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Handschlag-Debatte

„Kein Anspruch auf Berührung“

Die islamische Feministin Dudu Kücükgöl erklärt die Auslegung des Handschlags im Islam. Für sie als Feministin gelte vor allem der Respekt vor den körperlichen Grenzen anderer.

"Jeder hat das Recht selbst zu entscheiden, ob er oder sie eine bestimmte Berührung will oder nicht" © Ibrahim Turgut
 

Wie ist die Auslegung im Islam zum zwischengeschlechtlichen Handschlag?

KÜCÜKGÖL: Aus islamischer Perspektive ist es so, dass es zu vielen Themen einfach unterschiedliche Meinungen gibt, die auch in gleichberechtigter Art und Weise nebeneinander existieren. Es gibt die Meinung, dass es nicht in Ordnung ist, einer Person des anderen Geschlechts die Hand zum Gruß zu geben, wenn keine enge Verwandtschaft besteht. Es gibt aber auch die Meinung, dass es durchaus in Ordnung ist. Es gibt aber auch Leute, die der Meinung sind, dass es vielleicht nicht in Ordnung ist, aber es trotzdem tun, um das Gegenüber nicht zu kränken. 

Ist beides „richtig“?

KÜCÜKGÖL: Beide Auslegungen haben ihre Quellen und ihre islamische Argumentation dazu und manchmal spielt der Islam auch keine Rolle. In der innermuslimischen Pluralität ist es durchaus möglich, dass zwei unterschiedliche manchmal konträre Meinungen nebeneinander als richtig stehen können. Letzen Endes muss jeder Muslim selbst entscheiden, welche Meinung er befolgt.

Warum wird Frauen nicht die Hand gegeben?

KÜCÜKGÖL: Erstens gibt es auch muslimische Frauen, die fremde Männer nicht mir der Hand grüßen möchten. Das hat nichts mit Kränkung oder Beleidigung zu tun, sondern es geht um Privatsphäre. Sie geben Frauen oder Männern mit denen sie verwandt sind, ja die Hand. Es geht dabei nicht um das Geschlecht, sondern um familiäre Nähe und es geht auch nicht um alle Frauen oder Männer.

Wie sehen Sie das als Feministin?

KÜCÜKGÖL: Gerade für mich als Feministin gilt der Respekt vor den körperlichen Grenzen anderer. Es gibt keinen Anspruch auf eine Berührung. Jeder hat das Recht selbst zu entscheiden, ob er oder sie eine bestimmte Berührung will oder nicht.