer die Anzahl

der niedergelassenen Ärzte und haben daher die Ärzte deshalb keine Zeit für ihre Patienten und weichen diese daher gleich in die Ambulanzen aus, wo man sicher drankommt und alles prompt ohne weitere Überweisungen erledigt wird?
Herr Lindner sollte sich daher selbst einmal bei der Nase nehmen!

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MedAH
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Die Krankenkassen

um genau zu sein , die Gebietskrankenkassen bestimmen die Zahl der niedergelassenen Kassenärzte und die ist nicht daran interessiert die Zahl zu erhöhen! Wobei in ländlichen Gebieten, tut sich das kein Arzt mehr an eine Praxis zu eröffnen!

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cn7gvw25l946u8ycmi5jmyfq539sholo
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Wie, die GKK die von den Arbeitnehmern soviel Geld abkassiert

ist schuld, dass es zuwenig niedergelassenen Ärzte gibt. Kann ich mir eigentlich schwer vorstellen, je mehr Ärzte umso billiger der Preis, ist bei jedem Wettbewerb so. Deshalb verhindern ja die Berufskammern einen gesunden Mitbewerb zum Schaden der Bevölkerung.

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crazyklavier
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Noch billiger?

Wie soll es noch billiger gehen, sie wissen ja gar nicht worum es geht,bei längeren Einsätzen 13 € für eine 1/2 Stunde Einsatzzeit z.b. bei Unfällen, brutto als Umsatz, davon sind sämtliche Praxiskosten zu decken. Billiger geht es nur mehr gratis.
Aber was nützt es, sie glauben es ja doch nicht.Weil sie noch keinen verhungerten Arzt gesehen haben. Logisch!
Gut beobachtet!!

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aabdc6c8dfd81213e0497f52fe379c6a
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sollen wir alle in die stadt ziehen,

damit die Ärzte nicht aufs Land müssen?
so weit wird es noch kommen, das es niedergelassene Ärzte nur mehr in der Stadt gibt.
in den Städten gibt es genug Kassenärzte.

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